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Eurovision Song Contest: Roman Lob kam beim Publikum besser an

Loreen war der Liebling von Zuschauern und Jurys: Das zeigt das nach Telefonabstimmern und Experten getrennte Ergebnis des Eurovision Song Contest, das jetzt veröffentlicht wurde. Deutschland und Roman Lob konnten hingegen von den Juroren nicht profitieren.

Von Jens Maier

Mit haushohem Vorsprung hat Loreen mit ihrem Song "Euphoria" den 57. Eurovision Song Contest in Baku gewonnen. Aus 18 Ländern, darunter auch aus Deutschland, erhielt sie die Höchstnote von zwölf Punkten, außerdem etliche Zehn- und Acht-Punktewertungen. Doch nicht nur Europa, sondern auch Zuschauer und Jurys waren sich über den Sieg der 28-Jährigen einig.

Die schwedische Sängerin hat sowohl die Telefonabstimmung als auch die Wertung der Jurys gewonnen. Das geht aus den getrennten Ergebnissen hervor, die jetzt von der European Broadcasting Union veröffentlicht wurden. Seit 2009 fließen die Abstimmungen der Zuschauer und der Jurys zu je 50 Prozent in das Gesamtergebnis ein. Demnach kommt Loreen auf 343 Punkte im Televoting und 296 Punkte in der Juryabstimmung. Damit wurde sie von beiden auf Platz eins gewertet.

Große Unterschiede bei Russland und Türkei

So einig waren sich Zuschauer und Jurys aber längst nicht bei allen Teilnehmern (siehe Tabelle unten). Die russischen Omas Buranovskiye Babushki lagen bei den Punktrichtern nur im Mittelfeld (Platz elf), wurden aber von den Zuschauern auf den zweiten Platz gehievt. Noch drastischer fiel der Unterschied bei der Türkei aus. Die Telefonabstimmer sahen Can Bonomo auf Rang vier, die Jurys ganze 18 Plätze dahinter auf dem 22. Rang. Den siebten Platz im Gesamtergebnis hat die Türkei somit nur den Zuschauern zu verdanken.

Genau umgekehrt verhält es sich beim französischen Beitrag. Von den Televotern wurde Anggun mit null Punkten komplett ignoriert, aber von den Jurys auf Rang 13 gewertet. Auch die zwischenzeitlich als Favoritin gehandelte Italienerin Nina Zilli wurde vom Publikum abgestraft. Die Anrufer wählten sie mit Platz 17 nur ins hintere Mittelfeld, die Jurys aber auf den vierten Rang.

Roman Lob schneidet bei den Zuschauern besser ab

Für den deutschen Teilnehmer Roman Lob gab es ebenfalls eine kleine Überraschung. Viele Experten hatten im Vorfeld erwartet, dass er vor allem bei den Jurys reüssieren würde. Jedoch erhielt er von den Zuschauern mit Rang sechs ein besseres Ergebnis als von den Punktrichtern, die ihn nur auf dem zehnten Platz sahen. Somit haben ihn die Jurys im Gesamtergebnis (Platz 8) zwei Plätze gekostet.

Die unterschiedlichen Bewertungen zwischen Jurys und Telefonabstimmung führen Jahr für Jahr zu Diskussionen. Einige Grand-Prix-Fans fordern regelmäßig die Abschaffung der Jurys, die ihrer Meinung nach das Ergebnis verfälschen. Die Punktrichter waren vor vier Jahren wieder eingeführt worden, um Sympathiewertungen und Diasporastimmen zu relativieren. Insbesondere aus Deutschland und Österreich war Kritik an der sogenannten Ostblock- und Balkanmafia laut geworden. Der Vorwurf lautete, dass zahlreiche Länder in der ehemaligen Sowjetunion und Ex-Jugoslawien sich gegenseitig Punkte zuschieben würden.

Deutschland profitiert nicht von Jury-Wertungen

Den deutschen Teilnehmern hat die Jury-Wertung in den vergangenen drei Jahren aber mehr geschadet als genutzt. Zwar waren sich Jurys und Telefonabstimmer bei Lenas Titelgewinn 2010 einig, ihr Sieg fiel bei den Punktrichtern jedoch deutlich knapper aus. Auch bei ihrer zweiten Teilnahme im vergangenen Jahr wurde sie von den Zuschauern - wenn auch minimal - besser bewertet (Rang 9) als von den Jurys (Rang 10). Die Rechnung, wonach eine Jury vor allem den westlichen Ländern nützt, ist für Deutschland somit bislang nicht aufgegangen.

Gesamtergebnis (G)/Telefonabstimmung (T)/Jurywertung (J)

- G-Place G-Points T-Place T-Points J-Place J-Points
Sweden 1 372 1 343 1 296
Russia 2 259 2 332 11 94
Serbia 3 214 3 211 2 173
Azerbaijan 4 150 5 151 8 118
Albania 5 146 8 106 3 157
Estonia 6 120 12 78 6 152
Turkey 7 112 4 176 22 50
Germany 8 110 6 125 10 98
Italy 9 101 17 56 4 157
Spain 10 97 18 45 5 154
Moldova 11 81 13 75 9 104
Romania 12 71 7 117 20 53
F.Y.R.Macedonia 13 71 11 79 17 69
Lithuania 14 70 14 68 14 82
Ukraine 15 65 20 37 7 125
Cyprus 16 65 15 63 12 85
Greece 17 64 9 89 18 60
Bosnia & Herzegovina 18 55 16 57 15 71
Ireland 19 46 10 89 25 14
Ireland 20 46 19 39 19 53
Malta 21 41 25 10 16 70
France 22 21 26 0 13 85
Denmark 23 21 23 18 21 51
Hungary 24 19 22 20 23 30
United Kingdom 25 12 21 36 26 11
Norway 26 7 24 16 24