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Erste Sendung nach Wahl: "Rechte Matschbirnen" und "Trümmer-Sozen": Die "heute-show" zieht bissige Wahlbilanz

In ihrer ersten Sendung nach der Bundestagswahl haben die Satiriker der "heute-show" keinen schamlosen Gag gegen die Politik liegen lassen. Besonders eine Partei hat das zu spüren bekommen.

"Rechte Matschbirnen" und "Trümmer-Sozen": Die "heute show" zieht bissige Wahlbilanz

In der ersten "heute-show" (ZDF) nach der Bundestagswahl sollte AfD-Co-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel (r.) der Reporterin Hazel Brugger einen Witz erzählen

Klar, auch der obligatorische Donald-Trump-Kalauer durfte in der Satire-Show nicht fehlen. Doch in der ersten Sendung nach der Bundestagswahl ging es, natürlich, vor allem um ein Thema: die Bundestagswahl. Und an der hat sich die "heute-show" um Moderator Oliver Welke mächtig abgearbeitet.

Die SPD? "Trümmer-Sozen", aber immerhin "aus der GroKo-Sklaverei ins gelobte Land der Opposition". Die CDU? Erlebnisguru Jochen Schweizer könne einen "Actiongutschein" für eine vierjährige Koalition mit der Union verkaufen, das sei immerhin eine "einmalige Nahtoderfahrung". Die FDP? "Da freut sich die allein erziehende Hartz-4-Mutter bestimmt, wenn sie bei ihrer nächste Immobilie so viele Vorteile genießt. Danke, FDP!" Die Grünen? "Wenn eine Partei weiß, wo die Fettnäpfe stehen - dann die Grünen." Eine mögliche "Jamaika"-Koalition? "Eine schmerzhafte Steißgeburt". Und die AfD

AfD: "Moderater Faschismus mit Augenmaß"

Die AfD hat in der Satire-Show vermutlich am meisten Sendezeit eingenommen. Und dementsprechend ordentlich etwas abbekommen. Etwa in der Wahlanalyse von Comedian Olaf Schubert, der selbst aus Sachsen kommt - dort fuhr die Rechtspartei mit 27 Prozent bundesweit das beste Ergebnis ein und stellt nun die stärkste Partei. "Ich muss sagen, dass ich den Wahlabend etwas verschlafen habe", räumt Schubert ein. "Ich wurde dann erst durch einen Fackelzug geweckt." Er sei von dem Wahlergebnis überrascht gewesen; habe mit mehr Prozentpunkten für die AfD gerechnet. Aber "die Konkurrenz der NPD war einfach zu stark.", scherzt er. "Die AfD steht ja eher für einen moderaten Faschismus, mit Augenmaß und Verantwortung." Daher dürfe man die Rechtsausleger "nicht auf das Flüchtlingsthema reduzieren, die haben schon noch andere Themen. Wie zum Beispiel ... ähm ... und, und, und, 'ne`?"

Zumindest Moderator Oliver Welke hat klare Worte für den Wahlerfolg der AfD gefunden: "Man soll das Votum des Wählers ja immer respektieren. Aber ich privat würde gern jedem AfD-Wähler diesen Abreißkalander schenken." Er zückt einen Kalender mit genug Zetteln, um vier Jahre lang jeden Tag einen abreißen zu können. Auf jedem einzelnen steht: "Du hast die gewählt, du Idiot!" 

Alice Weidel erzählt der "heute-show" einen Witz

Nur: Wie konnte die AfD überhaupt auf 12,6 Prozentpunkte bei der Bundestagswahl, "das dreckige Dutzend", kommen? Sidekick Christian Ehring lädt zur "Wer hat Schuld?-Gala", um diese Frage zu klären.

In einem kleinen Planspiel rattern der "extra 3"-Moderator und Welke potentielle Sündenböcke runter - Facebook, Twitter, das vielsagende weil nichtssagende TV-Duell, die Medien, auch "die ein oder andere Satire-Sendung" - bis Ehring schließlich einen (fast schon ernst gemeinten) Appell an die Wähler richtet: "Protestwahlen sind Schwachsinn. Man bestraft sich damit immer nur selber. Ich habe mir ein Arschgeweih stechen lassen, um meine Eltern zu schockieren. Und meine Mutter fand das super! Und hat sich auch so eins stechen lassen." Die bittere Bilanz: "Jetzt haben wir in Deutschland ein Parlament voller rechter Matschbirnen."

Am Ende der Sendung wird zu den Reportern Lutz van der Horst und Hazel Brugger geschaltet, die beide eine Wahlparty besuchen - der Eine geht zur CDU, die Andere zur AfD. Lustig, weil eigentlich nicht lustig, fällt der Besuch bei der Rechtspartei. Ob Beatrix von Storch (stellvertretende AfD-Chefin) einen Witz erzählen könne? "Die Kanzlerin ist immer noch nicht zurückgetreten. Das ist doch eigentlich ganz schön witzig, oder?" Brugger kontert: "Ich würde sagen, hier haben sie ihr Publikum dafür gefunden. Viel Erfolg beim Open-Mike."

Auch Co-Fraktionschefin Alice Weidel darf sich an einem Gag versuchen und bekommt dabei sogar Unterstützung. Der Gag-Versuch im Wortlaut:

Brugger: "Ich hätte ein Setup: Kommt die Kanzlerin zum Arzt...?"

Weidel: "Ne, helfen Sie mir. Wie geht es weiter?"

Brugger: "...sagt der Arzt: Oh, hier ist aber dreckig. Ich glaube, ich brauche eine Putzfrau, die schwarz arbeitet." (Eine Anspielung auf die Asylbewerberin, die Weidel schwarz angestellt haben soll)

Weidel: "Hahaaa, lustig ..."

Ja, für die AfD gab es in der "heute-show" nicht viel zu Lachen.

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fs