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Modelbusiness: Schöne, weiße Modewelt

Die Siegerin von "Germany's next Topmodel" ist dunkelhäutig. In der Modewelt gilt jedoch nach wie vor: je blasser die Haut, desto gefragter. Welche Karrierechancen haben dunkelhäutige Mädchen wie Sara Nuru derzeit in der Modebranche?

Von Julia Mäurer

Im vergangenen Sommer ging ein Aufschrei durch die Modewelt. Franca Sozzani, Chefredakteurin der italienischen "Vogue", zeigte im Juli-Heft 2008 ausschließlich dunkelhäutige Models. Anders als erwartet verkaufte sich die Zeitschrift so gut, dass 40.000 Exemplare nachgedruckt werden mussten. Die "Black Issue" wurde als "Tabubruch" gefeiert. Das zeigt, dass es immer noch nicht selbstverständlich ist, dunkelhäutige Mädchen auf die Laufstege zu schicken oder in Kosmetik-Kampagnen abzubilden. In Zeiten der Krise geht es ums Verkaufen. Nicht die Hautfarbe des Mädchens, sondern das Produkt soll hervorstechen. Gerade einmal fünf Prozent der Models weltweit sind schwarz. Sogar in einem Land wie Brasilien, wo rund die Hälfte der Bevölkerung dunkelhäutig ist, bevorzugen die Designer hellhäutige Frauen. Gisele Bündchen, Adriana Lima und Alessandra Ambrosio sind der beste Beweis.

Welche Chancen hat dann eine Sara Nuru? Die Tochter äthiopischer Eltern ging als Siegerin aus der Castingshow "Germany's next Topmodel" hervor. Es ist das erste Mal, dass eine Dunkelhäutige gewann. Nicht nur die Verträge mit der Heidi Klum GmbH und der ProSieben eigenen Künstleragentur Redseven Artist GmbH dürften der 19-Jährigen den Einstieg ins Modelbusiness erschweren. Auch ihre Hautfarbe ist - leider - noch immer ein Hindernis.

Naomi Campbell, Iman und Tyra Banks. Diese Namen fallen stets, wenn es um dunkelhäutige Models geht. Aktuell ist Liya Kebede eine der erfolgreichsten Farbigen auf dem Laufsteg. Wie Sara Nuru stammt sie aus Äthiopien. Kebede ist in New York bei der Agentur IMG unter Vertrag und durfte als erste Dunkelhäutige für den Kosmetik-Riesen Estée Lauder werben. Laut US-Magazin "Forbes" zählt sie mit einem Jahresverdienst von 1,5 Millionen zu den Spitzenverdienerinnen im Modelbusiness. Von den 35 Millionen, die eine Gisele Bündchen im Jahr einstreicht, ist Kebede jedoch meilenweit entfernt.

Kein Wunder, gehen doch die Top-Jobs der Branche nach wie vor an weiße Mädchen: Versace bucht Kate Moss und Gisele Bündchen, Chanel setzt auf die Russin Sasha Pivovarova und Hugo Boss wirbt mit der Holländerin Lara Stone. Sogar Naomi Campbell musste in dieser Saison ihren Job abgeben. Statt der Britin ziert nun Claudia Schiffer die neue Kampagne des Hauses Yves Saint Laurent. Niemand will Schuld sein an dieser Misere. Die Designer behaupten, die Agenturen würden ihnen nur hellhäutige Mädchen schicken. Die Agenturen sagen, sie erfüllen die Vorgaben der Designer.

"Wer behauptet, die Nachfrage nach dunkelhäutigen Models sei gestiegen, der lügt", sagt Yannis Nikolaou, Chef der Agentur Placemodels. Er hat bei seiner Agentur ein dunkelhäutiges Model unter Vertrag: Iréne. Sie lief im Juli 2008 für Designer Michael Michalsky bei der Fashion Week in Berlin. Ein einmaliger Auftritt. Derzeit herrscht wieder farblose Monotonie auf den Laufstegen. Sonia Rykiel, Wolfgang Joop, Michael Michalsky, Roberto Cavalli, Miuccia Prada, Giorgio Armani, Salvatore Ferragamo, Angela Missoni - sie alle verzichteten bei ihren Schauen im Frühjahr auf dunkelhäutige Models.

"Der Trend geht im Moment sehr stark zu natürlichen, blonden Mädchen", sagt Claudia Midolo, Chefin der Hamburger Agentur Modelwerk. Mädchen wie Toni Garrn, Natasha Poly oder Sasha Pivovarova mit Puppengesichtern und hellem blonden Haar. Die Nachfrage nach dunkelhäutigen Models ist - gerade in Deutschland - verschwindend gering. "Ich habe im Jahr vielleicht drei Anfragen von Kunden nach dunkelhäutigen Models", sagt Nikolaou. Schwarz verkauft sich nicht. So deutlich mag das freilich niemand sagen. Aber in der Mode- und Medienbranche existiert nach wie vor das ungeschriebene Gesetz: Dunkelhäutige Models erzielen weniger Umsatz als hellhäutige. Das gilt für Zeitschriftentitel. Das gilt für Kosmetikwerbung. Das gilt für Modekampagnen. Einzige Ausnahme: "Deutsche Katalogkunden finden dunkelhäutige Mädchen sehr interessant", sagt Claudia Midolo.

Sara Nuru macht sich wegen ihres dunklen Teints keine Sorgen. "Es ist nur eine Hautfarbe", sagt die 19-Jährige. Eine Hautfarbe, über die Topmodel-Oberlehrerin Heidi Klum urteilte: "Menschen mit Farbe sind nicht so kommerziell wie weiße Menschen." Und auch Petra Winter, Chefredakteurin der Zeitschrift "Cosmopolitan" befand, dass sich dunkelhäutige Mädchen auf dem Titel nicht so gut verkaufen wie blasse Blondinen. Dennoch wird Nuru den Juli-Titel der "Cosmopolitan" zieren. Ob das Heft wie Blei in den Regalen liegen wird, bleibt abzuwarten.