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Debatte auf Twitter: Notre-Dame brennt und die ARD zeigt Tierdoku - Sender wegen Berichterstattung in der Kritik

In Paris brennt Notre-Dame und auf ARD und ZDF laufen wie geplant Dokus. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet kritisiert deshalb die ARD und bekommt auf Twitter nicht nur von Journalisten Zuspruch.

Notre-Dame brennt und Paris singt und betet

In Paris steht die Kathedrale Notre-Dame in Flammen und ARD und ZDF zeigen: eine Tierdoku und eine Doku über den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Während CNN oder BBC Live-Bilder aus Paris zeigen, verharrt der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland beim geplanten Sende-Schema. Auch für eine Sondersendung nach der Tagesschau hat es nicht gereicht.

Das stößt dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet übel auf. Via Twitter schreibt er der ARD: "Millionen Menschen fiebern mit der Kirche Notre-Dame in Paris, einem der bedeutendsten kulturellen Orte in Europa. Warum muss man CNN einschalten, während die ARD Tierfilme zeigt?" 

Der Sender reagiert prompt und antwortet: "Alle derzeit bekannten Informationen wurden von "Das Erste" in der Tagesschau an die Zuschauer weitergegeben. Sobald weitere gesicherte Informationen vorliegen, wird dort darüber berichtet. In den Tagesthemen wird es einer Vertiefung geben."

Doch das genügt Laschet offenbar nicht. Er antwortet der ARD: "3. Meldung in der Tagesschau. Sie haben kulturelle und europäische Dimensionen dieser Katastrophe nicht begriffen. Würden Sie such (gemeint ist "auch", d. Red.) beim Kölner Dom so reden? Nur weil es in Paris ist, wird nicht berichtet? # Weltkulturerbe #Notre_Dame #Qualitätsjournalismus."

Auch Journalisten kritisieren ARD

Laschet trifft mit seiner Kritik offenbar einen wunden Punkt. Er steht mit seiner Kritik nicht allein da. Auch Ulrich Deppendorf - immerhin ehemaliger Leiter und Chefredakteur des ARD-Hauptstadtstudios in Berlin, kritisiert auf Twitter die ARD: "Warum gab es keinen ARD-Brennpunkt zum Brand von Notre-Dame, neben dem Eiffelturm das Symbol Frankreichs? Schwer nachzuvollziehen." 

Auch ihm antwortet die ARD - sinngemäß das gleiche wie schon Armin Laschet: "Sobald weitere gesicherte Informationen vorliegen, werden wir darüber berichten. In den Tagesthemen wird es eine vertiefte Berichterstattung geben. Alle derzeit bekannten Informationen wurden in der Tagesschau an die Zuschauer weitergegeben."

Ex-WDR-Chefredakteurin Sonia Mikich fragt wegen der ARD-Antwort an Deppendorf nach: "Und Tagesschau24? BBC, CNN, Russia Today und Al Jazeera schaffen es doch auch." Daraufhin springt Ministerpräsident Laschet prompt Mikich bei: Sie habe absolut recht. "Russia Today und Al Jazeera berichten, rechte Hetzer verbreiten erste Verschwörungstheorien und der öffentlich-rechtlich Rundfunk schläft."

Daraufhin meldet sich ARD-Chefredakteur Rainald Becker zu Wort: "Rate zu etwas mehr Sachlichkeit. Das Erste ist kein 24h Nachrichtenkanal und Gaffer TV machen wir auch nicht. An fundierter Berichterstattung wird gerade gearbeitet. Folgt in Kürze." 

Mit dem Schlagwort "Gaffer TV" macht Becker sich allerdings auf Twitter gar keine Freunde. Viele bewegen die Ereignisse in Paris und sie fühlen sich als Gaffer diskreditiert. Twitter-User "Karsten Schulze" antwortet Becker: "Zur Sachlichkeit gehört dann auch, dass man dann einfach auf Alternativen (BBC, CNN) umschalten kann. Gut, dass das mittlerweile geht und man nicht mehr auf ARD und ZDF angewiesen ist."

Am Nachmittag nach dem Feuer hat Becker die Arbeit der ARD noch einmal ausführlich verteidigt: "Nur 55 Minuten nach der ersten  Eilmeldung gab es in der 20.00-Uhr-Ausgabe der 'Tagesschau' bereits  einen Korrespondentenbericht aus dem ARD-Studio Paris. Der Beitrag  wurde aufgrund der Zeitknappheit vom Korrespondenten live vertont.  Parallel war ein Korrespondent auf dem Weg zur Kathedrale Notre-Dame, um die Live-Berichterstattung zu gewährleisten, die dann bei  Tagesschau24 und auf tagesschau.de erfolgte. Ein 'Brennpunkt' im  Ersten wäre wünschenswert gewesen, war aber zu diesem Zeitpunkt  logistisch nicht darstellbar, da unser ARD-Reporter in diesem Moment  unterwegs zum Ort des Geschehens war, um als erster deutscher  Korrespondent direkt vor Ort zu berichten", sagte Becker laut einer Mitteilung der ARD. "Heute um 21.45 Uhr ist im  Ersten ein 'Weltspiegel extra' mit einer ersten Bilanz nach dem Brand geplant."

Ulrich Wickert verteidigt ARD

Ex-Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert springt der ARD zur Seite. Im Interview mit dem stern sagt er zur von Laschet geäußerten Kritik: "Ich halte das für Populismus. Ich habe gestern stundenlang französisches Fernsehen gesehen und die konnten nur eines machen: von großer Entfernung Bilder zeigen und immer wieder sagen 'Wir wissen nicht, was den Brand ausgelöst hat'. Wenn man das stundenlang einfach nur zeigt ohne auch nur eine sinnvolle Zusatzinformation, dann ist das Voyeurismus. Dagegen fand ich es genau richtig, wie das 'Heute Journal' und die 'Tagesthemen' dazu berichtet haben."


Sehen Sie auch im Video: So sieht es nach dem Brand aus – Aufnahmen zeigen die schweren Schäden im Inneren von Notre-Dame