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TV-Kritik

"Hart aber fair" : Nach der Merkel-Dämmerung folgt die Plasberg-Dämmerung

Ist nach dem Rücktritt vom CDU-Parteivorsitz bald auch Schluss mit der Kanzlerschaft? Die Causa Merkel beschäftige auch Plasbergs Talkrunde. Doch mehr als sinnloses Rumstochern im Nebel war nicht drin.

Von Sylvie-Sophie Schindler

"Hart aber Fair"

So richtig an Fahrt gewann die Runde nicht – nur beim Thema Flüchtlinge kam es zum Schlagabtausch

Könnte sein, dass nun doch so einiges ins Rutschen kommt – was aber? Angela Merkels Teilrückzug lässt natürlich auch Frank Plasberg nicht kalt. Weg bei "Hart aber fair" mit dem geplanten Thema "Absturz der Sozialdemokratie weltweit" und ran an das "Merkel-Ding". Doch der Kanzlerinnen-Dämmerung folgte die Plasberg-Dämmerung: Ohne Erkenntnisgewinn tappte man von einer Orakel-Falle in die nächste.

Bei Kollege Günther Jauch gibt´s wenigstens bei vier Fragen immer eine richtige Antwort. Hier aber ein einziges Taumeln in Mutmaßungen. Die kreisten vor allem um die Fragen "Wie lange macht sie noch Kanzlerin?" und "Wer wird Merkels Nachfolger?" Die Talkgäste merkten schnell: So ergiebig ist das nicht, was der Moderator da von uns will, und lenkten auf die Flüchtlingspolitik und zurück ins Jahr 2015. Da aber grätschte, spät aber doch, Plasberg dazwischen: "Das hier ist keine Sendung zum Thema Flüchtlinge". Eine Sendung über die politische Bedeutung von Merkels Rücktritt vom CDU-Parteivorsitz war es aber eben auch nicht.

Die Gäste der Sendung und ihre wichtigsten Zitate

  • Paul Ziemiak (CDU) Bundesvorsitzende der Jungen Union, ernannte sich selbst zum Coach von SPD-Politiker Ralf Stegner: "Reden Sie doch mal positiv über die SPD."
  • Ralf Stegner (SPD), stellvertretender Parteivorsitzender, über das Verhalten der Koalitionspartei im Dieselskandal: "Das war wie in der heute-Show."
  • Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen), Parteivorsitzende, die sich dem Thema am offensichtlichsten verweigerte: "Ich würde gerne über Kitas sprechen."
  • Robin Alexander, Politikjournalist, über die Frage, wie konservativ die CDU überhaupt noch aufgestellt ist: "Jens Spahn ist mit einem Mann verheiratet."
  • Werner Hansch, Sportreporter, spekulierte über Merkels Nachfolgekandidaten: "Christian Wulff, den werden wir hoffentlich mal wiedersehen."

Frank Plasberg stichelt gegen Baerbock

Wulff, hat jemand Wulff gesagt? Ein Hochschrecken aus dem Dämmerschlaf. Ist da einer etwa mit dem Bobby-Car bereits auf der Zielgeraden? Auch Friedrich Merz wurde genannt. Den aber, so vermutete Plasberg, müsste Baerbock erstmal googlen. Sein Vergleich: "Das wäre, als würde Joschka Fischer von den Grünen wieder aktiviert werden." Alexander räumt Armin Laschet gute Chancen ein: "Sein Vorteil ist, er hat die meisten Leute auf dem Parteitag." Zudem habe er die Brücken zur FDP nicht abgebrochen. Wäre noch Annegret Kramp-Karrenbauer. Es heißt, sie wäre Merkels Lieblingskandidatin.  Die am Abend zuvor bei "Anne Will" aber sagte: "Merkel wird nochmal antreten." So richtig überzeugend jedoch sind die potentiellen Nachfolger, wenn man der Runde zuhörte, alle nicht. Hansch drückte es so aus: "Ich muss mir einen backen."

Paul Ziemiak will nicht spekulieren

Ziemiak wollte sich, wenig überraschend, an solchen Spekulationen gar nicht erst beteiligen. Merkel sei immerhin noch Kanzlerin. Und das sei auch gut so. Denn: "Ein vorzeitiger Rückzug als Kanzlerin wäre unverantwortlich." Vergleiche mit Gerhard Schröders Kanzlerdämmerung lehnte er ab. Er sprach lieber vom einem "guten Tag für die CDU" und einer Chance auf einen Neustart für die Koalition. Ob Horst Seehofer nun Konsequenzen drohen? Dazu wieder kollektives orakelhaftes Rumgeeiere: Kann sein. Möglicherweise. Vielleicht. Hoffentlich. Nächste Frage in die Runde: Wer hat´s geahnt? Ziemiak: "Ich hätte nicht gedacht, dass es heute passiert." Stegner: "Dass es irgendwann passieren wird, hatte ich angenommen." Baerbock: "Es hat mich nicht überrascht." Ja, gut erkannt, immerhin steckt ein bisschen absurdes Theater im Plasberg-Kosmos. Wenigstens.