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"Die Niels Ruf Show": Neben Schmidt ist noch Platz

Es ist ein Déjà-Vu: gleicher Sender, gleiche Diktion, ähnliche Kulisse. Niels Ruf macht den Harald Schmidt, wenn natürlich auch ganz anders. Aber ist die nun bei Sat1 gestartete "Niels Ruf Show" tatsächlich die Late Night, die Deutschland braucht?

Von Sophie Albers

"Vater, du sprichst wieder mit mir!", hatte Niels Ruf gejohlt, als Harald Schmidt ihn 2000 in seiner Late Night Show auftreten ließ. Nun tritt der Ex-Viva-Moderator an, "Vater" zu beerben. So verkauft er das jedenfalls. Und hieß es doch jüngst im "Playboy", Ruf sei der Mann, der Schmidt einmal war.

Die Late-Night-Show werde einst "ganz normaler Bestandteil des Fernsehens" sein, "wir sind einfach da wie die 'Tagesschau'", hatte Papa Schmidt vor zehn Jahren prophezeit, als er selbst noch bei Sat1 war. Doch der einzige, der mittlerweile diese sogar senderübergreifende Selbstverständlichkeit hat, ist er selbst. Raabs "TV Total" ist nicht Late Night im engeren Sinne, und Pocher ist ja noch in der Live-Ausbildung. Allen anderen hat bisher der lange Atem meist des Senders gefehlt. Nicht einmal Anke Engelke konnte die Erwartungen erfüllen. Deshalb heißt es schon seit langem: "Schmidt ist einfach da wie die Tagesschau".

Zeit für ein neues anarchisches Sandmännchen: Die erste Folge der "Niels Ruf Show" im Free-TV war kein Knaller, und die Harald-Schmidt-Crew wird aufgeatmet, vielleicht sogar gelacht haben über den jungen Mann, der am Zaun der Late Night rüttelt wie einst Gerhard Schröder am Zaun des Kanzleramts. Aber wie einst Schröder ist nun auch Ruf drin, und seine Kamikaze-Eigenschaften machen ihn durchaus konkurrenzfähig.

Mit "Schwanzsteuerung"

Gut, die Stand-Up-Phase ist weniger subtil, der Einspieler öder Porno und sowieso übernimmt häufig die "Schwanzsteuerung", aber die Dynamik stimmt, der Flow, und man schaut gerne zu, wenn Ruf sich mit Showgast Model Eva Padberg betrinkt. Es ist diese nicht zu fakende Leichtigkeit, die Ruf eigen ist, dieses Gefühl, dass er die Sendung eigentlich ganz für sich alleine macht, und man schaut eben mal vorbei.

Bleibt zu hoffen, dass der Sender weniger auf die Quote denn auf die Marke schaut, die solch eine Show werden kann. Eine Sendung auf Französisch und Hamlet mit Playmobil, wie damals bei Schmidt, wird es bei Ruf nicht geben - und offenbar auch nicht mehr bei Schmidt. Aber warum soll der Sohn nicht mal ein bisschen in Papas Anzug die Garage zerlegen, während der Erzeuger im Wohnzimmer elaborierte Komik walten lässt. Er kommt da schon früh genug wieder raus.