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US-Vizepräsidentschaftskandidatin: Palins neue Kleider

Kleidung im Wert von 150.000 Dollar: Auf Kosten ihrer Partei hat sich Sarah Palin neu eingekleidet und damit eine Kontroverse ausgelöst. Darf eine Politikerin so viel Geld für Kleidung ausgeben? Überflüssig, meinen Parteispender, absolut notwendig, Stil- und Imageberater.

Von Jens Maier

Ihre roten Schuhe sind der Renner in den Boutiquen: Seitdem Sarah Palin am 29. August neben US-Präsidentschaftskandidat John McCain in der Mehrzweckhalle von Dayton (Ohio, USA) in roten Pumps der Marke "Naughty Monkey" ("Ungezogener Affe") stand, ist die Nachfrage nach den Schuhen stark angestiegen. In vielen Läden sind die Designerschuhe, die sonst eher selten von 45-Jährigen Politikerinnen, sondern von Paris Hilton und 20-jährigen Partygirls getragen werden, bereits ausverkauft. Der 29. August, das war der Tag von Sarah Palins Nominierung als Vizepräsidentin. Und Amerika ist seitdem nicht nur daran interessiert, was die Gouverneurin aus Alaska sagt, sondern auch, was sie an hat. Offenbar Grund genug für die Republikanische Partei, Palin eine teure Einkaufstour durch diverse Boutiquen zu finanzieren.

Wie das Internetportal "Politico" unter Berufung auf Finanzunterlagen der Partei berichtete, wurden der Vizepräsidentschaftskandidatin seit ihrer Nominierung 150.000 Dollar (ca. 117.000 Euro) für Kleidung, Friseur und Schminke spendiert. Palin soll demnach für jeweils mehrere zehntausend Dollar in den US-Nobelkaufhausketten Neiman Marcus und Saks Fifth Avenue in St. Louis, New York und Minneapolis geshoppt haben, darunter auch Kleider und Kostüme von namhaften europäischen Designern wie Giorgio Armani. Die Ausgaben seien unter der extra neu eingeführten Kategorie "Wahlkampf-Zubehör" verbucht worden, berichtet das Portal weiter.

Auch Palins Brille findet reißenden Absatz

Der Look von Sarah Palin wird in amerikanischen Medien aufmerksam verfolgt. In vielen Internet-Foren wird über ihre Brille, ihre Frisur, ihre Schuhe und ihre Kostüme diskutiert. Während Gegner der konservativen Politikerin sich über den eher strengen Gouvernanten-Stil lustig machen, scheint dieser bei ihren Fans voll einzuschlagen. Denn nicht nur ihre Schuhe sind fast ausverkauft, auch ihre Brille erfreut sich großer Beliebtheit.

Was für die Demokraten der Hosenanzug von Hillary Clinton ist, sei für die Republikaner die Brille von Sarah Palin, behauptet der amerikanische Nachrichtensender "ABC News". Die Nachfrage nach dem 400 Dollar teuren rahmenlosen Gestell des japanischen Designers Kazuo Kawasaki ist nach Angaben des Herstellers "Italee Optics" stark angestiegen. "Viele wollen die Brille genau in der gleichen Form und Farbe, wie Sarah Palin sie trägt", sagte eine Firmensprecherin dem Sender.

Parteispender kritisieren Palins Einkaufstour

Obwohl der Palin-Look voll einschlägt, war ihre 150.000-Dollar-Einkaufstour selbst für eingefleischte Republikaner offenbar zu viel des Guten. Das Kleidergeld hat die harsche Kritik von Parteispender auf den Plan gerufen. "Ich will mein Geld zurück", zitiert "Politico" einen Geldgeber. Es scheine sich zu lohnen, im Rennen um das Weiße Haus anzutreten, sagte ein anderer Spender. "Selbst wenn man verliert, hat man einen Schrank voller neuer Kleider." John McCain ist seiner Vize-Kandidatin zur Seite gesprungen. Es sei von Anfang an geplant gewesen, die Kleider nach der Wahl einer Wohltätigkeitsorganisation zu spenden, rechtfertigte er die Ausgaben.

"Eine Goldgrube für die Second-Hand- Läden Alaskas ", spottete die britische Tageszeitung "The Times" daraufhin. Sarah Palin kann sich immerhin damit trösten, dass die Ausgaben ihren eigentlichen Zweck erfüllt haben: Sie hat sich in kürzester Zeit von einer Hockey-Mum aus den tiefen Weiten Alaskas, wo die meisten Frauen rot-schwarz karierte Holzfäller-Blousons anhaben, zur Kostüm tragenden Politikerin gemausert, die es zwar nicht in Sachen Afghanistanpolitik, aber immerhin in Stilfragen mit Außenministerin Condoleezza Rice aufnehmen könnte.

Imageberaterin hält Ausgaben für notwendig

Auch Image-Beraterin Patsy Cisneros aus Los Angeles, die Führungskräfte und Politiker in Stilfragen berät, findet die Verwandlung Palins geglückt: "Sie hat als Gouverneurin von Alaska die Weltbühne betreten und sah wie eine Provinzlerin aus", sagte sie. Inzwischen habe sie ihren Provinzlook gegen ein kosmopolitisches Outfit getauscht und das sei auch notwendig, wenn sie die USA international repräsentieren wolle, erklärte Cisneros und hält die Ausgaben deshalb für notwendig.

Kritik an teurer Kleidung von Politikern hat es in der Vergangenheit auch in Deutschland gegeben. Mit italienischen Anzügen der Marke Brioni sorgte Ex-Kanzler Gerhard Schröder 1998 für Aufsehen. Als er sich von einem Starfotografen im Kaschmir-Mantel für damals 4000 Mark fotografieren ließ, wurde er als "Brioni-Kanzler" verspottet. Im Gegensatz zu Palin hatte er seine Anzüge allerdings aus eigener Tasche bezahlt.