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Promis in der Krise Warum Lindsay Lohan die Welt retten kann


Promis werden nicht mehr angehimmelt, sondern durch den Dreck gezogen. Die Glamourwelt steckt in der Krise. Ausgerechnet Knast-Lindsay-Lohan könnte das ändern.
Von Sophie Albers

Diesmal muss Lindsay Lohan den Kulturbeutel einpacken, wenn sie ihre Haftstrafe antritt. 2007 waren es gerade Mal 84 Minuten gewesen, in denen die Schauspielerin und Party-Prominente für Kokainbesitz und Rausch am Steuer büßen sollte. Das Strafmaß von 24 Stunden wurde wegen Gefängnisüberfüllung reduziert. Diesmal wird von den 90 Tagen wegen wiederholten Verstoßes gegen die Bewährungsauflagen ein bisschen mehr übrig bleiben. Lohans Tränen bei der Urteilsverkündung gab es in Großaufnahme zu sehen - wie alles, was die gerade Mal 24-Jährige mit der Vergehensakte einer Schwererziehbaren seit Jahren so anstellt.

Drei Mal Entziehungsklinik, zwei Festnahmen, zwei Mal Gefängnis, Drogen, Alkohol, Tabletten sowie exzessives Feiern stehen auf Lindsay Lohans Liste des Bösen, die zur Freude der Klatschblätter immer länger wird. Lohan ist dieser Tage nicht mehr bekannt, weil sie eine gute Schauspielerin ist, sondern weil sie sich so fotogen daneben benimmt.

Paris, Amy, Victoria, Lindsay

Damit spielt sie in der gleichen Liga wie die professionellen Skandalproduzentinnen Paris Hilton, Amy Winehouse und Britney Spears. Lohan im Gerichtssaal ist ein weiteres Beispiel für die Promikrise, die die Welt des Glamours erfasst und auf den Kopf gestellt hat. Ganz so wie bei der Finanzkrise, die unter anderem damit begann, dass Wertloses zu hohen Werten gehandelt wurde, braucht es heutzutage eigentlich kein anderes Talent, als das, im richtigen Augenblick die Unterhose zu vergessen oder sich zu übergeben, um in den Promi-Blättchen ganz oben zu stehen. Und dieser Markt, wie Aditya Chakrabotty es im "Guardian" so schön ausführt, ist gerade dabei zu kollabieren. Der Blick auf Prominente geht nicht mehr nach oben zu den Sternen, sondern nach unten in die Gosse. Talent ist eher hinderlich. Oder wann haben Sie zuletzt über Amy Winehouses anbetungswürdige Stimme gelesen?

Aber zurück zu Lindsay Lohan, die mit extrem-dämlichem Getwitter (Oben-ohne-Fotos oder auch Sätze wie "Aber das 'Fuck you' auf dem Fingernagel galt doch gar nicht der Richterin") und anderen Uneinsichtigkeiten ("Wie, nicht mehr auf Partys gehen? Soll ich mich einschließen, oder was?" Lohan in der Talkshow von Ellen DeGeneres) fleißig weiter Dreck liefert, der nach ihr geworfen werden kann. Und deren "Freunde" und Familie das Übrige tun, um die junge Frau am Boden zu halten. Dabei hat doch alles so vielversprechend angefangen.

Disney und Tina Fey

Schon mit drei krabbelte Lohan als Model für Werbespots vor Kameras herum. Mit neun trat sie in der TV-Soap "Another World" auf. Mit elf spielte sie rund 4000 Mitbewerber an die Wand, als Disney die Doppel-Hauptrolle im Remake von "Ein Zwilling kommt selten allein" (1998) besetzte. Disney nahm das talentierte Mädchen unter Vertrag, und es folgten Fernsehserien und Kinohits wie "Freaky Friday" (2003) und "Bekenntnisse einer Highschool Diva" (2004). Und der Kinderstar wusste sogar, sich zu befreien: Wenig Disney-like war Tina Feys wunderbar böse Highschool-Satire "Vorsicht bissig" (2004). 2006 überzeugte Lindsay Lohan in Robert Altmans letztem Film "A Prairie Home Companion: Last Radio Show", 2007 in "Bobby". Doch zu der Zeit ging es schon los mit der Klatschhatz auf Drogenprobleme und Partyaussetzer. Dass Lohans nächstes Projekt "Lovelace" (2011) ein ernstzunehmendes Drama werden könnte, interessiert nicht, schließlich geht es um eine Pornodarstellerin.

Trotzdem: Neben all dem Hass, der aus der "Lindsay außer Kontrolle"-Berichterstattung bricht, stehen gute Filme und auch Aussagen anerkannter Filmleute, die zeigen, dass mehr in Lohan steckt als das, was die Schlagzeilen aus ihr machen. Regisseurin Nancy Meyers ("Ein Zwilling kommt selten allein") verglich ihr Talent mit dem der jungen Diane Keaton. Auch Meryl Streep ("A Prairie Home Companion: Last Radio Show") ergriff entschieden Partei für ihre Kollegin: "Wenn sie 'Action' rufen, lebt Lindsay völlig und sichtbar für die Kamera. Das ist alles, worauf es ankommt. Sie ist eine großartige Schauspielerin". Tarantino, Produzent ihres nächsten Films "Machete", nannte sie "eine der besten Schauspielerinnen Hollywoods".

Das alles ist leicht zu übersehen, wenn Lohan mal wieder der Aufmerksamkeitsteufel reitet. Aber vielleicht kann sie den Karrierekarren und so auch die krisengeschüttelte Branche ja doch ein Stück aus dem Dreck ziehen - ganz so wie jüngst der begnadete Robert Downey Jr. Zu dem gucken mittlerweile sogar die Klatschblätter auf - indem sie ihn ignorieren.

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: "Katy Perry, Richard Branson, Amy Winehouse und Co: So feierten die bekanntesten Prominenten das Wochenende"


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