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Ausflüge, Fahrradtouren, Picknick: 16 Länder, 16 Regeln: Was Sie wo zu Ostern machen dürfen – und was nicht

Ist die Ostereiersuche im Park erlaubt oder nicht? Darf ich über die Feiertage meine Familie besuchen? Ist eine Fahrradtour okay? Das Coronavirus wirbelt auch das Osterfest durcheinander. Die Bestimmungen in den Bundesländern unterscheiden sich teils gravierend. Eine Übersicht.

Frau mit Bikini und ein Fahhrad auf einer grünen Wiese

Nein, über das Tanzverbot zu Karfreitag wird in diesem Jahr kaum diskutiert – das ist auch eine Folge der Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland. Discos, Klubs und Kneipen sind schließlich ohnehin bundesweit geschlossen. Die ausfallende Debatte über Sinn- und Unsinn der besonderen Regeln an den sogenannten Stillen Feiertagen ist jedoch nicht das einzige Ritual, auf das in diesem Jahr rund um Ostern verzichtet werden muss.

Ob Kirchgang, Familientreffen, Osterfeuer, Ausflüge, Kurzreisen oder die Eiersuche im Park: Landauf, landab wird Ostern 2020 anders sein als sonst. Grund sind die Verhaltensregeln, die die 16 Bundesländer in Form von Verordnungen oder Allgemeinverfügungen erlassen haben, um der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus entgegen zu wirken. Sie verbieten viele lieb gewonnene Aktivitäten rund um die Feiertage. Doch sie unterscheiden sich von Land zu Land: Was hier erlaubt ist, kann dort schon teuer werden. 

16 Bundesländer, 16 Verordnungen – der stern mit einer Übersicht: Was ist in Ihrem Bundesland erlaubt? Und was sollten Sie an Ostern lieber lassen?

Coronavirus-Regeln zu Ostern im Überblick

Bundesweit: In jedem Bundesland ist der Abstand geregelt, den Menschen in der Öffentlichkeit zueinander halten müssen. Er beträgt – sofern möglich – fast überall 1,5 Meter. Nur im Saarland und in Mecklenburg-Vorpommern müssen die Menschen etwas mehr auf Distanz gehen: zwei Meter. Ausnahmen gelten bundesweit zum Beispiel für die eigene Familie, Haushaltsangehörige oder eine Person, die nicht dem Haushalt angehört. 

Eine weitere bundeseinheitliche Regelung: Ob katholisch, evangelisch, muslimisch oder jüdisch – Gotteshäuser aller Religionen bleiben auch über Ostern für Gottesdienste geschlossen. Betroffen sind also die Freitagsgebete in den Moscheen, der Schabbat in den Synagogen und die Feierlichkeiten anlässlich des Sterbens und der Wiederauferstehung Jesu Christi am Karfreitag und den Osterfeiertagen in den christlichen Gemeinden. Die Verordnungen der Bundesländer lassen keine Ausnahmen zu: "Veranstaltungen und Versammlungen werden landesweit untersagt. Dies gilt auch für Zusammenkünfte in Kirchen, Moscheen und Synagogen sowie die Zusammenkünfte anderer Glaubensgemeinschaften", heißt es zum Beispiel in Bayern. Vielerorts bieten die Gemeinden jedoch Fernseh-, Radio- oder Online-Übertragungen von Gottesdiensten oder Telefonandachten an.

Darüber hinaus unterscheiden sich die Vorschriften jedoch von Bundesland zu Bundesland teils erheblich. Doch auch, wenn bestimmte Tätigkeiten oder Verhaltensweisen in einigen Bundesländern nicht explizit verboten ist, gilt der Grundstz: Nicht alles, was rechtlich erlaubt ist, ist auch vernünftig. Alle Maßnahmen haben das Ziel, Sozialkontakte soweit wie möglich zu vermeiden – nur dies hilft, einer schnellen Verbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken.

Baden-Württemberg: Wie vielerorts sollen sich die Osterfeierlichkeiten auch in Baden-Württemberg nach Möglichkeit in der eigenen Wohnung abspielen – allerdings dürfen die Menschen dort grundsätzlich auch ins Freie, jedoch "nur alleine, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person oder im Kreis der Angehörigen des eigenen Haushalts" und mit dem gebotenen Mindestabstand. Private Osterfeiern sind möglich, allerdings nur mit maximal fünf Teilnehmern, sofern es sich nicht um Verwandte gerader Linie (Großeltern, Eltern, Kinder) oder Mitbewohner handelt. Ausflüge im Bundesland sind zwar nicht ausdrücklich verboten, sollten aber dennoch nach Möglichkeit nicht durchgeführt werden.

Bayern: Im Freistaat gilt der Grundsatz, dass der Kontakt "zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Hausstands auf ein absolut nötiges Minimum" reduziert werden soll. Das schließt ein, dass die eigene Wohnung nur mit "triftigem Grund" verlassen werden darf, also beispielsweise zum Einkaufen oder für den Weg zur Arbeit. Auch Sport an der frischen Luft ist erlaubt. Zuletzt stellte die bayerische Staatsregierung klar, dass das Lesen eines Buches auf einer Parkbank zulässig ist. Zuvor hatte unter anderem die Polizei in München eine andere Auffassung vertreten. Die strengen Ausgangsbeschränkungen in Bayern führen dazu, dass Besuche von Verwandten oder Freunden über Ostern tabu sind – ebenso wie Ausflüge in die Berge oder an die Seen.

Berlin: Der Senat der Hauptstadt ordnet ebenfalls an, dass die Berlinerinnen und Berliner sich "ständig in ihrer Wohnung oder gewöhnlichen Unterkunft aufzuhalten" haben. Ausnahmen sind auch dort notwendige Gänge wie Einkäufe, Arztbesuche oder Sport und Bewegung. Im Zweifel müssen die notwendigen Gründe der Polizei glaubhaft gemacht werden. Die Regelung schließt damit Osterfeiern im Freundes- oder erweiterten Familienkreis aus, ebenso nicht zwingend notwendige Ausflüge in die Umgebung.

Brandenburg: Bei den Berliner Nachbarn sind Ausflüge zwar nicht ausdrücklich verboten, aber nicht erwünscht. Denn auch in Brandenburg gilt: "Jeder wird angehalten die physischen und sozialen Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Hausstands auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren." Das Betreten öffentlicher Orte ist ebenfalls nur beim Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Dazu zählt auch "Sport und Bewegung an der frischen Luft". Auch die in Brandenburg verbreiteten Ferienhäuser dürfen genutzt werden – Freunde dürfen dorthin allerdings nicht eingeladen werden.

Bremen: Die Hansestadt erlaubt den Aufenthalt im Freien grundsätzlich unter Wahrung der Abstands- und Kontaktregeln. Sämtliche Feiern und Veranstaltungen in Bremen sind aber verboten. Es gilt der Aufruf, Sozialkontakte zu minimieren.

Hamburg: Die beliebten Osterfeuer am Elbstrand der Hansestadt fallen in diesem Jahr aus. Private Feuer sind jedoch noch erlaubt. "Es dürfen dieses Jahr aber nur Personen teilnehmen, die im selben Haushalt leben." Auch andere Osterfeiern sind nur mit den Personen erlaubt, die in demselben Haushalt wohnen. Verwandtenbesuche sind grundsätzlich zwar nicht verboten, sollten aber vermieden werden. Die Gesundheitsbehörde hat dazu eigens eine Kampagne gestartet: "Oma und Opa sind mit Abstand die Besten!" Sport und Bewegung im Freien sind in Hamburg erlaubt, nicht jedoch Grillen oder der Verzehr von Speisen.

Hessen: "Aufenthalte im öffentlichen Raum sind nur alleine, zusammen mit Angehörigen, die im gemeinsamen Haushalt leben oder zusammen mit einer Person, die nicht im eigenen Haushalt lebt, gestattet", heißt es auch in Hessen. Im privaten Rahmen sind Treffen mit der Familie in Hessen zulässig – allerdings rät auch die hessische Landesregierung davon ab, um das Coronavirus einzudämmen. Auch Ausflüge sind erlaubt, wenngleich sich einige Kommunen, zum Beispiel im Taunus oder im Rheingau, vorbehalten, beliebte Ausflugsziele zu sperren.

Was über das Coronavirus bekannt ist - und was nicht

Mecklenburg-Vorpommern: Im Norden wird ein strenges Regiment gefahren. Ferienhausbesitzer aus anderen Bundesländern müssen das Land verlassen, die Ostseeinseln sind für Besucher gesperrt. Die Landesregierung hat speziell für die Osterfeiertage Sonderregelungen erlassen. Ausflüge in beliebte Regionen wie die Mecklenburgische Kleinseeplatte sind demnach verboten. "Familienbesuche sind nur innerhalb der Kernfamilie – Ehegatten, eingetragene Lebens­partner, Lebens­gefährten, Kinder, Eltern und Großeltern – möglich", heißt es weiter. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) bittet um Verständnis für die Vorschriften: "Niemand muss deshalb auf seinen Oster­spazier­gang verzichten. Wir empfehlen allerdings allen Bürgerinnen und Bürgern, dieses Jahr zu Ostern zuhause zu bleiben, den Oster­spazier­gang in der näheren Umgebung zu machen und auf Reisen, Ausflüge und Familien­besuche nach Möglich­keit zu verzichten." Der Mindestabstand zu anderen Personen beträgt in Mecklenburg-Vorpommern sogar zwei Meter.

Niedersachsen: Im Land Niedersachsen können sich die Bürgerinnen und Bürger weitgehend frei bewegen, solange sie ausreichend Abstand zu anderen Menschen halten – auch Osterausflüge sind demnach möglich, wenn auch nicht unbedingt erwünscht. Die Landesregierung setzt auf Vernunft. Zu Besuchen von Freunden oder Verwandten erklärt sie zum Beispiel: "Auch in der eigenen Wohnung und auf dem eigenen Grundstück soll der Kreis der sich dort treffenden Menschen möglichst klein und möglichst gleichbleibend sein. Die hier denkbaren Konstellationen sind sehr unterschiedlich: Manche treffen sich mit ihren bereits ausgezogenen Kindern, andere mit nur einem engen Freund oder einer Freundin, wieder andere mit dem Ehepaar aus der Nachbarschaft. Das alles ist auch zukünftig in Niedersachsen möglich."

Nordrhein-Westfalen: "Sonne genießen. Aber mit Abstand" , fordert die Landesregierung von den Nordrhein-Westfalen auch über die Osterfeiertage. Raus gehen ist also erlaubt, allerdings finden die traditionellen Osterfeuer nicht statt, auch Picknicks und Grillen sind in NRW verboten. Verwandten darf ein Osterbesuch abgestattet werden, auch ein Abendessen mit Freunden ist unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. "Auch für den privaten Bereich gilt allerdings der Appell, soziale Kontakte zu reduzieren, soweit das irgend geht", so die Landesregierung.

Rheinland-Pfalz: "Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist nur alleine oder mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person und im Kreis der Angehörigen des eigenen Hausstands zulässig" – das gilt auch in Rheinland-Pfalz. Im privaten Rahmen dürfte dort sogar ein Osterbrunch stattfinden, ein ausdrückliches Verbot solcher Zusammenkünfte gibt es dort nicht. Gleichwohl appelliert die Landesregierung an die Vernunft der Bürgerinnen und Bürger. Auch Fahrradausflüge mit der Familie sind zum Beispiel erlaubt.

Saarland: Das kleinste Flächenland Deutschlands schreibt einen Mindestabstand von zwei Metern zu anderen Personen vor. Dazu gilt: "Jeder wird angehalten, die physischen und sozialen Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Haushalts auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren." Sämtliche Ansammlungen in der Öffentlichkeit sind verboten. Reisende dürfen ohne triftigen Grund nicht mehr in das Saarland ein- und ausreisen. Auch das Verlassen der eigenen Wohnräume braucht einen solchen Grund wie Arbeit oder Einkauf. Besuche bei Freunden oder Bekannten sind nicht gestattet.

Sachsen: Sachsen gehört zu den Bundesländern mit den strengsten Corona-Regeln. "Das Verlassen der häuslichen Unterkunft ohne triftigen Grund wird untersagt", ist der Grundsatz der Ausgangsbeschränkung. Selbst Sport und Bewegung im Freien sollen "vorrangig im Umfeld des Wohnbereichs" stattfinden. Damit fallen Osterausflüge und Osterfeiern in diesem Jahr aus, ebenso Besuche bei der Verwandtschaft oder Freunden.

Sachsen-Anhalt: "Der Osterhase darf kommen", versucht sich die Landesregierung in Zweckoptimismus zu den Feiertagen. Allerdings wird auch in Sachsen-Anhalt das Osterfest anders als gewöhnlich ausfallen. Reisen aus touristischem Anlass sind untersagt, dazu zählen auch reine Ausflugsfahrten. Die eigene Familie darf aber in Sachsen-Anhalt weiterhin besucht werden, auch Spaziergänge oder Radtouren rund um den eigenen Wohnort sind zulässig. Picknicken und Grillen sind allerdings auch dort verboten, ebenso soll die Ostereiersuche im Park unterbleiben. "Da es beim Verstecken und  Suchen von Ostereiern im Öffentlichen Raum allerdings schnell zu größeren Ansammlungen kommen kann und im Eifer des Geschehens das Abstandsgebot nicht eingehalten wird, bitten wir Sie im  Moment davon Abstand zu nehmen."

Schleswig-Holstein: Im Zusammenspiel mit Hamburg spielten sich in Schleswig-Holstein in den vergangenen Wochen bizarre Szenen ab: Radfahrer aus der Hansestadt wurden auf Touren ins nördliche Nachbarland von der Polizei zurückgeschickt oder Menschen mit Hamburger Autokennzeichen aus schleswig-holsteinischen Ortschaften vertrieben. Gespräche auf Ebene der Landesregierungen sollten die Wogen glätten, sodass jetzt auch Ausflüge ins Hamburger Umland erlaubt sind. Dennoch gilt, dass touristische Reisen nach Schleswig-Holstein im Grundsatz verboten sind. Unter anderem ist auch der Zugang zu den Nord- und Ostseeinseln gesperrt. Bewohner des Landes dürfen sich unter Wahrung der Abstands- und Kontaktregeln weiterhin frei bewegen, auch zu ihren Angehörigen: "Für Familien-Besuche im privaten Raum gilt aber lediglich die dringende Bitte, die Kontakte auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren", heißt es von der Landesregierung.

Thüringen: Auch in Thüringen bleiben die Beschränkungen über die Osterfeiertage in Kraft, mit allen Folgen für das Fest: Keine öffentlichen Veranstaltungen und auch keine privaten Versammlungen mit mehr als zwei Personen (Ausnahme: der eigene Haushalt). Osterbesuche sind damit nur in eingeschränktem Rahmen zulässig.

Hinweis: Die Verordnungen der Bundesländer sehen auch zahlreiche Ausnahmen oder weitere Beschränkungen für bestimmte Ereignisse oder Personenkreise vor, die in dem groben Überblick an dieser Stelle nicht en détail aufgeführt werden. Maßgeblich sind daher immer die amtlichen Bestimmungen der jeweiligen Landesregierungen:

Darüber hinaus können auch Kommunen oder Landkreise weitere Regeln erlassen.

mit DPA-Material

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