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"Graffito" von 1893 Edvard Munchs "Schrei": "Kann nur von einem Verrückten gemalt worden sein"

Auktionator und und Munch-Gemälde vor einem bietenden Publikum
Das weltberühmte Bild "Der Schrei" von Edvard Munch wurde im Jahr 2012 im Auktionshaus Sotheby's in New York versteigert
© Andrew Gombert / Picture Alliance
Jahrelang wurde gerätselt, wie eine Bleistift-Nachricht in Edvard Munchs berühmtestes Bild gelangt sein könnte. Infrarot-Analysen haben nun ergeben: Der Maler hat den Satz selbst in seinem Bild hinterlassen.

Kaum ein Bild beschreibt besser das Gefühl von größter Angst als das Gemälde "Der Schrei" von Edvard Munch. Obwohl es bereits im Jahr 1893 zum ersten Mal in der Heimatstadt des Malers, in Oslo, ausgestellt worden ist, hat auch heute niemand Zweifel, was das Werk zeigt: So sieht Panik aus. Der Norweger hat den Ausdruck des Entsetzens so unvergleichlich eingefangen, dass auch Kinder verstehen, was er mit dem Bild darstellen wollte. Der Gesichtsausdruck von Munchs "Hauptperson" im "Schrei" findet sich sogar in den Emojis des 21. Jahrhunderts wieder.

Im Jahr 2022 soll in Norwegens Hauptstadt Oslo ein neues Museum eröffnet werden. Da darf dieser Klassiker natürlich nicht fehlen. Doch das nahezu 130 Jahre alte Bild musste zuvor durch den "Museums-TÜV" und neu konserviert werden. Dazu gehörte auch eine Durchleuchtung mit Infrarotlicht. Bei der fand die winzige, kaum sichtbare Bleistift-Nachricht "Kann nur von einem Verrückten gemalt worden sein" in der linken, oberen Ecke des Bildes neue Beachtung. Sie hatte in der Kunstwelt bereits für einige Spekulationen gesorgt.

Munch hat die Nachricht selbst hinterlassen

Die neuen Tests haben nun ergeben, dass Munch die Nachricht in seinem Bild selbst hinterlassen hat. Während sich Kunsthistoriker lange gefragt haben, ob die Inschrift eventuell ein Sabotage- oder Vandalismus-Akt gewesen sein könnte, ist man sich nun sicher, dass kein Unbekannter dafür verantwortlich ist. Die Handschrift wurde (mit neuester Technologie) mit der aus seinen Tagebüchern und Briefen verglichen – und das Ergebnis war eindeutig.

"Die Handschrift ist ohne Zweifel die von Munch selbst", erklärte die Kuratorin des neuen Museums, Mai Britt Guleng. 1994 war "Der Schrei", bei dem es sich um eine Serie aus vier Gemälden und einer Lithografie handelt, aus einem norwegischen Museum gestohlen und erst durch eine Undercover-Aktion britischer Detektive wiedergefunden worden. Das Werk hatte früher bereits Kritik und auch Spekulationen um Munchs geistige Verfassung ausgelöst.

Munch war von der Kritik frustriert

Anhand seiner Tagebücher lässt sich schlussfolgern, wie gekränkt Munch von der Wahrnehmung seines Bildes war. Das bestärkte die Einschätzung, dass er selbst nachträglich das "Graffito" zu seinem Gemälde hinzugefügt habe. Sowohl sein Vater als auch seine Schwester litten unter Depressionen, Munch selbst wurde 1908 nach einem Nervenzusammenbruch eingewiesen. Seine Mutter sowie seine ältere Schwester verstarben, bevor der Künstler 14 Jahre alt war, eine weitere Schwester war wegen einer bipolaren Störung in eine psychiatrische Anstalt überwiesen worden.

"So lange ich mich erinnern kann, habe ich unter großer Angst gelitten", zitiert die BBC Munch, "die ich versucht habe, in meiner Kunst zum Ausdruck zu bringen." Doch dieses Gefühl gab ihm auch Halt: "Ohne die Angstzustände und die Krankheit wäre ich wie ein Schiff ohne Steuerruder gewesen."

"Der Schrei" wird mit einer Reihe anderer Gemälde von Munch ab 2022 im Nationalmuseum Norwegens ausgestellt.

Quelle:  BBC


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