Folge der Zinspolitik
Bundesbank macht Milliardenverlust - Bund geht leer aus

Bundesbank-Präsident Nagel muss einen Verlust von 8,6 Milliarden Euro verkünden. Foto: Hannes P. Albert/dpa
Bundesbank-Präsident Nagel muss einen Verlust von 8,6 Milliarden Euro verkünden. Foto
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Die Bilanz der Bundesbank ist tiefrot. Eine Überweisung aus Frankfurt an das Finanzministerium fällt so erneut aus. Dafür kann sich die Bundesbank über Milliardengewinne bei ihren Goldreserven freuen.

Die Bundesbank wird nach einem erneuten Milliardenverlust 2025 auch dieses Jahr rote Zahlen schreiben. Damit fällt eine Gewinnüberweisung aus Frankfurt an den Bund nicht nur im sechsten Jahr in Folge, sondern auch absehbar aus. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel stimmte bei der Bilanzvorlage in Frankfurt auf weitere magere Jahre ein, betonte aber zugleich die Stärke der Notenbank. 

2025 stand ein Minus von rund 8,6 Milliarden Euro in der Bilanz und damit der zweithöchste Fehlbetrag in der Geschichte der Notenbank. Verglichen mit dem Rekordminus von mehr als 19 Milliarden Euro 2024 hat sich der Verlust aber mehr als halbiert - auch dank niedriger Zinsen. 

"Wir haben zwar weiter finanzielle Belastungen zu tragen, sie lassen aber nach", sagte Nagel in Frankfurt. Diese positive Entwicklung werde sich fortsetzen, so die Notenbank. Gleichwohl werde die Bundesbank 2026 "erneut einen Jahresfehlbetrag ausweisen".

Letzter Bundesbank-Gewinn für den Bund 2019

Jahrelang plante das Finanzministerium in Berlin im Bundeshaushalt einen Bundesbank-Gewinn von 2,5 Milliarden Euro ein. 2019 durfte sich Olaf Scholz (SPD) als damaliger Ressortchef über die höchste Summe seit der Finanzkrise freuen: 5,85 Milliarden Euro. Es war der bislang letzte Geldsegen aus Frankfurt.

Folge der Geldpolitik im Euroraum

Der Verlust der Bundesbank ist eine Folge der Geldpolitik im Euroraum. Hauptgrund ist, dass die Zinsausgaben der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank (EZB) für Gelder, die Geschäftsbanken bei ihr parken, deutlich größer sind als die Zinseinnahmen aus dem riesigen Bestand an Anleihen, die die Bundesbank im Auftrag der EZB kaufte.

Die Milliardenverluste schleppt die Bundesbank mit. Der Bilanzverlust, der sich aus dem Verlustvortrag und dem aktuellen Jahresfehlbetrag ergibt, beläuft sich auf 27,8 Milliarden Euro. 

Die Belastungen der Bundesbank seien vorübergehend, betonte Nagel. Künftige Jahresüberschüsse würden genutzt, um den Bilanzverlust aus eigener Kraft abzubauen. Auch mit einem Verlust könne die Bundesbank ihre Aufgaben "vollumfänglich" erfüllen. Sie habe eine solide Bilanz.

Preisrallye treibt Wert von Bundesbank-Gold 

Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Mauderer wies darauf hin, dass die Notenbank ein Nettoeigenkapital von 363 Milliarden Euro und Bewertungsreserven von 388 Milliarden Euro habe. "Die finanzielle Basis der Bundesbank ist sehr stark."

Der Notenbank hilft auch, dass ihr riesiger Goldbestand von 3.350 Tonnen mit dem stark gestiegenen Goldpreis immens an Wert gewonnen hat. 2025 waren die deutschen Goldreserven laut Geschäftsbericht gut 395 Milliarden Euro wert, rund 125 Milliarden mehr als im Vorjahr. Der größte Teil davon wird in Frankfurt gelagert mit 1.710 Tonnen, weitere 1.236 Tonnen liegen bei der US-Notenbank Fed in New York. Angesichts der aggressiven Politik von US-Präsident Donald Trump mehrten sich Forderungen, die Bestände nach Deutschland zu holen - was Bundesbank-Präsident Nagel ablehnt.

Trifft der Iran-Krieg Deutschland? Bundesbank zurückhaltend

In Sachen Nahost-Krieg und den Folgen für Inflation und Konjunktur in Deutschland hielt sich Nagel zurück. Wenn der Krieg lange dauere, würden die Auswirkungen für die Konjunktur "nicht gut" sein, sagte er. Auch würden sich dauerhaft erhöhte Energiepreise langfristig auf die Inflation durchschlagen. Aber für Prognosen sei es noch zu früh.

Auch bei den Folgen des Konflikts für die Geldpolitik der EZB wurde Nagel nicht konkret. Manche Ökonomen rechnen mit einer Leitzinserhöhung, sollte der Iran-Krieg die Inflation hochtreiben. Der EZB-Rat bleibe wachsam, sagte Nagel. "Sollte sich das Inflationsbild substanziell ändern, sind wir in einer guten Lage, um darauf reagieren zu können."

Zinspolitik fordert Tribut

Die einst lockere Geldpolitik der EZB belastet die Bundesbank schon lange. Schon 2023 hatte die Bundesbank rote Zahlen unter dem Strich geradeso vermieden - allerdings nur, weil sie mit milliardenschweren Rücklagen Belastungen der Zinswende ausgleichen konnte.

Die EZB hatte ab Sommer 2022 die Leitzinsen im Euroraum rasant erhöht, um die damals hohe Inflation in den Griff zu bekommen. Höhere Zinsen an den Finanzmärkten führten zu steigenden Zinsausgaben seitens der Notenbanken für Gelder. 

Damit halten deren Zinseinnahmen aber nicht Schritt: Denn viele Wertpapiere wie Staats- und Unternehmensanleihen mit langer Laufzeit, die die Euro-Notenbanken über Jahre in großem Stil kauften, werfen relativ niedrige Zinsen ab. Hauptziel von Notenbanken ist es allerdings nicht, Gewinne zu erzielen. Sie sollen vor allem für stabile Preise und eine stabile Währung sorgen.

Auch EZB tief in den roten Zahlen

Inzwischen ist die Inflation im Euroraum von Rekordständen weit entfernt, daher hat die EZB den für Banken und Sparer wichtigen Einlagensatz auf 2,0 Prozent gesenkt. Dennoch stehen auch in der EZB-Bilanz für 2025 ein Verlust - und zwar von 1,25 Milliarden Euro. Damit fällt eine Gewinnausschüttung auch an die Bundesbank aus. Die EZB erwartet, dass sie 2026 oder 2027 in die Gewinnzone zurückkehrt. Bis die nationalen Zentralbanken wieder von Ausschüttungen profitieren, kann es aber Jahre noch dauern.

dpa