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"Es ist unfassbar": Gaffer bei Unfällen, Attacken auf Rettungskräfte: "Wir erleben eine totale Verrohung"

Angriffe auf Polizisten und Feuerwehrleute, auf Ärzte, Pfleger und Sanitäter. Ein Mann urinierte sogar auf einen Defibrillator. Die Empörung darüber wächst. Verbänden und Gewerkschaften reißt der Geduldsfaden angesichts der "totalen Verrohung".

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Helfer werden bespuckt, mit Böllern beworfen, gar mit Waffen bedroht: Immer neue Attacken auf Sanitäter, Feuerwehrleute und Polizisten in Deutschland sorgen für Entsetzen.
Auch Ärztepräsident schlägt jetzt Alarm. "Die Politik muss dringend einen Kulturwandel befördern, damit man wieder begreift, dass diese Menschen Retter und Helfer sind", sagte der Chef der Bundesärztekammer der "Rheinischen Post".

Die Gewaltbereitschaft sei im Umfeld der Silvester-Feiern deutlich geworden. "Da sind Rettungssanitäter und Notärzte angegriffen worden, weil man sie für Repräsentanten der Staatsmacht hält", sagte Montgomery. Schon im vergangenen Jahr hatten rücksichtlos und aggressiv gegen Helfer vorgehende Menschen für Schlagzeilen gesorgt, auch Gaffer an Unfallstellen und blockierte Rettungsgassen waren ein Thema.

Immer wieder kommt es zu Attacken auf Einsatzkräfte (Symbolbild)

Immer wieder kommt es zu Attacken auf Einsatzkräfte (Symbolbild)


"Unsere Kräfte müssen geschützt werden"

Zuletzt hatte es in der Nacht zum Samstag in Berlin eine Attacke auf gegeben. Als zwei Sanitäter aus ihrem Rettungswagen stiegen, warf ein 37 Jahre alter Mann zunächst Böller auf sie. Danach soll er versucht haben, auf einen abgestellten Defibrillator zu urinieren. Einem der Helfer spuckte der 37-Jährige ins Gesicht. Die Sanitäter hielten den Angreifer fest und übergaben ihn der Polizei.

Die Deutsche -Gewerkschaft (DFeuG) verurteilte den Angriff. "Unsere Kräfte müssen geschützt werden", sagte ein Sprecher. Die Justiz müsse so ausgestattet werden, dass sie die im vergangenen Jahr verschärften Gesetze zu Angriffen auf Rettungskräfte auch durchsetzen könne. Unter anderem war ein neuer Straftatbestand des "Tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte" (§114 StGB) geschaffen worden, der eine Haftstrafe zwischen drei Monaten und fünf Jahren ermöglicht.

Montgomery sagte, dass es auch in Notaufnahmestellen immer wieder passiere, dass Menschen sehr aggressiv würden. "Wir erleben derzeit eine totale bei einigen Patienten und ihren Angehörigen gegenüber medizinischem Personal." In einigen Krankenhäusern gebe es bereits Sicherheitsdienste, um die Angestellten zu schützen. 

Empörung hatten zum Jahreswechsel die Angriffe auf Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter unter anderem in Berlin und Bremen ausgelöst. Helfer der Berliner Feuerwehr waren am Neujahrsmorgen mit Schusswaffen bedroht worden. Die Rettungswagen-Besatzung alarmierte die , die zwei scharfe Schusswaffen sicherstellte. Ein anderer Helfer bekam einen Faustschlag ins Gesicht. 

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Erhebliche Sachschäden

Insgesamt sprach die Feuerwehr am Neujahrsmorgen von acht Angriffen auf Helfer und 57 Angriffe auf Einsatzfahrzeuge mit erheblichen Sachschäden. "Das ist eine Aggressivität, die wir in den letzten Jahren noch nicht erlebt haben", sagte der Brandleiter der Berliner Feuerwehr, Wilfried Gräfling.

In Bremen beschossen etwa 50 Randalierer auf dem Bahnhofsvorplatz in der Silvesternacht Bahnmitarbeiter und Polizisten mit Raketen und Böllern. Ein Beamter wurde verletzt, mehrere Männer vorläufig festgenommen. Auch im Bremer Szeneviertel Steintor flogen Raketen und Böller auf Polizisten.

"Ich zweifle am Verstand derer, die mit Böllern und Raketen auf Menschen schießen", machte der Berliner Polizeipräsident Klaus Kandt danach über den Twitter-Account der Polizei seinem Ärger Luft. "Weder Feiern noch Alkohol entschuldigt das. Es ist unfassbar, dass Helfer derartig angegriffen werden." 

Annett Stein/DPA