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Und jetzt ... Django Asül Neue Medikamente für Kristina Schröder


Wow. Die CDU-Familienministerin hat die CSU rechts überholt. Das muss man erstmal schaffen. Ein Emma-Abo allein wird nicht viel helfen.
Eine satirische Empfehlung von Django Asül

Im Moment hat man es in deutschen Landen nicht leicht, wenn frau/man Schröder heißt. Die Gefahr, von George W. Bush oder Alice Schwarzer attackiert zu werden, ist immens. Da hilft die Erkenntnis, dass Bush von Irakern in etwa so viel hält wie Schwarzer von Männern, auch nicht unbedingt weiter. Immerhin hat sich Schwarzer im Gegensatz zu Bush nicht zum Waterboarding bekannt. Noch nicht. Das mag es eingeschüchterten Männern erleichtern, sich in der Nähe von Badewannen oder Waschbecken aufzuhalten. Ob dies auch für die Familienministerin Schröder gilt, bleibt abzuwarten. Und solange Gerhard Schröder sich von George W. Bush fern hält und sich im Schoße Putins der Geldvermehrung hingibt, wird ihm der amerikanische Ex-Kollege nicht viel anhaben können. Jedenfalls ist der Altkanzler laut Bush ein falscher Hund, der sein Fähnlein stets nach dem Wind ausrichtete. Und der einen Schurken wie Putin als lupenreinen Demokraten bezeichnete, um einen Gazprom-Job zu ergattern. Mit dieser Attacke wird der Brioni-Raucher und Havanna-Träger Schröder leben können. Einen Einmarsch amerikanischer Truppen wie damals im Irak wird dies nicht zur Folge haben, weil die Republikaner ihre Schlachten derzeit nicht in der Ferne, sondern lieber daheim gegen Obama austragen.

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Dass die namensvetternde Familienministerin ebenso glimpflich davon kommt wie der ehemalige Genosse der Bosse, ist eher unwahrscheinlich. Sie torpedierte in einem Interview klassische Thesen des Feminismus. So manches, was Frau Schwarzer verzapft habe, sei ein bisschen neben der Spur. Man könne nicht behaupten, dass die Frauenrolle in der Gesellschaft lediglich ein Konstrukt der selbigen wäre. Und überhaupt sei Schwarzer sowieso gegen Sexualität zwischen Mann und Frau und somit quasi die Schutzpatronin der Kampflesben. Um es vorsichtig zu formulieren: Eine Anbiederung an Schwarzer sieht wohl anders aus. Und wenn mal eine Frau eine andere attackiert, muss man nach wie vor nur sehr bedingt mit einer sachlichen Tonart rechnen.

Wobei die Medienlandschaft diesen heiligen Zickenkrieg ordentlich begleitete. Von einem bizarren Sex-Streit sprach beispielsweise die Bild-Zeitung. Was wiederum zu Irritationen bei der Leserschaft führte. Denn wenn ein Mann mit Schwarzer oder Schröder konfrontiert wird, wird er kaum an Sex denken, sondern sich eher nach den Notausgängen erkundigen.

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Normalerweise hätte Schwarzer vielleicht galant über diesen intellektuellen Ausritt Schröders in die unendliche Ödnis der interfemininen Kissenschlachten hinweg gesehen. Aber Schröder verteidigt ja so ganz nebenbei die eklatanten Lohnunterschiede zwischen Männlein und Weiblein. Und mag auch keine Frauenquote. Kristina Schröder läuft mit diesen Überzeugungen sogar in einer hippen Partei wie der CSU unter reaktionär bis gedanklich stehengeblieben, wenn überhaupt jemals gestartet. Selbst in der Union fragen sich etliche, ob der Ministerin noch mit Argumenten oder doch nur noch medikamentös beizukommen ist. Mit einem Emma-Abo allein werden sich die Synapsen nicht justieren lassen. Ganz egal, wie die Therapie für Schröder aussehen mag, muss man ihr nachsehen, dass sie bisher hermetisch abgeriegelt von der Lebenswirklichkeit war. Direkt von der Uni ab in den Bundestag ging es für sie seinerzeit. Quasi seit Geburt hermetisch abgeriegelt. Wie soll da der Blick für das Wesentliche geschärft sein?

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Dazu kommt: Dass Schröder Familien- und damit auch Frauenministerin wurde, war in ihrer Lebensplanung eigentlich nicht vorgesehen. Sie wurde zu diesem Amt quasi verdonnert von der Kanzlerin. Nicht weil die Jungkarrieristin was verbockt hatte, sondern ihr Landsmann Franz Josef Jung. Der war allerdings nicht Frauenminister, sondern Verteidigungsminister. Was so ziemlich auf dasselbe hinausläuft, solange Alice Schwarzer in Deutschland lebt. Jungs Schicksal war Kunduz. Jung war natürlich weder afghanischer Tanklastzugfahrer noch Oberbefehlshaber vor Ort. Und er hat auch nicht gelogen in dieser unrühmlichen Causa. Er hat sich lediglich blöd angestellt. Was auch nicht so überraschend ist, wenn man Merkels Kabinett angehört.

Im Umkehrschluss bedeutet das: Wäre Jung nicht im Kabinett gelandet, hätte er auch Kristina Schröder dieses Schicksal ersparen können. Denn durch den Rauswurf von Jung musste wer nachrücken ins Kabinett. Und zwar aus Hessen beziehungsweise aus Verzweiflung. In der Politik gilt schließlich nach wie vor das Regionalprinzip. Soll heißen: Herkunft geht vor Kompetenz. Infolgedessen ist Schwarzers Anmerkung, dass Schröder für diesen Posten schlicht ungeeignet ist, keine Beleidigung, sondern eher ein Anforderungsprofil.


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