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Ehre für die Enthüllungsplattform Norweger schlägt Wikileaks für Friedensnobelpreis vor


Barack Obama hat ihn bekommen, auch Martin Luther King, Albert Schweitzer und Mutter Teresa stehen auf der Liste der Würdenträger. Auch Organisationen wie die UN oder der Weltklimarat erhielten den Friedensnobelpreis. Jetzt wurde die Enthüllungsplattform Wikileaks vorgeschlagen.

Wikileaks gehört zu den Kandidaten für den diesjährigen Friedensnobelpreis. Wie die norwegische Nachrichtenagentur NTB am Mittwoch meldete, hat der Osloer Parlamentsabgeordnete Snorre Valen das Enthüllungsportal offiziell beim Nobelinstitut vorgeschlagen. Der Linkssozialist sagte zur Begründung, Wikileaks sei "einer der wichtigsten Beiträge dieses Jahrhunderts zu Meinungsfreiheit und Transparenz".

Als jüngstes Beispiel verwies der Norweger auf die Enthüllung der persönlichen Bereicherung des tunesischen Ex-Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali. Dies habe zum Ende einer knapp 25 Jahre währenden Diktatur beigetragen. "Wikileaks hat mit seinen Publikationen Korruption, Rechtsbrüche durch Regierungen und Unternehmen und vor allem auch gesetzwidrige Überwachung, Kriegsverbrechen und Folter durch eine Reihe von Staaten enthüllt", erklärte Valen.

Die Nominierungsfrist für den Friedensnobelpreis läuft jedes Jahr am 1. Februar ab. Das Osloer Komitee gibt seine Entscheidung im Oktober bekannt. 2010 wurde der inhaftierte chinesische Menschenrechtler Liu Xiaobo ausgezeichnet. Der Preis ist mit zehn Millionen schwedischen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotiert.

El Kaida soll an schmutzigen Bomben basteln

Derweil veröffentlicht Wikileaks weiteres Material. Das Terrornetzwerk El Kaida soll derzeit damit beschäftigt sein, Nuklearmaterial zum Bau radioaktiver Bomben zu beschaffen. Wie die britische Zeitung "The Telegraph" am Mittwoch unter Berufung auf mehrere veröffentlichte Depeschen berichtete, warnten ranghohe Sicherheitsvertreter bei einem Nato-Treffen im Januar 2009 vor einem Programm "selbstgebastelter radioaktiver Sprengsätze" des Terrornetzwerks. Solche "schmutzigen" Bomben, die gegen Soldaten in Afghanistan eingesetzt werden könnten, würden bei einer Explosion das umliegende Gebiet für mehrere Jahre verseuchen.

Bereits im Jahr 2008 wurde das US-Sicherheitspersonal demnach davor gewarnt, dass die Islamisten die technischen Kenntnisse zum Bau solcher Bomben hätten und zudem über zweifelhafte Organisationen das nötige Material bezögen. So wurde den Depeschen zufolge etwa an der kasachisch-russischen Grenze ein Güterzug mit waffenfähigem Material entdeckt.

Spielzeug für den Bombenschmuggel

Einem anderen von Wikileaks veröffentlichten Dokument zufolge äußerte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bei einem Treffen mit US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano im Januar 2010 Bedenken hinsichtlich der Flugsicherheit. De Maizière habe seine Furcht zum Ausdruck gebracht, dass El Kaida "Kinderspielzeug benutzen könnte, um Bomben an Bord zu bringen", hieß es darin.

Derjenige, der als Wikileaks-Informant gilt, der Soldat Bradley Manning, und die Wikileaks-Enthüllungen ins Rollen gebracht haben soll, hätte eigentlich nicht in den Irak entsandt werden dürfen. Der inzwischen im US-Bundesstaat Virginia inhaftierte 23-Jährige sei wegen Verhaltensstörungen ursprünglich von Gesundheitsexperten als untauglich für den Einsatz in dem Land eingestuft worden, schrieb die Washington Post am Dienstag in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Armee-Vertreter. Die letzte Entscheidung über eine Entsendung habe aber bei seinen direkten Vorgesetzten gelegen. Eine Untersuchung der Streitkräfte ergab demnach, dass dies Manning vermutlich dazu veranlasst haben könnte, Geheimdokumente weiterzugeben.

Die USA werfen dem Soldaten vor, geheime Militärdokumente über die Einsätze im Irak und in Afghanistan an das Enthüllungsportal Wikileaks weitergegeben zu haben. Er steht auch im Verdacht, Depeschen der US-Diplomatie weitergeleitet zu haben, deren Veröffentlichung durch Wikileaks Ende vergangenen Jahres erneut den Zorn Washingtons erregt hatten. Die "Washington Post" berichtete allerdings, dass nach Angaben von Ermittlungen der US-Armee Mannings direkte Vorgesetzte Vorschriften zum Schutz der Geheimdokumente nicht eingehalten hätten und damit ein Sicherheitsrisiko bestanden habe. Wikileaks legt seine Quelle für die US-Geheimdokumente nicht offen. Bei einer Verurteilung drohen Manning mehr als 50 Jahre Haft wegen Verrats.

swd/DPA/AFP DPA

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