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Abgewatscht - der satirische Wochenrückblick Wenn das Boxenluder in Oxford doziert


Früher war Linda Evangelista Model und nicht Mutter, Jana Beller arbeitete noch für die Familie Klum und Katie Price war ein Boxenluder. Warum kann es nicht so bleiben?
Von Stefan Mielchen

Mutter werden ist nicht schwer, Mutter sein hingegen keine Aufgabe für verwöhnte Luxusmiezen! Supermodel Linda Evangelista ist so eine: Früher mochte sie für eine Gage unter 10.000 Dollar morgens nicht einmal aufstehen. Heute soll es der Nachwuchs auch nicht schlechter haben. Auf 46.000 Dollar monatlichen Unterhalt hat die Schöne den Vater ihres Sohnes Augustin James jetzt verklagt und dabei in dieser Woche vor Gericht bewiesen, dass Prominenz und Intelligenz gerne getrennte Wege gehen. Denn der bescheidene Erziehungszuschuss soll vor allem Muttis Interessen dienen: "An Tagen, an denen ich keine Aufträge habe, arbeite ich an meinem Image", sagte die gute Linda dem verblüfften Richter ins Gesicht. Mit ihrem Sohn wolle sie daher nicht allein sein. Kindeswohl? Nie gehört! Wozu gibt's schließlich 24-Stunden-Nannys, Chauffeur und Security-Mitarbeiter. Die Imagepflege ist für die 46-Jährige nach eigener Aussage ein harter 16-Stunden-Job: "Ich muss ins Fitnessstudio gehen. Ich habe Termine zur Schönheitspflege", gab Madame zu Protokoll. Da kann der Vierjährige ja froh sein, dass er mit seiner Rabenmutter nichts weiter zu tun hat.

Laufstegschönheiten haben es aber auch wirklich nicht leicht. Jüngstes Beispiel ist
Jana Beller, Germany's verhindertes Topmodel. Die weiß ganz genau, was sie will - berühmt werden und Kohle machen, so wie Vorbild Heidi Klum. Da ist ein öffentlicher Zickenkrieg, wie er derzeit vor den Arbeitsrichtern der Boulevardpresse ausgetragen wird, genau das Richtige: Wurde Jana von ihrer alten Agentur wegen Unfähigkeit gefeuert oder hat sie selbst gekündigt? Egal, Hauptsache, man steht in der Zeitung! Weil die gute Jana so schön ist, muss sie natürlich auch auf internationalen Laufstegen Karriere machen. "Stattdessen sollte ich zu Pferderennen, Kaufhauseröffnungen und so weiter gehen", hält sie ihrer alten Agentur, die Papa Klum gehört, nun vor. Klar, dass so etwas nicht ins Berufsbild passt: Bei einer solchen Auftragslage hätte Jana auch gleich Schlagersängerin werden können.

Getroffene Hunde bellen

So wie Kelly Osbourne, die bereits als Teenager die Öffentlichkeit das Fürchten lehrte und bis heute nicht viel besser geworden ist. Die 26-Jährige hat schon zu Beginn des Jahrtausends gerne gepöbelt, als sie mit der Reality-TV-Serie "The Osbournes" das Niveau gepflegter Familienunterhaltung neu definierte. Eine gute Schule, nur dass sie aus der Beverly-Hills-Villa mittlerweile ins Glashaus umgezogen ist: "Christian Aguilera ist eine fette Schlampe" lautete der verbale Steinwurf in dieser Woche, ausgeführt in einer amerikanischen Talkshow. "Sie hat mich jahrelang fett genannt, aber weißt du was? Du bist auch fett! Du F****", giftete das musikalische Moppelchen, um seine gute Kinderstube unter Beweis zu stellen. Aber, wie heißt es so schön: Getroffene Hunde bellen.

Dann doch lieber eine echte Katze! Super-Blondine Daniela ist schließlich ein echter Familienmensch. Völlig uneigennützig platziert Mallorcas Top-Gastronomin mittlerweile ihre gesamte Brut im Farbfernsehen. Erst durfte Mutter Iris ins "Big Brother"-Haus, jetzt folgt die steile Karriere von Stiefvater Peter: Der 44-Jährige singt in der Casting-Show "X Factor"! Da ist es ein schöner Zufall, dass die im gleichen Sender ausgestrahlt wird wie Katzenbergers eigene Show "Natürlich blond" - wo Papis Casting-Erfahrungen gleich mal breitgetreten werden. Praktisch für Daniela: Sie muss nicht mal umschalten und kann sich derweil anderen geistigen Herausforderungen widmen.

Die Ausschussware wird ein letztes Mal gemolken

Und wo wir schon mal ganz unten angelangt sind, ist es auch zu Gina-Lisa nur noch ein Katzensprung. Die hat endlich eine neue berufliche Perspektive und darf unter anderem mit Erfolgsmoderator Carsten Spengemann die ProSieben-"Alm" bewirtschaften. Auf der wird ab Ende August die gesammelte Ausschussware des Unterschichtenfernsehens ein letztes Mal gemolken. Leben wie vor hundert Jahren, kein Strom, kein Wasser, kein Handy - nur ein Stall voller verhaltensauffälliger Promis: Das mediale Austragshäusel ist für seine Bewohner kein Zuckerschlecken. Wer so tief gesunken ist, weiß aber auch, wie es um ihn bestellt ist: "Ich sehe zwar aus wie eine Tussi, ich hab mir auch die Brüste machen lassen", erklärte Gina-Lisa in dieser Woche folgerichtig der "Bild"-Zeitung, versprach aber: "Ich werde richtig anpacken, Scheiße wegmachen, alles!" Das beruhigt ungemein.

War sonst noch was? Na klar: Busenwunder Katie Price wird jetzt eine Ehre zuteil, die sich nur schwer erklären lässt. Das 33-jährige Ex-Boxenluder wurde vom altehrwürdigen Debattierclub der Universität Oxford zu einem Vortrag eingeladen! Dort sprachen in der Vergangenheit Geistesgrößen wie Winston Churchill oder Ronald Reagan - Katie Price fügt sich also nahtlos ein. Worüber ihre Üppigkeit vor dem erlesenen Kreis reden wird, ist noch ein Geheimnis. Vielleicht über die Kulturgeschichte des Glockenläutens, die Herausforderungen des Atombusenzeitalters oder die Überwindung der Schwerkraft trotz Silikons? Dass es um Englands intellektuelle Kaderschmiede nicht zum Besten bestellt ist, macht nicht nur Katies Einladung deutlich, sondern auch die ihres Vorredners: Zuletzt durfte sich David Hasselhoff in Oxford über sein Leben auslassen. Wer es nicht längst ahnte, weiß es spätestens jetzt: Früher war wirklich alles besser!


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