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Endlich Antworten: 63 Fragen des Lebens - und die Antworten (Teil 2)

Was ist Liebe? Ist mein iPhone schlauer als ich? Warum ist das Wochenende so kurz? Es gibt Fragen, die einen das ganze Leben begleiten und für die man nie eine Erklärung findet. Das ist jetzt vorbei. 63 Antworten, die man nie wieder vergisst.

 36. Ist es wirklich eine Frage der Zeit, bis es zu einem Terroranschlag in Deutschland kommt, wie Politiker gerne warnen?

»Ein Terroranschlag ist nichts Unausweichliches. Aber die Gefahr steigt. Im Nahen Osten entstanden durch Bürgerkriege Gruppen wie der IS. Deren Sympathisantenszene wächst auch hier. In Syrien etwa dürften an die 500 Deutsche kämpfen, die sich in diesem brutalen Krieg radikalisieren. Die Behörden hatten solche Leute bislang auf dem Schirm, aber die Lage ist unübersichtlich geworden. Deutschland wurde bis heute vom Terror verschont, weil die Behörden gut aufgestellt sind. Und Deutschland ist anders als Frankreich oder England im Nahen Osten nicht kolonial verwickelt. Und wir hatten wohl bis jetzt auch einfach Glück.«

Michael Bauer, Centrum für angewandte Politikforschung, Universität München

37. Wie binde ich die verdammte Krawatte?


38. Weiß Google alles über mich?

Wahrscheinlich ja. Das bedeutet: nichts ganz sicher, aber alles mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit. Googles Wissen ist nicht so präzise wie eine Patientenakte. Aber aufgrund der Medikamente und Ärzte, die du im Internet suchst, kann Google zumindest ahnen, welche Beschwerden du hast. Oder aufgrund der Orte, die man mit Google Maps ansteuert, und der IP-Adressen, über die man sich einloggt, wo man wohl wohnt, arbeitet, essen geht und Urlaub macht und damit auch, wie viel man wohl verdienen mag. Der Konzern besitzt unzählige Datenquellen wie Suche, Maps, Youtube und Mail und hat die sogenannte Datenfusion perfektioniert. Damit, erklärt die Informatikerin Yvonne Hofstetter in ihrem Buch »Sie wissen alles«, werden »heterogene Daten Text, Bilder, Zahlen, Spektralbereiche zu einer neuen Information, dem Lageüberblick« zusammengeführt. Durch dieses Verknüpfen von Daten erahnt die Maschine, wer wir sind.

39. Wann ist der beste Zeitpunkt, ein Kind zu bekommen?

Eigentlich gilt es als cool, etwas sehr früh im Leben zu erreichen. Einstein hatte seinen Doktor schon mit 26, Mark Zuckerberg war mit 21 mehrfacher Milliardär. Nur beim Thema Kinderkriegen sind sich alle einig, »dass es das perfekte Alter nicht gibt«. Hier geht es weniger um die Frage, ob man jetzt Anfang zwanzig oder Ende dreißig ist, sondern darum: Findest du Urlaub und Shoppingspaß grundsätzlich überbewertet? Hältst du genervte Passantenblicke aus und regelmäßige Bombardements mit Brei? Spürst du den Willen und die Liebe in dir, für diesen neuen Menschen auch da zu sein, wenn Dauerstress und drohende Konflikte mit dem Partner ihre Schatten werfen? Kein Stress also, der beste Zeitpunkt kommt schon. Oder eben auch nicht.

40. Ab welchem Kilopreis für Hähnchenfleisch kann ich davon ausgehen, dass das Tier ein glückliches Leben hatte?

»Für ein glückliches Huhn muss man um die dreizehn Euro pro Kilogramm bezahlen. Es wäre wichtig, dass Konsumenten lernen, alle Teile eines Tiers zuzubereiten. Die Nachfrage nach Bio-Hühnerbrust ist immer riesig und deshalb der Preis auch ziemlich hoch (circa dreißig Euro pro Kilogramm). Dadurch können Keulen und Flügel günstiger verkauft werden. Wenn wir schon Tiere töten, um sie zu essen, sollten wir allen Teilen die gleiche Wertschätzung entgegenbringen, da sie richtig zubereitet ja auch alle lecker sind.«

Daniel Primisser leitet den Bio-Masthähnchenbetrieb Moleshof in Prad in Südtirol.

41. Bin ich später für die Pflege meiner Eltern verantwortlich?

Ja, zumindest finanziell. »Wenn Rente und Vermögen der Eltern aufgebraucht sind, müssen die Kinder die Pflege im Rahmen ihrer Möglichkeiten finanzieren«, sagt der Anwalt für Familienrecht Heinrich Meyer-Götz. Wie viel die Kinder letztendlich zahlen müssen, hängt von ihrem Einkommen und Vermögen ab. Die genaue Summe legt das zuständige Sozialamt fest. Wer beispielsweise sehr wenig verdient, aber in einer großen Villa wohnt, muss diese unter Umständen verkaufen, um die Pflege der Eltern bezahlen zu können.

42. Wie komme ich beim Sex am schnellsten zum Orgasmus?

»Ich komme immer dann besonders schnell, wenn ein Element der Überraschung im Spiel ist. Das kann ein unerwarteter Spruch sein, der mich anmacht, oder eine bestimmte Bewegung, die mich um den Verstand bringt.«

Peaches, Musikerin


43.Wie erkenne ich die schnellste Supermarktkasse?

Die Warenmenge, die die Leute in ihren Einkaufswagen liegen haben, ist irrelevant. Das Scannen des Barcodes frisst pro Artikel im Schnitt nur zwei Sekunden. Viel entscheidender ist die Analyse des Bezahlvorgangs. Die Erfahrung zeigt: Rentner sind viel schneller als ihr Ruf. Oft haben sie den fälligen Betrag bis auf die zweite Kommastelle ab gezählt zur Hand oder lassen die Kassiererin das Kleingeld aus dem Geldbeutel zusammensuchen. Auch junge Eltern wollen meist nur schnell raus aus dem Laden und bezahlen bar. Die echten Blockierer sind junge, immer leicht gehetzt wirkende Menschen, die auch bei 3,40 Euro cool die EC-Karte zücken.

Fragen, die sich jeder stellt: Warum stehe ich immer in der langsamsten Schlange?

44. Warum heißen Afrikaner, die in Europa leben, »Migranten« und Europäer, die in Entwicklungsländern leben, »Expats«?

Eigentlich bezeichnen die Begriffe »Migrant« und »Expat« (von ex patria: »außerhalb der Heimat«) dasselbe: einen Menschen, der in einem fremden Land lebt. Der Unterschied liegt in der Autonomie, die man der Person zuschreibt: Migranten verlassen ihr Land häufig aus Not, Expats aus Karriere- oder Selbstverwirklichungsgründen. Viele finden, die Unterscheidung sei alltagsrassistisch, und fordern, dass alle Menschen, die in ein fremdes Land gehen, Migranten genannt werden.

45. Muss ich mir einen Account bei dem Hype-Netzwerk Jodel zulegen?

Nein. Auch wenn Jodel gerade sehr populär an Universitäten und in großen Städten ist, muss man nicht bei jedem Social-Media-Trend mitmachen. Stattdessen sollte man sich anschauen, was das entsprechende Tool genau leistet und ob man das brauchen kann. Jodel zum Beispiel ist ein geolokales soziales Netzwerk für den nächsten Umkreis, in dem alle, die sich an einem bestimmten Ort befinden, anonyme Postings hinterlassen können. Das macht vor allem an Orten Spaß und Sinn, wo viele Gleichgesinnte eng aufeinandersitzen: Unis, Büros, Festivals oder Demonstrationen. Ein Mensch, der alleine im Wald lebt, hat auf Jodel nichts zu lachen.

46. Ist die SPD eigentlich noch eine linke Partei?

»Als Parteienforscher interessiere ich mich zum einen für sozioökonomische Fragen und untersuche, ob eine Partei eher für Staatsinterventionismus (links) oder Marktwirtschaft (rechts) steht. Zum anderen spielt die soziokulturelle Dimension eine Rolle: Vertritt die Partei eher freiheitliche (links) oder autoritäre (rechts) Ansichten. Die SPD gilt so gesehen auch heute noch als eher linke Partei. In der sozioökonomischen Dimension stand die Partei in den 50er Jahren am stärksten für linke Positionen, in der soziokulturellen in den 80er und 90er Jahren. In der Regierungsverantwortung rutscht die SPD oft eindeutig mehr in die Mitte oder sogar darüber hinaus das sieht man aktuell etwa bei der Diskussion um die Vorratsdatenspeicherung, wo sie im Vergleich zur Oppositionszeit davor eine autoritärere Position einnimmt.«

Prof. Uwe Jun, Universität Trier, Vorsitzender des Arbeitskreises Parteienforscher der DVPW

47. Wie beuge ich einer Midlife-Crisis vor?

»Es sind vor allem Leute, die hohe Ansprüche an sich selbst und ein hohes Pflichtbewusstsein haben, die irgendwann merken, dass sie eher gelebt werden, anstatt selbst zu leben. Menschen mit einer offenen Persönlichkeit, die keine Angst vor Veränderungen haben und sich mit ihren Problemen auseinandersetzen, überwinden diese Phase besser. Die plötzliche Torschlusspanik verhindert man am besten, in dem man sich möglichst früh mit den körperlichen, psychischen und sozialen Veränderungen auseinandersetzt, die ab dem Alter von vierzig Jahren auftreten. Die vielleicht wichtigste Frage lautet: Was hinterlasse ich? In welcher Form will ich weiterexistieren, wenn ich nicht mehr da bin?«

Pasqualina Perrig-Chiello, Professorin für Entwicklungspsychologie, Uni Bern

48. Wie viele Sprachen sollte ich mindestens beherrschen?

Drei (inklusive Muttersprache).

49. Wird Aids irgendwann heilbar sein?

»Ja. Nach dem aktuellen Stand der Forschung werden wir in den nächsten zehn Jahren Aids funktionell heilen können. Funktionelle Heilung bedeutet, dass das HI-Virus dann zwar noch im Körper des Menschen verbleibt wie beispielsweise auch das Herpesvirus , aber keiner dauerhaften Behandlung bedarf. Das nächste Ziel, das allerdings noch in weiterer Ferne liegt, ist dann die sterile Heilung, bei der die Viren komplett aus dem Körper verschwinden. Vorher wird es protektive Impfungen geben, sodass sich HIV nicht weiter ausbreiten kann.«

Prof. Norbert H. Brockmeyer, HIV-Experte an der Uni Bochum

50. Wo ist der sicherste Platz im Flugzeug?

Am sichersten sitzt man laut einer Studie des Magazins »Time« auf den Mittelplätzen zwischen Fenster und Gang im hinteren Teil der Maschine. Bei siebzehn analysierten Flugzeugunglücken lag die Todesrate dort bei 28 Prozent. Wer einen Gangplatz im mittleren Drittel des Flugzeugs hatte, starb in 44 Prozent der Fälle.

51. Warum kann ich so schlecht Nein sagen?

»Zum einen wollen wir Mitmenschen nicht enttäuschen. Zum anderen empfinden wir das Neinsagen als Konflikt, der je nach der Situation die Außenwelt (›Sie wird sauer sein, wenn ich ablehne‹) oder das Innenleben betrifft (›Wie stehe ich denn da, wenn ich nicht mitmache?‹). Was gegen diesen Abwehrreflex hilft, ist, zu verstehen, warum man sich in welcher Situation wie verhält, und dann: üben, üben, üben.«

Monika Radecki, Kommunikationsberaterin aus Heidelberg

52. Sind Rechtschreibfehler eigentlich noch peinlich?

Ja.

53. Wozu gibt es Primzahlen?

»Primzahlen sind ganze Zahlen größer null, die nur einen einzigen ganzzahligen Teiler größer eins besitzen: sich selbst. Primzahlen werden genau durch diese Eigenschaft zum Baumaterial für viele Algorithmen. Ein Beispiel: Du willst eine heikle E-Mail verschicken und sichergehen, dass sie außer dem Empfänger niemand liest. Also benutzt du ein Verschlüsselungsprogramm, das meist mit dem klassischen Algorithmus ›RSA‹ arbeitet. RSA bastelt mit Primzahlen sogenannte Einwegfunktionen, die zwar leicht auszurechnen, aber schwer umzukehren sind. Es ist wie beim Espresso: Der ist schnell gekocht, aber aus Kaffeesatz und dem, was in der Tasse ist, wieder Bohnen und reines Wasser zu erzeugen, ist praktisch unmöglich. Würden alle Menschen mit diesen auf Primzahlen basierenden Programmen ihre E-Mails verschlüsseln, wären die Überwachungsskandale der vergangenen Jahre deutlich kleiner ausgefallen. So gesehen brauchen wir Primzahlen man darf das ruhig so sagen für nichts weniger als unsere Freiheit und Demokratie.«

Dr. Andreas Loos, Arbeitsgruppe Diskrete Geometrie am Institut für Mathematik, Uni Berlin

54. Mit wie vielen Leuten sollte man schlafen?

Sagen wir so: Wenn du mehr Finger hast als Sexpartner, war es ein bisschen langweilig, oder?

55. Wer bin ich?

Die entscheidende Basis für unser Selbstbild bildet die sogenannte »Theory of Mind«-Fähigkeit. Psychologen sind der Meinung, dass sie sich in der Regel zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr entwickelt, wenn Kinder lernen, ihre eigenen Wünsche, Hoffnungen und Überzeugungen von denen anderer Personen zu unterscheiden. Der Aufbau dieses Ich-Bildes kann laut Kognitionswissenschaft lern durch Umwelteinflüsse oder Fehlfunktionen des Gehirns beeinflusst werden. Wer man ist, hängt also immer auch davon ab, wo man ist, welche Erfahrungen man dort macht und wie andere Menschen einen spiegeln. Die Mischung aus Selbst- und Außenwahrnehmung bestimmt dann, wer ich für mich bin.

56. Ist es schädlich, das Handy nachts auf dem Nachttisch neben dem Kopf zu deponieren?

Eine mögliche Gesundheitsgefahr bei Vieltelefonierern ist laut Internationaler Agentur für Krebsforschung der WHO nicht endgültig belegbar. Wenn du aber in einer Fernbeziehung lebst und jedes Geräusch, das dein Partner macht, mit bekommen willst vom Schnarchen bis zum Reden im Schlaf , wenn du also über Jahre jede Nacht durchtelefonierst und außerdem ein Handy mit hohem Strahlenwert von über 0,6 SAR hast, dann könnte es laut Aussagen von Experten auch strahlentechnisch schädlich werden.

57. Sehen wir alle dieselben Farben oder benennen wir sie nur gleich?

»Farben sind konventionell festgelegte Kategorien entlang eines kontinuierlichen physikalischen Spektrums. Wie wir sie subjektiv wahrnehmen, hängt von vielen Einflüssen ab und variiert auch von Mensch zu Mensch. Im Alltag kann das sogar dazu führen, dass sich Personen darüber streiten, welche Farbe ein Gegenstand oder ein Bild hat. Kürzlich gab es im Netz einen viel beachteten Streit, ob auf einem Foto ein blauschwarzes oder gold-weißes Kleid zu sehen war. Ein entscheidender Faktor ist, welche Beleuchtungsbedingungen unser Gehirn annimmt und wie es dann die Farben entsprechend interpretiert.«

Dr. med. Christian Kell, Zentrum der Neurologie und Neurochirurgie, Klinikum der Uni Frankfurt

58. Was mache ich, wenn mein Computer irgendwann immer langsamer wird?

RAM aufrüsten. Computer sind wie Küchen. Die Festplatte ist der Kühlschrank, der Prozessor der Koch und das RAM die Anrichte. Die Lebensmittel (Dateien wie Fotos und Filme) werden immer größer und die Rezepte (Programme) immer komplizierter. Die Kühl schränke sind zwar meist groß genug ein Viertel der Festplatte sollte aber schon stets frei sein, sonst wird sie zum limitierenden Faktor. Auch der Koch kommt mit den Rezepten zumindest einige Jahre lang gut klar. Wenn aber auf der Anrichte kaum Platz ist, muss der Koch ständig zum Kühlschrank rennen, nur um wieder die Butter zu holen. Das verschwendet Zeit und Energie. Aber RAM ist nicht teuer und man kann es, je nach Computer, sogar selbst einbauen. Youtube-Videos zeigen, wie. Acht Gigabyte sollten es schon sein, die Kosten dafür liegen bei 50 bis 100 Euro.

59. Wie halte ich das Bier an einem Sommerabend im Stadtpark möglichst lange kalt?

Grabe ein kleines Loch, lege eine Plastiktüte mit Bier sowie Wasser oder Eiswürfel rein und decke es mit einem Tuch ab: Fertig ist der Minikühlschrank. Alternativ kann man eine Bierflasche auch in eine nasse Socke oder ein Tuch einwickeln die entstehende Verdunstungskälte kühlt das Bier.

60. Warum vertrage ich weniger Alkohol als meine Freunde?

»Wie trinkfest ein Mensch ist, hängt von vier Faktoren ab:

1. Von der Enzymkonstellation in der Leber, dem Organ, in dem neunzig Prozent des Alkohols abgebaut werden. Die ist aber von Mensch zu Mensch verschieden. Manche Menschen können Alkohol etwas schneller abbauen als andere.

2. Ungefähr zehn Prozent des Alkohols werden im Magen abgebaut. Deshalb spielt es eine Rolle, ob man etwas auf nüchternen Magen trinkt oder eine Grundlage geschaffen hat, die die Magenentleerung verzögert.

3. Ein Körper, dem chronisch Alkohol zugeführt wird, entwickelt zu seinem eigenen Schutz schnellere Stoffwechselprozesse. Der Blutalkoholspiegel bleibt dann eher niedrig, auch wenn man sehr viel Alkohol getrunken hat.

4. Der weibliche Körper hat einen geringeren Wasseranteil als der männliche Körper. Das gilt auch für ältere Menschen. Deshalb ist der Blutalkoholspiegel bei Frauen und älteren Menschen oft höher, auch wenn sie die gleiche Menge Alkohol pro Kilogramm Körpergewicht getrunken haben wie ein junger Mann.«

Professor Helmut K. Seitz, Direktor des Alkoholforschungszentrums der Uni Heidelberg

Eine junge Frau trinkt Bier

61. Warum ist ein schlechtes Gewissen so unangenehm?

»Wenn man ein schlechtes Gewissen hat, produziert das Gehirn viel weniger Glücksbotenstoffe wie Dopamin oder Endorphine. Dadurch fühlen wir uns schlecht und wollen uns am liebsten verkriechen. Ausgelöst werden Schuldgefühle, wenn wir soziale Ablehnung spüren oder auch nur befürchten. Zur Gemeinschaft gehören zu wollen, ist schließlich einer unserer stärksten Triebe. Wer ein schlechtes Gewissen hat, weil er den Abwasch mal wieder nicht gemacht hat, fürchtet also unbewusst, dass er aus der Herde verstoßen wird.«

Prof. Dr. Joachim Bauer, Neurobiologe, Psychotherapeut, Autor von »Selbststeuerung. Die Wiederentdeckung des freien Willens«, Blessing Verlag

62. Wie viel Euro ist ein Menschenleben wert?

»1 182 126 Euro, wenn es nach der Bundesanstalt für Straßenwesen geht. So viel kostet ihrer Berechnung zufolge ein Verkehrstoter die deutsche Volkswirtschaft. Ethisch kann das natürlich problematisch sein. Baut eine Behörde dort eine Ampel für 1,5 Millionen Euro, wo sie statistisch nur einen Toten erwartet?«

Jörn Klare, Autor des Buchs »Was bin ich wert? Eine Preisermittlung«, Suhrkamp Verlag

63. Stirbt die Hoffnung wirklich zuletzt?

»Hoffnung benötigt offenbar keinen Rückhalt in der Realität: Sie ›stirbt‹ zuletzt. Damit scheint sie sich gefährlich nahe an der Irrationalität zu bewegen. ›Komm zur Vernunft!‹, wollen wir dem Hoffenden zurufen. Wäre es nicht vernünftiger, seine Hoffnungen früher zu Grabe zu tragen? Eine Antwort aus philosophischer Perspektive könnte lauten, dass wir die Richtung der Frage umkehren müssen: Wenn jemand ohne jede Hoffnung ist, wird er handlungsunfähig. Er hat keine Motive mehr, kein Vertrauen auf eine bessere Zukunft. In diesem Sinne stirbt die Hoffnung wirklich ›zuletzt‹ nach ihr und ohne sie gibt es keinen Grund mehr, sein Leben aktiv zu gestalten. Wirklich leben zu können, hieße somit, hoffen zu können.«

Dr. Ana Honnacker, Forschungsinstitut für Philosophie Hannover

Dieser Text ist in der NEON-Ausgabe vom 09/15 erschienen. Hier können Einzelhefte des NEON-Magazins nachbestellt werden.