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WAS MACHT EIGENTLICH ...: Heinz Klaus Mertes

Mit seiner polarisierenden Art der Berichterstattung war der konservative TV-Journalist Ende der Achtziger erfolgreich, er löste aber auch immer wieder heftige Kritik aus

Mit seiner polarisierenden Art der Berichterstattung war der konservative TV-Journalist Ende der Achtziger erfolgreich, er löste aber auch immer wieder heftige Kritik aus.

Zur Person:

Heinz Klaus Mertes, 59, produziert mit seiner Firma ein Wirtschaftsprogramm, das in die Filialen der Sparkassen übertragen wird. In den achtziger Jahren leitete Mertes die aktuelle Berichterstattung des Bayerischen Rundfunks, seit 1988 moderierte er »Report München«. Die Sendung war ebenso erfolgreich wie umstritten. Mertes, verheiratet und Vater zweier Kinder, war 1968 in die CSU eingetreten - seine Reaktion auf die Studentenproteste. 1993 wechselte Mertes als Informationsdirektor zum Privatsender Sat 1.

Guten Tag, Kleins Haus Mertes.

Das finden Sie wohl komisch.

Der Dreher in Ihrem Vornamen ist eine Erfindung von Ulrich Wickert. Leiden Sie noch darunter?

Ach was. Damals hat mich das schon geärgert. 1992, als Wickert zum ersten Mal einen »Tagesthemen«-Kommentar von mir ankündigte, hat er sich bei dem Namen versprochen. Das ist dann zu einem Treppenwitz geworden. Als ich das nächste Mal wieder zugeschaltet wurde, sah ich ihn schon würgen. Wickert verspricht sich ja oft. Und prompt sagte er's auch diesmal wieder falsch.

Sie haben es ihm heimgezahlt, in einem Rundfunkinterview von Wulrich Fickert gesprochen.

Das stimmt nicht. Ich habe Pickert gesagt. Wir sind da beide ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen, haben aber dann miteinander telefoniert, uns entschuldigt. Das ist vergessen.

Wie fühlt sich einer, dem man in der Branche Bildschirmgeilheit nachgesagt hat, wenn er abgeschaltet ist?

Ich habe in jener Zeit einen hohen Sättigungsgrad der Präsenz erreicht, hätte sicher meinen Karriereorbit beim Bayerischen Rundfunk weiterdrehen können, trotz kleiner atmosphärischer Störungen. Im Endeffekt waren viele doch froh, dass der Sender mit mir einen markanten Kopf hatte. Nach dem Wechsel zu Sat 1 lief es zunächst auch dort ganz gut. Bis Fred Kogel einfiel und alles auf Serie und Boulevard umstellte. Leo Kirch, zu dem ich stets ein gutes Verhältnis hatte, bedeutete mir, ich sollte mal ein Jahr den Kopf einziehen. Aber das konnte ich noch nie verknusen. Heute bin ich so gut wie gar nicht mehr auf dem Bildschirm zu sehen, dafür gerne Produzent.

Sie machen Sparkassen-TV. Was ist das?

Ein Kanal rund ums Geld. Börsentäglich ein Zwölf-Stunden-Programm, das via Satellit in die Sparkassenfilialen gesendet wird. Programmveranstalter ist der Deutsche Sparkassen-Verlag. Meine Firma Forte TV ist Programmpartner. Dann gibt es auch noch eine MCom TV für Finanzsendungen auf anderen Sendeplätzen, außerdem habe ich eine kleine Unternehmensberatung.

Haben Sie sich bei einigen Ihrer Opfer aus früheren Moderatoren-Tagen entschuldigt - Manfred Stolpe oder Günter Wallraff etwa?

Wieso? Bei Wallraff hab ich gar nichts zurückzunehmen. Und mit Stolpe bin ich außerordentlich fair verfahren. Stolpe war damals in einer »Report«-Sendung live zugeschaltet, um zu Stasi-Vorwürfen Stellung zu nehmen. In der Abmoderation habe ich dann gesagt, dass er sich nicht im Amt werde halten können. Ich war von der Regie vielleicht ein bisschen zu stark ins Zentrum gerückt worden, das wirkte selbstgefällig.

Wallraff widmeten Sie einen hämischen Kommentar, als er der Stasi-Kollaboration bezichtigt wurde. Geben Sie zu, Sie haben sich in der Rolle des Scharfrichters gefallen.

Dafür bin ich zu feinsinnig. Aber politische Magazine müssen ausreizen bis zum Anschlag. Sonst sind sie belanglos. Und das ist das Schlimmste, was ihnen passieren kann.

Was raten Sie denn Ihrem Freund Helmut Kohl, mit dem Sie in »Zur Sache, Kanzler« stets pfleglich umgegangen sind?

Ich habe zwar mal überlegt, ihm zu schreiben, dass ich finde, ihm werde übel mitgespielt. Dann habe ich das aber gelassen. Wir waren übrigens nie so eng miteinander, wie Sie das behaupten. Ich bin Kohl in Sendungen schärfer angegangen, als es heute in den Kanzler-TV-Shows der Brauch ist.

Fiel nur keinem auf. Jetzt sind Sie zahm?

Ich habe nun einen anderen Job. Aber nicht wenige sprechen mich an, sogar auf der Straße, dass ihnen meine Stimme fehle. Dann überfällt mich doch hin und wieder die Lust, eine spitze politische Sendung zu machen.

Interview: Johannes Röhrig