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Trotz Unfalls am Steuer: Königliches Schleudertrauma: Warum niemand Prinz Philip ins Gebet nimmt

48 Stunden nach seinem Unfall setzt sich Prinz Philip einfach wieder hinters Steuer. Spätestens jetzt diskutiert Großbritannien darüber, ob der 97-Jährige das nicht besser lassen sollte. Doch weder Polizei noch Royals scheinen ihn stoppen zu wollen.

Von Catrin Bartenbach

Prinz Philip lacht aus dem geöffneten Fahrerfenster eines Autos

Prinz Philip fährt trotz seiner 97 Jahre noch immer Auto (Archivbild vom Mai 2018)

DPA

Theoretisch könnte Prinz Philip, Ehemann der Queen und prominentester britischer Unfallverursacher der letzten Tage, wegen fahrlässigen Verhaltens im Straßenverkehr angeklagt werden. Anders als die Monarchin genießt er keine Immunität vor dem Gesetz (und ist, anders als sie, auch im Besitz eines Führerscheins, den man ihm wegnehmen könnte), aber bislang hat sich offensichtlich noch keiner der zuständigen Polizeibeamten getraut, ihn auch nur als Zeuge des Vorfalls zu vernehmen. Einen polizeilich verordneten Sehtest hatte er gleich am Samstagmorgen durchführen lassen und bestanden.

Aufgrund des rekonstruierten Unfallhergangs ist aber davon auszugehen, dass der Herzog von Edingburgh am vergangenen Donnerstag von einem Privatweg auf dem Gelände der königlichen Residenz Sandringham in Norfolk auf eine öffentliche Hauptverkehrsstraße einbog und dabei, von der Nachmittagssonne geblendet, einen von rechts herankommenden Wagen übersah. Durch den Aufprall landete der gepanzerte königliche Land Rover nach einem Überschlag im Straßengraben, das mit zwei Frauen und einem Baby besetzte andere beteiligte Auto kam zum Glück "nur" von der Straße ab.

Nachdem Prinz Philip von Passanten durch das Schiebedach des schrottreifen SUV unverletzt auf die Straße gezogen worden war, stand er Zeugen zufolge sichtlich erschüttert auf und ging hinüber zu den anderen Unfallfopfern, um nach ihnen zu sehen, dabei angeblich laut vor sich hinmurmeld, was er doch für ein Narr sei. Direkt entschuldigt habe er sich aber nicht bei den beiden Frauen, so beschwerte sich die eine, Emma Fairweather (45), die ein gebrochenes Handgelenk von dem Zusammenstoß davontrug, gegenüber den Medien inzwischen. Vielleicht kann man dem 97-Jährigen immerhin zu Gute halten, dass er sich soeben in einem Auto überschlagen hatte und dadurch sicherlich genauso unter Schock stand, wie die beiden Frauen und das Baby. Über das Wochenende gab es dann offenbar auch Versuche einer damit beauftragten Hofdame der Queen, eine royale Entschuldigung zu übermitteln.

Prinz Philip fährt einfach weiter Auto

Was die Briten seitdem aber vor allem beschäftigt, ist die Chuzpe, mit der der Herzog sich 48 Stunden nach dem Unfall bereits wieder selbst  und wiederum allein, ohne Sicherheitsbeamten, in einem flugs aus Windsor herangeschafften Ersatz-Land Rover, ans Steuer setzte, dazu noch ohne Sicherheitsgurt. Seitdem ist eine heiße Diskussion darüber entbrannt, ob man dem Windsor-Patriarchen die Fahrerlaubnis entziehen sollte, und ob überhaupt Menschen in dem  Alter noch einen Führerschein haben dürften. Die britische "Times" hat dazu eine Umfrage gestartet, man erfährt in diesem Zusammenhang unter anderem, dass es im Königreich nehen dem Prinzen noch vier weitere Führerscheininhaber im Alter von 97 Jahren gibt, und sogar 314 (!) Briten über 100 weiterhin auf den Straßen am Steuer eines Autos unterwegs sind. Der Präsident des Britischen Automobil Clubs AA (in etwa dem deutschen ADAC vegleichbar) steuerte noch die entlastende Information bei, dass statistisch gesehen junge Autofahrer kurz nach Führerscheinerwerb die meisten Unfälle verursachen.

Fragwürdiger Fahrstil des Prinzgemahls

Das alles kann aber nicht davon ablenken, dass der Fahrstil des Prinzgemahls von Elisabeth II. schon immer gelinde gesagt umstritten war, selbst innerhalb seiner Familie. Es ist für seinen sportlichen Fahrstil bekannt (einmal soll sogar die Queen vor Angst geschriehen haben, als er sie fuhr, worauf er drohte, sie aus dem Auto zu werfen) und auch Sohn und Thronfolger Prinz Charles äußerte schon vor fünf Jahren einmal in der Öffentlichkeit, dass er sich Sorgen mache, wenn er seinen Vater am Steuer eines Autos wüßte. Aber offenbar traut sich seine Familie genausowenig wie die zuständige Polizei der Grafschaft Norfolk, den beratungsresistenten Philip mal so richtig ins Gebet zu nehmen.  Vor dem Gesetz sind eben doch nicht alle gleich, mit der königlichen Familie legt man sich scheinbar auch heute noch besser nicht an im Vereinigten Köngreich.

Quellen: The Times, The Mirror, Express, Daily Mail, The Guardian, Norfolk Police.