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Lulu. Die Nuttenrepublik: "Wir sind das Gegenteil von kalt"

Natürlich will er provozieren. Deshalb illustriert Theaterregisseur Volker Lösch seine neue Inszenierung "Lulu - Die Nuttenrepublik" mit echten Berliner Prostituierten.

Natürlich will er provozieren. Deshalb illustriert Theaterregisseur Volker Lösch seine neue Inszenierung "Lulu - Die Nuttenrepublik" mit echten Berliner Prostituierten. Aber aufklären will Lösch auch. Dafür reichert er das Drama "Lulu" von Frank Wedekind mit Details aus dem Alltag der Sexarbeiterinnen, wie sie sich nennen, an. Und am Ende der Premiere in der Schaubühne Berlin lässt er am Samstagabend seinen Huren-Chor frauenbewegt "Muschis aller Länder vereinigt euch!" skandieren.

Leider gewinnt Lösch, Spezialist für Sprechchöre mit Laiendarstellern, weder Wedekinds Text noch dem Kampf der Frauen um Anerkennung irgendwelche neue Seiten ab - so ist der Abend wenig erhellend und spannend. Inzwischen kann sich der Zuschauer seinem Voyeurismus hingeben und sich ausmalen, welche der 16 Damen jeden Alters wohl als Tantra-Masseuse, Domina, Escort-Lady, Puffmutter, Pornodarstellerin oder Stripteasetänzerin arbeitet. Ein kalkulierter, reichlich schaler Effekt auf Kosten der selbstbewusst auftretenden Frauen.

Das Spiel von Lulu-Darstellerin Laura Tratnik wird von dem ihr zur Seite gestellten Chor mehr ausgebremst als ergänzt. Am beeindruckendsten ist das Bühnenbild von Carola Reuther: eine gigantische, die ganze Bühnenbreite ausfüllende Wand aus in Reihen übereinandergestapelter weißer Kopfkissen. Dort hinein lässt sich Lulu genüsslich fallen, aber dort hinein flüchten sich die Frauen auch vor den Männern.

Erzählt wird von Lulu, die die Männer verführt und doch von ihnen nur ausgebeutet wird. Am Ende arbeitet sie als Prostituierte und wird ermordet. Das männliche Geschlecht gibt in Löschs Inszenierung eine armselige, jämmerlich komische und zwei Mal auch nackte Figur ab.

Die Männer seien ausschließlich triebgesteuert, den Frauen falle es schwer, Liebe und Sex zu trennen, heißt es klischeehaft. Das wird mit den Berichten der Frauen aus dem realen Leben untermauert - Gefühle spielen immer mit: "Wir sind das Gegenteil von kalt", sagen die in weichen, fließenden Kleidern in Pastelltönen auftretenden Frauen.

Elke Vogel, DPA / DPA
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