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Was macht eigentlich...: Wynton Rufer

Der Fußballer aus Neuseeland war von 1989 bis 1995 mit seinen Toren maßgeblich an Werder Bremens Erfolgen beteiligt. Höhepunkt: der Gewinn des Europapokals

Zur Person

Der 41-Jährige Wynton Rufer lebt in Auckland mit seiner australischen Frau Lisa und den Söhnen Caleb und Joshua. Rufer begann bereits mit sechs in seiner Geburtsstadt Wellington mit dem Fußballspielen und debütierte 1981 im neuseeländischen Nationalteam. Über England und die Schweiz kam er 1989 zu Werder Bremen, wo er unter Trainer Otto Rehhagel eine Deutsche Meisterschaft (1993), zwei Pokalsiege (1991, 1994) und den Europapokal der Pokalsieger gewann (kleines Foto: nach dem Finalsieg gegen den AS Monaco 1992 in Lissabon). 1995 verließ er den SV Werder Richtung Japan, ging dann für eine Spielzeit zum 1. FC Kaiserslautern und beendete im Dezember 2002 seine Karriere beim neuseeländischen Club Football Kingz.

Das Interview mit Wynton Rufer führte Ingo Petz

Ihr alter Verein Werder Bremen ist Tabellenführer der Bundesliga und steht im Halbfinale des DFB-Pokals. Das freut Sie sicher.

Klar. Ich bin gut informiert. Ich bekomme jede Woche den Kicker und lese sonntags die Spielberichte im Internet. Nur im Fernsehen kann ich die Spiele leider nicht sehen.

Was ist das Erfolgsrezept der Mannschaft?

Ich glaube, Otto Rehhagel hat indirekt viel beigetragen. Thomas Schaaf kommt sicher aus dessen Schule. Zudem ist es schöner, effektiver Fußball.

Wird Bremen Meister?

Ich denke, wenigstens die Champions League ist drin.

Sie haben sechs Jahre in der Bundesliga gespielt. Für viele sind Sie hier immer noch ein Star. Wie erklären Sie sich das?

Ich bin als Neuseeländer ein Mensch mit völlig anderer Kultur. Wir sind schon etwas lockerer als die Deutschen.

Sie sind der beste Fußballer, den Neuseeland jemals hervorgebracht hat. Aber angeblich werden Sie dort kaum erkannt.

Wir haben keine Fußballkultur und keine gute Nationalliga. Rugby ist hier alles, Fußball fast nichts. Aber ab und zu erkennt mich doch mal einer.

Warum sind Sie nach Neuseeland zurückgegangen?

Ich hatte einen Traum. Ich bin Christ, und meine Träume sind nicht vom Geld bestimmt. Als ich 1996 in Japan spielte, machte ich Urlaub in Neuseeland, und mein alter Trainer zeigte mir einige Talente. Ich wollte fußballerisch was aufbauen hier im Pazifik.

Also gründeten Sie eine Fußballschule.

Vor sechs Jahren habe ich in Auckland "Wynrs" - Winners ausgesprochen - gegründet, eine Art Fußballschule, die Weltklasse-Spieler und Weltklasse-Bürger hervorbringen soll.

Was heißt das?

Fußball ist das Spiel des Lebens. Es geht um Teamarbeit, Verantwortung, Solidarität in der Gemeinschaft. Und ums Siegen, das aber nicht das Wichtigste sein soll.

Wie sieht Ihre Arbeit aus?

Wir gehen in die Schulen, um den Kindern zu helfen, ihren Charakter zu entwickeln. Zwar mit Fußball, aber wir sind kein normaler Fußballverein, sondern eine gemeinnützige Stiftung. Unser Büro liegt zwischen denen der Lebensberatung und denen der Sozialarbeit. Wir haben binnen sechs Jahren die Basis geschaffen und mittlerweile 1000 Kinder.

Sie haben seit 1992 den A-Trainerschein für Deutschland. Reizt es Sie nicht, mal einen großen Verein in Europa zu trainieren?

Angebote gibt es immer mal wieder. Auch aus Deutschland. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich hätte nie daran gedacht. Denn die Jahre in Bremen waren atemberaubend. Aber schau dich doch hier um. Wie soll denn Fußball hier ohne mich funktionieren? Gott hat mich berufen, ich kann nicht weggehen.

Haben Sie noch Kontakt nach Deutschland?

Und wie. Beckenbauer. Otto. Rudi. Marco Bode war erst vergangenen September in Auckland. Und ich war im Dezember im Weserstadion beim Spiel gegen die Bayern. Außerdem fahren wir mit den Schülern jedes Jahr nach Deutschland und spielen gegen andere Jugendteams. Für die WM 2006 ist ebenfalls ein Besuch geplant. Nächstes Jahr besucht der DFB mit dem Nachwuchs Neuseeland.

Verraten Sie uns noch, warum Sie ausgerechnet nach Bremen gegangen sind?

Bremen kannte ich nicht. Otto kannte ich. Der hat mich geholt und die Stadt für mich auf die Landkarte gesetzt. Heute kennt man Bremen auch in Neuseeland - wenn man weiß, was Fußball ist.

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