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Modehaus Brioni: James Bond braucht neue Kleider

Zehn Jahre lang trug James Bond Brioni. Denn der italienische Edelschneider gehörte zu den 007-Abenteuern wie der geschüttelte Martini. Damit ist nun Schluss. Die Lizenz zum Schneidern wurde anderweitig vergeben. Wie das kam, verrät Brioni-Chef Andrea Perrone.

Von Florian Eder, Mailand

Über die Konditionen war man sich auf Zuruf einig geworden, die Abmachung wurde per Handschlag besiegelt: So war das, damals vor über zehn Jahren, als der italienische Nobelschneider Brioni seinen ersten James Bond einkleidete, Pierce Brosnan war das, in "Goldeneye". Ein Tabubruch: Ein englischer Gentleman in einem Anzug, der nicht aus der Schneidertradition der Savile Row kam, sondern aus Italien. Zugleich fuhr Bond BMW und keinen britischen Wagen mehr. "Das sorgte für viel Aufregung in England", sagt Brioni-Chef Andrea Perrone.

Wie er an den Auftrag kam? "Wir wurden darum gebeten, James Bond einzukleiden", sagt der 38-Jährige. Brioni stellte die Anzüge. Zwar nicht nur einen - zur Klamotte für Brosnan kamen die für die Stunt-Doubles, und das an jedem Drehort - aber von teurem Product Placement war damals noch keine Rede. "Wir haben nie etwas dafür gezahlt, Bond anzuziehen", sagt Perrone. Und sein Unternehmen werde auch nie dafür zahlen.

Das ist der Grund, warum sich die Macher von James Bond für den kommenden Film "Quantum of Solace", der Ende des Jahres erscheinen soll, einen anderen Schneider suchten. Wen, das wollen die Verantwortlichen noch nicht verraten. Man munkelt, Tom Ford sei zum persönlichen Einkleider von Daniel Craig berufen worden. Fanforen meinen das schon zu wissen, manche sind aber auch überzeugt, es müsse Dunhill sein. Fest steht nur: Brioni ist raus. "Das ist heute ein großes Business geworden. Es gibt ein richtiges Rennen darum, wer Bond anziehen darf, etwas, das uns nicht gefällt. Es ist es gegen die Prinzipien, mit denen wir uns von anderen Marken unterscheiden wollen", sagt Perrone. Um wie viel Geld es dabei geht, will er nicht verraten. Nur soviel: "Damals zog man uns vor, wegen der Qualität unserer Anzüge. Und auch, weil eine Million mehr oder weniger im Budget einer James-Bond-Produktion ehrlich gesagt wenig ausmacht."

Das Bond-Engagement war für das Familienunternehmen Brioni ein feines Werbemedium, gut vor allem fürs Image als Luxus-Hersteller. 1945 als Herrenausstatter gegründet, ist Brioni heute eine weltweite Luxusmarke. Das New Yorker Luxury Institute kürte das Unternehmen Ende 2007 zur "prestigeträchtigsten Herrenmodemarke in den USA" - und fürs Prestige sind Testimonials, Prominente also, die eine Marke öffentlichkeitswirksam tragen, enorm wichtig. "Das ist zwar etwas, das alle machen, aber der Markt verlangt eben von dir, Testimonials zu haben", sagt Perrone.

Promis helfen auch Brioni, die Marke bekannter zu machen

So tut es eben auch Brioni. Gerade, um in Schwellenländern wie China und Indien bekannt zu werden, sei es unverzichtbar geworden, dem einen oder anderen Hollywoodstar einen Anzug für die Oscar-Verleihung herauszulegen. "Was mich ein wenig lächeln lässt ist, dass viele dieser Stars öffentlich Testimonials anderer Marken sind, aber in Wirklichkeit unsere Kunden", sagt Perrone. Und, nach einer kleinen Pause: "Sie kaufen also in unseren Läden. Das ist ja immer besser, als die Sachen zu verschenken." Der studierte Jurist Perrone, Enkel eines der Firmengründer, ist schließlich Geschäftsmann.

Kein schlechter, so scheint es. Im Jahr 2006 steigerte er den Gewinn um das Doppelte auf 25 Millionen Euro. Die Ergebnisse für 2007 legt Brioni zur Jahresmitte vor, aber "die Tendenz folgt dem Vorjahr", sagt Perrone in aller Bescheidenheit. Rund 3000 Euro kostet ein Brioni-Anzug im Laden. Einer von der Stange, bei dem dennoch jeder Stich von Hand gesetzt ist: 1200 Schneider arbeiten bei Brioni, fertigen 250 Anzüge am Tag. Die Schneiderinnen haben Fotos an den Nähmaschinen stehen, mit "ihren" Stars. "Sie fühlen sich Teil einer so wichtigen Sache wie der Produktion eines 007-Films. Das ist schon schön", sagt Perrone.

"Brosnan war immer ein Gentleman, ob nackt oder im Zweireiher"

Verständlich, dass die Beziehungen des Unternehmens zu Pierce Brosnan am engsten sind, den Brioni in allen seiner vier Bond-Filme anzog. Er ist Perrone der liebste James-Bond-Darsteller: "Brosnan war immer ein Gentleman, ob nackt, in der Badehose oder im Zweireiher", sagt Perrone. Von Nachfolger Daniel Craig ist Perrone weniger überzeugt. Zwar trug der neue, wie die ganze Pokerrunde im "Casino Royale", in seinem ersten Bond-Film noch Brioni, und Perrone lobt seine Fähigkeiten als Schauspieler. "Aber die Faszination des Gentlemans ging ein wenig verloren", sagt er dann. "Craig dreht lieber in Jeans und Lederjacke - eher kein Brioni-Typ."