HOME

Stern Logo DSDS - Deutschland sucht den Superstar

"DSDS"-Abstimmungsergebnisse: Der Last-Minute-Sieg von Mehrzad Marashi

Mehrzad Marashi ist der Sieg bei "Deutschland sucht den Superstar" erst auf der Zielgeraden gelungen. Die Analyse der einzelnen Abstimmungsergebnisse zeigt, dass der neue "Superstar" dazwischen auf teils desaströse Werte kam.

Von Björn Erichsen

Mehrzad Marashi heißt der große Sieger bei "Deutschland sucht den Superstar 2010". Der 29-jährige Hamburger mit persischen Wurzeln setzte sich im Finale gegen Menowin Fröhlich durch - ein bisschen überraschend, hatte sich die Jury doch ganz eindeutig auf den "Bad Boy" Menowin festgelegt. Dass Marashi seinen Rivalen erst auf der Zielgerade abgefangen hat, zeigen nun die Abstimmungsergebnisse, die RTL nach Ende der Staffel in relativen Zahlen veröffentlicht hat. Wie viele Zuschauer tatsächlich angerufen haben, gibt der Sender allerdings nicht bekannt. Die Ergebnisse zeigen: Menowin Fröhlich lag in jeder Mottoshow vorn - nur eben im großen Finale nicht. Dort siegte Marashi mit 56,4 Prozent der Stimmen, Fröhlich wählten 43,6 Prozent der Anrufer.

Dass Menowin Fröhlich zunächst zum großen Liebling von Dieter Bohlen avancierte, ist kein Zufall: Der Chef-Juror steht nun mal auf Siegertypen, und der 22-jährige Ingolstädter dominierte die Konkurrenz von der ersten Mottoshow an, bei der er sich mit 37,4 Prozent deutlich gegen den Zweitplazierten Marashi mit 14,6 Prozent durchsetzte. In der zweiten Mottoshow fiel der neue "DSDS"-Sieger sogar auf 9,2 Prozent zurück und lag damit lediglich an fünfter Stelle. Ab der dritten Mottoshow ging es für Marashi wieder aufwärts mit 18,7 Prozent, Fröhlich erreichte 26 Prozent. Der wiederum stellte jenseits des Finalergebnisses in der vierten Show seine persönliche Bestmarke von 42,6 Prozent auf. Da zeigte er erstmal seine Interpretation von "Billie Jean", während Mehrzad Marashi magere 14 Prozent erreichte.

Mehrzad Marashi legte erst am Ende deutlich zu, es dauerte aber bis zum Halbfinale bis es erstmals nahezu Gleichstand gab: 38,6 Prozent votierten für Menowin, 37,7 Prozent für den späteren Superstar. Vermutlich konnte Mehrzad mehr Fans der ausgeschiedenen Kandidaten für sich gewinnen. Zu diesem Zeitpunkt gab es aber ebenfalls zahlreiche negative Schlagzeilen über Menowin. Angesichts des knappen Ergebnisses zum Ende könnte man durchaus vermuten, dass das sicher nicht ganz zufällige Bekanntwerden eines Ermittlungsverfahren gegen Fröhlich wegen Drogenmissbrauch- und handel einen Tag vor dem Finale direkten Einfluss auf das Endergebnis hatte.

Zweikampf von Anfang an

Andere hoch gelobte Kandidaten hatten dagegen nie eine Chance. So kamen vermeintliche Publikumslieblinge wie der "Checker", Thomas Karaoglan, oder Kim "Gloss" Debkowski in den Mottoshows auf nur durchschnittliche Werte rund um die 15 Prozent. Besonders weit gingen Anspruch und Wirklichkeit bei Nelson Sangaré auseinander: Der 24-jährige Student aus Aachen, der bei seinem Ausscheiden in der dritten Mottoshow "Schiebung" witterte, kam nur in Mottoshow zwei Mal auf einen zweistelligen Wert (10,9 Prozent) - eine Woche später schied er mit gerade einmal 6,8 Prozent der Stimmen (bei acht Kandidaten) aus.

Beachtlich sind die Ergebnisse von Manuel Hoffman nach dessen Comeback. Der war in der fünften Mottoshow mit nur 9,8 Prozent der Stimmen Letzter geworden - kam aber dann als Ersatz für den wegen Drogenmissbrauchs disqualifizierten Helmut Orosz zurück. Für ihn und seine Fans war das ein Erweckungserlebnis: In den folgenden Shows holte das Stehaufmännchen jeweils rund ein Viertel der Stimmen und musste sich erst im Halbfinale der übermächtigen Konkurrenz von Mehrzad und Menowin mit 23,7 Prozent geschlagen geben.

Große Jury-Manipulationen lassen die Zahlen hingegen nicht vermuten. So waren bis auf wenige Ausnahmen die Kandidaten mit den wenigsten Stimmen auch diejenigen, die bis zum Schluss in der Entscheidungsshow ausharren mussten. Einen gewissen Einfluss scheint heftige Jury-Kritik in Form eines Mitleidsbonuses zu haben: So lässt sich beobachten, dass sowohl Kim Debkowski in der dritten Mottoshow, Helmut Orosz eine Woche später und Menowin Fröhlich in der siebten Mottoshow nach einem deftigen Bohlen-Bashing - und trotz durchwachsener Auftritte - zum Teil deutlich zulegen. Ansonsten werden die Möglichkeiten der Jury - siehe die Festlegung auf Menowin im Finale – allem Anschein nach etwas überschätzt.

Möglicherweise ist es sogar der erste Eindruck, der bleibenden Einfluss hat: Denn bei der ersten Auslese aus dem riesigen Kandidatenpool, der sogenannten "Top-15-Show" am 13. Februar, bei der sich herauskristallisierte, wer zu den besten Zehn gehört, hatten sich die meisten Anrufer für Mehrzad Marashi entschieden: 27,3 Prozent riefen für ihn an, für Fröhlich lediglich 22, 8 Prozent. Schon damals war die Konkurrenz weit abgeschlagen: Der Drittplazierte Thomas Karalogan erreichte lediglich 9,3 Prozent. Der Zweikampf hatte sich also von Anfang an angebahnt.