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Ehec-Epidemie: Drei Sprossenarten im Visier der Fahnder

Brokkoli, Knoblauch und Bockshorn – die Suche nach der Quelle der Ehec-Epidemie scheint sich auf diese drei Sprossenarten einzugrenzen. Die Zahl der Todesopfer stieg inzwischen auf 36.

Bei der Suche nach der Ehec-Infektionsquelle gibt es offenbar weitere Fortschritte: Die Behörden haben jetzt drei Sprossenarten eingegrenzt, wie Niedersachsens Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU) sagte. Demnach haben fünf erkrankte oder positiv getestete Mitarbeiterinnen des Betriebes im niedersächsischen Bienenbüttel bevorzugt Sprossen von Brokkoli, Knoblauch und Bockshorn gegessen.

Insgesamt seien neun Mitarbeiterinnen gezielt nach ihrem Sprossenverzehr befragt worden. Vier gesunde Beschäftigte hätten vor allem die Sorten Alfalfa und Würzige Mischung gegessen. Dies könne ein Hinweis auf bestimmte Sprossenarten und damit auf den Ursprung der Infektion durch das Saatgut sein, sagte Özkan. Damit bestätigten sich die bisherigen Warnungen vor Sprossen.

Warnung vor selbst gezogenen Sprossen

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte zur Vorsicht auch bei selbst gezogenen rohen Sprossen und Keimlingen geraten. "Aus Vorsorgegründen empfiehlt das BfR, derzeit auf den Verzehr zu verzichten", sagte BfR-Präsident Andreas Hensel. Bei einem Fall in Niedersachsen seien selbst gezogene Sprossen möglicherweise die Ursache für die Ehec-Erkrankung einer Familie gewesen. Der Erreger konnte bislang aber noch nicht in den Samen nachgewiesen werden.

Unterdessen hat die Zahl der Ehec-Neuerkrankungen nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) abgenommen. Seit einigen Tagen werden "auf deutlich niedrigerem Niveau" Fälle übermittelt, teilte die Behörde mit. Bis zum Pfingstsonntag registrierte das Institut demnach insgesamt 3228 Erkrankungen. Insgesamt litten 781 Menschen unter der besonders schweren Verlaufsform HUS, dem hämolytisch-urämischen Syndrom. Bislang sind 36 Menschen an den Folgen einer Infektion mit dem Darmkeim gestorben. Ob der Rückgang auf ein verändertes Essverhalten der Bevölkerung oder auf ein Versiegen der Infektionsquelle zurückzuführen ist, kann der Behörde zufolge noch nicht mit Sicherheit bestimmt werden.

"Wichtiger Teil der Indizienkette"

Am Wochenende war bei zwei weiteren Mitarbeiterinnen des Sprossenerzeugers in Bienenbüttel der aggressive Darmkeim nachgewiesen worden. Beide hätten aber bisher keine Symptome, teilten die Behörden mit. "Damit können wir einen weiteren wichtigen Teil einer Indizienkette vorlegen", sagte Özkan. Bereits im Mai waren drei Mitarbeiterinnen des Betriebes mit Ehec-Symptomen erkrankt.

Bisher ist nicht geklärt, ob Mitarbeiter den Keim eingeschleppt haben oder er durch Saatgut oder andere Quellen in den Betrieb in Bienenbüttel gelangt ist. Auch die Infektionswege der Mitarbeiter sind unklar. Die Aufklärung sei aber wichtig, um Vorsorgesysteme zu entwickeln, damit solche Ereignisse künftig verhindert werden können, erklärte Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) in Hannover.

be/DPA / DPA