Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
erlauben Sie mir heute einen kleinen Ausflug, weg von der großen Weltbühne. Aber zu einem mindestens ebenso spannenden Thema. Nahtoderlebnisse beschäftigen die Menschheit bereits seit Jahrtausenden. Der niederländische Maler Hieronymus Bosch hielt wohl in seinem Gemälde „Aufstieg der Seligen“ bereits im 16. Jahrhundert ein solches fest. Auch heute gibt es beim Sterben noch immer Dinge, die selbst Wissenschaftler nicht erklären können. Der Tod fasziniert und schreckt die Menschheit zugleich. Aber wie sollte es auch anders sein?
Einer, der dem Sterben nahkommt, wie kaum ein anderer, ist Scott Janssen. Der Amerikaner ist Sozialarbeiter und begleitet seit über 30 Jahren in einem Hospiz Menschen in den Tod. Ich habe ihn kürzlich in seinem Haus in Chapel Hill in North Carolina getroffen. Das Thema war traurig, aber das, was Janssen erzählte, war es überhaupt nicht. Janssen sagt: „Früher hatte ich große Angst vor dem Sterben. Heute fürchte ich mich nicht mehr. Im Gegenteil: Ich bin neugierig darauf.“
Wie kommt Scott Janssen zu dieser Erkenntnis? Er sagt, dass er früher nicht an Gott, eine Seele oder an ein Dasein nach dem Tod geglaubt habe. Aber seine Erlebnisse mit den Sterbenden hätten ihn gewandelt. Und dann erzählte er mir von den Erlebnissen, die ihn überzeugt hätten, dass da irgendwie noch etwas ist, was wir nicht verstehen. Was auch die Wissenschaft nicht mit Halluzinationen oder chemischen Vorgängen im Gehirn erklären könne.
Nahtod, Wiedergeburt – wann muss man solche Erzählungen ernst nehmen?
Es sei nicht ein Erlebnis, das ihn überzeugt habe, sondern Hunderte. Er erzählt zum Beispiel von einem 90-jährigen Kriegsveteranen, der an Krebs starb. Und in den Stunden zuvor von seinem lange toten Onkel Calvin „besucht“ wurde. Der ihm sagte: „Ich werde dir helfen, über den Berg zu kommen.“
Seit Jahren tauscht sich der Amerikaner mit Forschern über solche Erlebnisse aus. Er sagt: „Sie konnten in Studien zeigen, dass etwa 20 Prozent aller Menschen, die eine lebensbedrohliche Krankheit überstehen, von genau solchen Nahtoderlebnissen berichten.“ Aus wissenschaftlicher Sicht sei klar ein Muster erkennbar. Es gäbe einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Es käme jemand zu Besuch mit einer klaren Nachricht: Ich bin für dich da, wenn du stirbst. „Die Geschichten sind über Kulturen, Religionen und Geschlechter hinweg gleich. Das ist beeindruckend einheitlich“, so Scott.
Der 62-Jährige spricht über seine Erfahrungen, weil er überzeugt ist, damit Menschen die Angst vor dem Tod nehmen zu können. Für ihn sind die Erlebnisse seiner Patienten voller Hoffnung. Ob er nach 30 Jahren mit Sterbenden sagen könne, was diese besonders am Lebensende bereuen? Seine Antwort kommt schnell: „Dass sie zu viel Zeit im Büro verbracht haben. Und sie bereuen, aus Angst Dinge nicht gewagt zu haben im Leben.“ Hier können Sie das gesamte Gespräch nachlesen.
Mit diesem Gedanken verabschiede ich mich in die Osterfeiertage. Am Dienstag finden Sie den morgenstern wieder wie gewohnt in Ihrer Mailbox und online.
Die Revolution im Heizungskeller
Das Thema Heizung beschäftigt das Land seit Jahren. Fast die Hälfte aller neuen Heizungen sind inzwischen Wärmepumpen. Doch die Verbände fürchten Förderkürzungen – und warnen vor Kostenexplosionen bei Gas- und Öl-Heizungen. Jetzt nach Ausbruch des Irankrieges umso mehr.
Aber auch Studien des deutschen Energieberaterverbands und des Fraunhofer-Instituts zeigen, dass die Betriebskosten der Geräte deutlich unter denen der übrigen Heizungsformen liegen.
5-Minuten-Talk: Harte Zeiten – das kommt jetzt auch Deutschland zu
0,6 Prozent – so viel oder besser so wenig wird die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr wachsen. Das prognostizieren die Konjunkturexperten der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute. Schuld sind der Krieg im Iran, die Blockade der Straße von Hormus und der daraus resultierende Energiepreisschock. Experten befürchten: Je länger Krieg und Blockade anhalten, desto wahrscheinlicher entwickelt sich die Öl- und Gaspreiskrise zu einer echten Wirtschaftskrise.
Womöglich stehen dem Land harte Zeiten bevor. Warum der Vergleich mit dem Einbruch während der Corona-Pandemie trotzdem „dünn wie Tütensuppe“ ist – darüber spricht stern-Politikchef Jan Rosenkranz heute mit seinem Kollegen Jannik Tillar aus dem Wirtschaftsressort von stern und Capital.
Weitere Schlagzeilen im Überblick
Das passiert am Donnerstag, den 2. April
- Papst Leo wird in Rom zum ersten Mal die traditionelle Fußwaschung zu Ostern vornehmen
- Heute ist Internationaler Fact Checking Day
- Der „White Tiger-Prozess“ wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortgesetzt
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Muskeln lassen nicht nur unser Herz schlagen. Sie sind außerdem ein ganz eigenes Organ, das unseren Körper gesund hält. Sie machen uns stärker – auch im Kopf. Die US-Bestsellerautorin und Athletin Bonnie Tsui spricht im Interview über eine Kraftquelle, die nie versiegt und von der besonders Frauen profitieren. Über sich selbst sagt die Autorin: „Meine Muskeln haben mich mutiger gemacht.“
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Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag und schöne Ostertage!
Alexandra Kraft