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Katrin Bauerfeind: Deshalb ist sie eine Feministin

Katrin Bauerfeind hat im Interview verraten, wie Feminismus in eine Comedyserie passt und warum sie sich selbst als Feministin bezeichnet.

Katrin Bauerfeind in ihrer Rolle als Frau Jordan

Katrin Bauerfeind in ihrer Rolle als Frau Jordan

In der neuen Comedyserie "Frau Jordan stellt gleich", die ab diesem Montag (23. September) auf dem Streaming-Portal Joyn abrufbar ist und im kommenden Jahr auch auf ProSieben ausgestrahlt wird, spielt Katrin Bauerfeind (37, "König von Deutschland") eine Gleichstellungsbeauftragte. Warum ihre Rolle "echt Eier hat", was Feminismus und Katholizismus gemeinsam haben und wieso sie sich selbst als Feministin bezeichnet, verrät sie im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

Warum braucht es eine Serie über Gleichstellung?

Katrin Bauerfeind: Katholizismus und Feminismus ähneln sich ja in Sachen Humorlosigkeit. Wobei ich finde, der Feminismus steht zu Unrecht in der Ecke, denn das kann sehr lustig sein. Deswegen die Comedyserie dazu. Wir finden, es ist Zeit auch mal über das Thema zu lachen - was übrigens nicht dasselbe ist, wie sich darüber lustig zu machen. Außerdem ist Gleichberechtigung eben das Thema der Stunde - zumindest war es das, bis dann alle zum Klima weitergezogen sind (lacht).

Dabei geht es bei Gleichstellung ja nicht nur um das Geschlechterverhältnis...

Bauerfeind: Das stimmt, Gleichstellung beschäftigt sich tatsächlich mit der Benachteiligung aller Randgruppen: Behinderte, Katholiken, Ausländer und eben auch Männer. In unseren Fällen geht es um aktuelle Themen: Braucht es rosa und blaue Fahrräder für Mädchen und Jungs? Sollen Volleyballerinnen "Prachtregion" auf ihren Bikinihöschen stehen haben? Was macht man mit einer Katholikin, die sich von einer lesbischen Frau provoziert fühlt?

Frau Jordan muss sich auch um vermeintlich banalen Alltagssexismus kümmern. Warum wird das Thema oft nervig abgetan?

Bauerfeind: Es wäre dann halt so schön einfach. Ein Beispiel: 1989 hat der DFB den deutschen Europapokal-Siegerinnen als hausfrauenfreundliche Prämie ein Kaffeeservice überreicht. Die Männer bekamen natürlich Kohle. So ewig ist das ja alles noch nicht her...bis heute ist Sport für Männer vor allem finanziell attraktiver als für Frauen. Weiterentwicklung ist halt oft schwierig, nervig und anstrengend, aber trotzdem kein Grund stehen zu bleiben.

Wo muss denn am dringendsten etwas getan werden?

Bauerfeind: Punkt eins auf meiner Agenda: Männer und Frauen sollten für den gleichen Job das gleiche Geld bekommen. Danach folgen viele weitere (lacht).

Würden Sie sich als Feministin bezeichnen?

Bauerfeind: Auf jeden Fall. Für mich bedeutet das einfach nur, dass Frauen und Männer die gleichen Möglichkeiten haben. Ich kann daran nichts Schlimmes finden.

Welche Frau packt das Thema in der Öffentlichkeit auf gute Art und Weise an?

Bauerfeind: Beyoncé hat das Thema groß gemacht. Amy Schumer und Carolin Kebekus bringen die Leute bei dem Thema gleichzeitig zum Lachen und zum Nachdenken...Das finde ich eine sehr gute Kombi. Humor kann ja schließlich auch zum Ziel führen.

Man kennt Sie vor allem als Moderatorin. Warum darf es manchmal auch die Schauspielerei sein?

Bauerfeind: Ich habe schon mit zehn Jahren im Schultheater gespielt und wollte das eigentlich schon immer machen - zack, 25 Jahre später läuft die Sache. Beim Schauspiel ist man ein bisschen wie Sherlock Holmes. Man muss Hinweise, Indizien und Eigenschaften suchen, einen Charakter auf dem Papier so entschlüsseln, dass er möglichst echt werden kann. Ich finde das sehr spannend und nahezu meditativ.

Was hat Sie speziell an dieser Rolle gereizt?

Bauerfeind: Die Jordan hat echt Eier, sie ist unkonventionell und selbstbewusst und eine Kämpferin für die Sache. Sie schießt lieber übers Ziel hinaus, als es gar nicht zu erreichen. Beruflich super, privat liegt sie dagegen oft falsch. Oder aber neben dem Falschen. Wie im echten Leben quasi, nur lustiger.

Wären Sie denn die geborene Gleichstellungsbeauftragte?

Bauerfeind: Nein, ich habe ja so einen angeborenen Jetlag und kann morgens wirklich nichts, vor allem nicht arbeiten. Das war mir schon mit 16 klar, weswegen ich immer einen Job gesucht habe, bei dem es darauf ankommt, später am Tag gut drauf zu sein. Insofern, glaube ich, bin ich geboren für das, was ich jetzt mache.

SpotOnNews