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Flugzeugabsturz: Bergungsarbeiten am Roten Meer gehen weiter

Während Bergungsteams in Ägypten weiter nach Trümmern und Opfern des über dem Roten Meer abgestürzten Urlauberjets suchen wurde bekannt, dass die Airline in der Schweiz Flugverbot hatte.

Nach dem Absturz einer ägyptischen Chartermaschine ins Rote Meer haben Rettungsmannschaften am Sonntag nach dem Wrack gesucht. Dabei wurden neben Metallteilen auch sterbliche Überreste der 148 Todesopfer im Wasser gefunden, wie die Behörden im Scharm el Scheich mitteilten. Am Sonntag hatten ägyptische und französische Helfer rund 60 Leichtenteile gefunden. Unter den Opfern des Absturzes waren 133 französische Touristen. Als wahrscheinliche Unglücksursache galt ein technischer Defekt.

Expertenteam aus Frankreich am Unfallort

Frankreich entsandte ein Team von Experten, die bei der Bergung von Opfern und ihrer Identifizierung sowie bei den laufenden Ermittlungen helfen sollten. Auch der stellvertretende Außenminister Renaud Muselier reiste nach Ägypten. Der französische Verkehrsminister Gilles de Robien erklärte, alles deute auf ein technisches Versagen der Maschine der Chartergesellschaft Flash Airways hin. Nach Angaben des Ministers habe die Chartergesellschaft einen "guten Ruf" ohne Auffälligkeiten bei Kontrollen. Der ägyptische Außenminister Ahmed Maher sagte, der Unfall stehe nicht in Zusammenhang mit einem terroristischen Anschlag. Der Flugdatenschreiber wurde noch nicht geortet.

Maschine sandte keinen Notruf

Das Flugzeug vom Typ Boeing 737 startete am Samstag kurz vor 05.00 Uhr Ortszeit (04.00 Uhr MEZ) von Scharm el Scheik und verschwand rund elf Kilometer weiter südlich von den Radarschirmen. Zuvor hatte der Pilot nach amtlichen Angaben noch versucht, wegen technischer Probleme zum Flughafen zurückzukehren. Die Maschine war auf dem Weg nach Kairo und sollte nach einem Besatzungswechsel von dort nach Paris weiterfliegen. Ägyptische Rettungsmannschaften entdeckten das Wrack in etwa 800 Meter Tiefe nahe der Küste.

Keine Probleme bei letzter Wartung

Die Maschine hatte am frühen Samstagmorgen zunächst Fluggäste von Venedig nach Scharm el Scheich gebracht. Sie war nach Angaben von Flash Airlines eine von lediglich zwei Boeing 737 der Fluglinie, die seit sechs Jahren im Geschäft ist. Gewartet worden sei das knapp elf Jahre alte Flugzeug in Norwegen, bei der letzten Überprüfung seien keine Probleme festgestellt worden.

Airline hatte in der Schweiz Flugverbot

Nach Angaben des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL) in Bern ist die Gesellschaft Flash Airlines schon seit Herbst 2002 in der Schweiz mit einem Flugverbot belegt. Bei einer routinemäßigen Kontrolle auf dem Flughafen Zürich-Kloten seien im Oktober 2002 eine Reihe von Sicherheitsmängeln an einer Maschine festgestellt worden, sagte BAZL-Sprecherin Celestine Perissinotto. Dabei habe es sich um Verletzungen von Vorschriften der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation ICAO gehandelt. Das Protokoll sei sowohl der Flash Airlines wie auch der ägyptischen Zivilluftfahrtbehörde zugestellt worden. "Seither hatten wir keine Reaktion", sagte Perissinotto. Das Überflugverbot der Schweiz hat den Worten des Flash Airlines-Chefs Mohamed Nur zufolge nichts mit Sicherheitsgründen zu tun. Das von der Behörde genannte Verbot sei ausgesprochen worden, nachdem Flash Airlines Einspruch gegen eine Rechnung seines Schweizer Kooperationspartners erhoben und nicht die volle Summe beglichen habe, so Nur.

Auch italienische Passagiere berichten von Problemen

Auch italienische Passagiere berichteten über einen Zwischenfall mit der Linie im vergangenen Jahr. Bei einem Flug vom Scharm el Scheich nach Bologna habe es Probleme mit einem Triebwerk gegeben. Darauf habe die Maschine eine außerplanmäßige Zwischenlandung gemacht, berichteten Italiener laut Zeitungsberichten vom Sonntag. Weiter sagten die Passagiere, das Innere der Maschine sei in schlechtem Zustand gewesen.

Fast nur Urlauber auf Heimflug

An Bord der Unglücksmaschine befanden sich neben den 133 Franzosen ein Japaner und Marokkaner sowie 13 Besatzungsmitglieder, wie die französischen und ägyptischen Behörden mitteilten. Der französische Premierminister Jean-Pierre Raffarin traf in dem am Zielflughafen Roissy bei Paris eingerichteten Krisenzentrum mit Angehörigen der Opfer zusammen. In Beileidsschreiben an den französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac und den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak sprach Bundeskanzler Gerhard Schröder den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus. Mit großer Erschütterung habe er von dem Flugzeugabsturz erfahren, erklärte Schröder.

DPA