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TV-Kritik

"First Dates - ein Tisch für zwei": Der Koch als Kuppler - Roland Trettl bittet zum "ersten Mahl"

"Kitchen Impossible"-Mann Roland Trettl auf neuer Mission: Der Sternekoch und Konkurrent von Tim Mälzer bringt mit Essen nun einsame Herzen zueinander. Schön, dass die TV-Zuschauer ihren Senf dazu geben dürfen.

Von Simone Deckner

Roland Trettl bittet bei First Dates - ein Tisch für zwei Single zum ersten Mahl

Für das "erste Mahl" ist jetzt Roland Trettl zuständig. Bei "First Dates" auf Vox soll Liebe durch den Magen gehen. Klappt aber nicht immer.

Basta! Es reicht. Der Südtiroler mit dem Faible für Westen will mehr, als bei "Kitchen Impossible" den Aushilfs-Mälzer zu machen. Der 45-Jährige ist nun in anderer, wenngleich ähnlich pikanter, Mission unterwegs: Bei "First Dates – ein Tisch für zwei" ist der Sternekoch nicht nur als Chef de la Cuisine gefragt, Vox hat ihn als die männliche Version von Inka Bause gebucht: Gestatten? Trettl, Roland, der Kuppler von Köln-Ehrenfeld.

Dort, in einer ehemaligen Lagerhalle, hat ihm der Sender ein Restaurant hin gezimmert. Der Regisseur der Sendung schwärmt: "Die Gäste kommen ins Restaurant und vergessen eigentlich komplett, dass sie in einer Fernsehsendung sind". Eine idiotensichere Versuchsanordnung, in etwa so glaubhaft, wie die Idee, dass die männlichen Kandidaten bei "Adam sucht Eva" komplett vergessen, wenn ihre Lianen im Wind wehen oder so überzeugend wie die auswendig gelernten Schmierlappen-Komplimente des amtierenden "Bachelors".

Roland Trettl: Acht Singles beim "ersten Mahl"

Tätowierter Dachdecker sucht Frau – ehrlich soll sie sein In Trettls Fernseh-Restaurant treffen sich jeweils acht Singles zum "ersten Mahl". Die Gerichte und die Einrichtung hat der Koch selbst ausgesucht. Den Rest müssen die Singles erledigen. Zur allgemeinen Auflockerung gibt es eine Fotobox, neugierige Kellnerinnen, einen Barmann, der im echten Leben seit 18 Jahren Cocktails mischt und sehr viele, unauffällige Kameras, die die potenziellen Paare in allen Lebenslagen einfangen: von oben, unten, rechts, links.

"Wenn du offen für ein Blind Date bist, bist du ein wahnsinnig mutiger Mensch und die Welt braucht mutige Menschen", eröffnet Trettl den lukullischen Liebesreigen pathetisch. Man malt sich aus, wie ihm Tim Mälzer zuhause ein beherztes "Du elender Schleimer!" entgegen brüllt, da kommt schon die erste Single-Frau durch den unspektakulären Eingang hereinspaziert.

"Nein, ehrlich?"

Petra, 57, sucht den Mann der sie so nimmt, wie sie ist und ansonsten "auch mal ein Geschenk macht". Die Regie hat ihr Benno, 62, Berliner Schnauze, Rentner und tätowiert ("eine Jugendsünde") ausgesucht – alle Paarungen werden zuvor in geheimer Vorauswahl gematcht. Benno macht es sich an der Bar erst mal mit einem Bier gemütlich. Auftritt: Petra. Sie wirkt wie eine übermotivierte Kindergärtnerin. Im schönen Potsdam lebt der Benno? "Nein, ehrlich?" Er kocht gern, der Benno? "Nein, ehrlich?!" Er war zwei mal verheiratet und hat vier Kinder? "Nein, ehrlich?"

"Beide haben mich betrogen",sagt Benno dann doch mal was und erwischt die Petra damit fast auf dem falschen Fuß. "Nein, bist du so ein Lieber? Toll! Die werden oft so unterschätzt!" Als Benno dann noch in der Tasche kramt und ihr einen Schutzengel überreicht (ein Geschenk!), hört man im Hintergrund schon die Hochzeitsglocken läuten. Trettl verschwörerisch zur Kellnerin: "Die sind aber echt super. Echt entzückend."

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Er wünscht sich einen haarigen Hünen

Echt entzückend findet Student Nico, 23, auch sein "extrem gut aussehendes" Date, Armir aus Dessau-Roßlau. Der Mann, der sich selbst mit den Worten "Ich bin der Typ, den man seiner Mutter vorstellen kann" vorstellt, wünscht sich zwar einen haarigen Hünen, gibt sich dann aber auch mit dem eher blassen Nico zufrieden. Armirs Vorstellung von Romantik ist sowieso eher bodenständig: "Ich will mit meinem Traumprinz zusammen im Grab liegen", sagt er.

Vorher muss er aber erst mal Brot schneiden. Nico amüsiert sich über die dilettantischen Versuche, Armir geht mit einer Schere zu Werke. "Wieso liegt die sonst hier?" Nico: "Für die Kresse vielleicht?" Für andere ein Fauxpas, für die zwei Jungs eher stimulierendes Vorspiel. Nico: "Hast Du einen bestimmten Typ Mann?" Armir: "Ach, 'Wolverine' würde ich jetzt nicht von der Bettkante stoßen." Nico im Off: "Das hat mich schon verunsichert. Ich bin ja jetzt eher nicht so der behaarte Typ." Armir will dann trotzdem den Teller Pfifferlinge teilen. Und klärt beim Herumstochern gleich mal die Kinderfrage, worauf der mittlerweile gar nicht mehr so eingeschüchterte Nico kontert: "Ja, wollen wir direkt mal die Adoptionspapiere beantragen?" Trettl: "Da geht noch was."

Peinliche Stille

Rein gar nicht geht hingegen bei Laura, Erzieherin und ihrem Date Boris, 32, einem Soldat und Glatzkopf. Schon nach zwei Minuten ist klar, was die verwöhnte Laura ("Ich wünsche mir als Date so eine Art mein Papa") von dem nervösen Boris hält: nichts.

Nachdem auch der Rotwein nichts hilft, redet sich Boris Satz für Satz mehr in die Katastrophe. "Und, wie bist du überhaupt hierzu gekommen?", fragt er. Laura, kurz angebunden: "Meine Freundinnen haben mich angemeldet." Boris: "Hatten die so viel Mitleid mit Dir?" Der Blick von Laura: wenn Messerwerfer wirklich hassen. Großartig aber der sportliche Ehrgeiz von Boris, der aus dem Nichts ein Kompliment macht ("Deine Haarfarbe gefällt mir") und dann dazu übergeht, sich selbst zu befragen: "Willste sonst noch irgendwas wissen von mir vielleicht?" Peinliche Stille. "Was erwartest Du so von einem Mann? Das Übliche wahrscheinlich: Treue, Ehrlichkeit und so. Na ja, dann hätten wir uns ja schon mal gut ausgetauscht."

"Ich hab Deinen Namen vergessen"

Eher zäh läuft anfangs auch das Date von Ex-Ringer Cliff und Psychologie-Studentin Bianca. "Eine Schwarzhaarige", wie der Blondinen-Fan enttäuscht feststellt. Aber auch Cliff beeindruckt Bianca nur bedingt: "Ich hab deinen Namen vergessen, wie war der nochmal?", fragt sie. Während der Vorspeise redet Cliff ohne Unterlass über die angeblichen Vorzüge des Treptower Parks ("Der ist noch nicht so entdeckt"), vermutlich halten sich dort viele Blondinen auf. Bianca guckt dabei hilfesuchend wie ein ausgesetzter Beagle-Welpe.

Er gäbe sich öfter cooler, als er sei und mache sich rar – das komme bei den Frauen gut an, erläutert Cliff seine Taktik im Off. Die Schlüsselszene ist laut Bianca dann aber die, in der sie kurz mal einen Satz von ihrer Jugend als Geräteturnerin einwerfen darf. Außerdem trage sie auch nur "ganz selten" High-Heels. "Ich mag bei Frauen auch gar keinen hohen Schuhe", reagiert Cliff begeistert und bastelt sogleich unter dem Tisch eine Rose aus Tischabfällen, was dazu führt, dass sich Bianca schock verliebt. Kannste dir nicht ausdenken. Auch Trettls Augen glänzen, hat er doch selbst einst seiner Frau eine Blume aus einem Strohhalm zusammen gebogen. Heute definiert er Romantik pragmatischer: Mit einer Frau will er im Restaurant einfach nur Schweinshaxe essen können.

Werden sie sich wiedersehen?

Nach der Frage, wer die Rechnung begleicht (alle Männer: wir!) bestellt die Regie die Paare noch mal gemeinsam vor die Kamera und stellt die entschiedene Frage: Werden sie sich wiedersehen? Alle antworten wie erwartet, nur Petra lässt ihren verdatterten Benno mit einem überraschenden "Gern, freundschaftlich auf einen Kaffee!" stehen. Nein, ehrlich?!

Mit der Kaffeenummer hatte Laura zuvor schon, wenig überraschend, Boris abgespeist. Armir und Nico machen weiter, auch Rosenkavalier Cliff und Bianca haben sich erneut getroffen – genau, wie sollte es anders sein, im schönen Treptower Park in Berlin.

Schön für sie, aber kann "First Dates – ein Date für zwei" die Herzen der Zuschauer erwärmen? Zumindest auf kleiner Flamme. Es macht Spaß, so nah dran zu sein, wenn Singles sich um Kopf und Kragen reden oder der Funke überspringt. Auch, wenn das englische Original mit weitaus humorvolleren Kandidaten und dreckigeren Wortwitzen auftrumpfen kann, verbrennt sich der Koch an seiner adaptierten Datingshow nicht die Finger. Sie funktioniert auch, weil der als eitel geltende Trettl sich hier angenehm im Hintergrund hält.

"First Dates" läuft wochentags immer um 18 Uhr auf Vox.