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Abbruch von "GNTM": Jeden Monat eine Bombendrohung - mindestens

Seit Mai 2014 sind 15 Bombendrohungen bekannt geworden, die Dunkelziffer liegt vermutlich deutlich höher. Was tun, wenn es einen selbst trifft - und wie findet man heraus, wie ernst die Warnung ist?

Von Niels Kruse

Achtung, Explosion: Was tun, wenn eine Bombendrohung kommt?

Achtung, Explosion: Was tun, wenn eine Bombendrohung kommt?

Natürlich war es eine Lüge, oder nett gesagt, nur ein extrem kleiner Ausschnitt der Wahrheit, die den 10.000 Menschen in der Mannheimer SAP Arena am Donnerstagabend gegen 21.20 Uhr mitgeteilt wurde. Von technischen Problemen war zunächst die Rede, dann, einige Minuten später, von ernsten Problemen. Was hätten die Organisatoren auch anderes sagen sollen? Die Wahrheit? Dass während der Liveshow von "Germany's next Topmodel" eine Bombe explodieren würde, wie die unbekannte Frau am Telefon angekündigt hatte? Die Folge wäre wohl eine Massenpanik gewesen. Aber so: Die Leute verließen die Halle mehr oder weniger ruhig und geordnet, Glück gehabt. Was macht man eigentlich, wenn dieser Horrorfall eintritt? Was deutlich häufiger passiert als man vielleicht vermuten würde.

Mindestens 15 Bombendrohungen gab es allein in den letzten zwölf Monaten. Hier eine Liste derer, die Öffentlich bekannt wurden.

  • 1.Mai 2015: In Oberursel bei Frankfurt findet die Polizei bei einem islamistischen Ehepaar eine Rohrbombe. Aus Sicherheitsgründen wird das Radrennen "Rund um den Finanzplatz Eschborn" abgesagt.
  • 21. April 2015: An der Otto-Hahn-Schule in Berlin-Britz geht eine Bombendrohung ein. Die 850 Schüler und Lehrer wurden nach Hause geschickt, doch die Warnung entpuppt sich als falscher Alarm.
  • 19. April 2015: Ein Flug der Turkish Airlines von Istanbul nach Basel muss wegen einer Bombendrohung umkehren. Die Ankündigung steht auf einem Zettel, der in der Bordtoilette deponiert war. Die Drohung entpuppt sich allerdings als Scherz.
  • 13. April 2015: Noch vor dem Start eines Germanwings-Flug von Köln nach Mailand geht eine Bombendrohung bei der Bundespolizei ein. Der Flug wird abgebrochen, gefunden wird nichts.
  • 30. März 2015: Ein Flug der Turkish Airlines von Istanbul nach Sao Paulo muss wegen einer Bombenwarnung in Casablanca landen. Die Drohung wird ebenfalls auf der Toilette gefunden.
  • 10. Februar 2015: Ein Ryanair-Flug muss in Berlin-Schönefeld zwischenlanden. Die Maschine ist auf dem Weg von Krakau zum irischen Shannon. Ein Flugreisender hat zuvor mehrfach mit einer Bombe gedroht, die Bundespolizei findet jedoch nichts.
  • 15. Januar 2015: Im schwäbischen Herrenberg droht ein 37-Jähriger am Telefon damit, eine Bombe in Behördenräume zu werfen. Der Mann wird festgenommen, Hinweise auf eine Bombe werden nicht gefunden.
  • 18. Dezember 2014: Um 12.27 Uhr warnt ein Mann die Sparkasse Erlangen telefonisch vor einer Bombe, die wenige Minuten später explodieren soll. Die ist allerdings nur einen leere Drohung.
  • 3. Dezember 2014: Bei der Polizei im rheinischen Gürzenich geht eine Bombendrohung ein. Der unbekannte Mann gibt an, die Bombe sei in einem Transporter versteckt, das Motiv ist offenbar Erpressung.
  • 22. Oktober 2014: Ein 32-Jährige kündigt die Explosion einer Bombe im Freiburger Hauptbahnhof an. Der Verkehr kommt eine Stunde lang zum Stillstand, sieben Wochen später wird der Mann festgenommen.
  • 29. September 2014: Unbekannte warnen vor einer Bombe im Ritz-Carlton am Roten Platz in Moskau. Es ist das Mannschaftshotel des FC Bayern München, der dort vor dem Champions-League-Spiel gegen den ZSKA Moskau übernachtet. Es bleibt bei der Drohung.
  • 9. September 2014: Nach einer Bombendrohung am Landgericht Stade, muss das Gebäude evakuiert werden. Die Suche nach Sprengstoff verläuft ergebnislos.
  • 19. August 2014: Der Hauptbahnhof Bonn wird wegen einer Bombenwarnung gesperrt. Es wird allerdings kein verdächtiger Gegenstand gefunden.
  • 26. Juni 2014: Ein anonymer Anrufer droht mit einer Bombenexplosion in einer Bank in Sindelfingen. Das Gebäude und die Nachbarschaft werden geräumt, gefunden wird nichts.
  • 12. Mai 2014: Bei einer Geburtstagsfeier für Altkanzler Gerhard Schröder im hessischen Kronberg geht eine Bombendrohung ein – es bleibt bei der Warnung. Der 37-jährige Mann stellt sich zwei Wochen später bei der Polizei.

Möglicherweise ist dies nur eine sehr kleine Auswahl an Drohungen, Experten, wie der Sicherheitsberater Thomas Preuß, sprechen sogar von durchschnittlich 1000 Warnungen pro Jahr. Die meisten allerdings kämen nicht an die Öffentlichkeit, aus Gründen der Sicherheit oder wegen eines befürchteten Imageschadens. Zum Glück passiert in den allermeisten Fällen so gut wie nie etwas. Entweder, weil es keine Bombe gibt, oder weil sie rechtzeitig gefunden und unschädlich gemacht werden. Wie etwa beim Radrennen Anfang Mai in Frankfurt.

Die Hauptschwierigkeit bei solchen Drohungen ist es, herauszufinden, wie ernst die Warnung gemeint ist. Das Wiki "Hotel-Lexikon" etwa rät dazu, jede solcher Ankündigungen sehr ernst zu nehmen. In einer Handlungsanweisung wird beschrieben, worauf Angestellte, die Bombendrohungen erhalten, achten sollten: unter anderem darauf, den Anrufer nicht zu provozieren, den genauen Explosionstermin versuchen herauszufinden, und auf alle Auffälligkeiten in der Sprache des Anrufers zu achten.

Sicherheitsexperte Preuß weißt zudem auf die "Ernsthaftigkeitsprüfung" hin. Dazu soll etwa ein wichtiges Detail absichtlich falsch wiedergegeben werden. So könne herausgefunden werden, wie sicher der Anrufer agiert, und ob er sich durch widersprechende Angaben möglicherweise selbst unglaubwürdig macht. Und auch wenn es absurd klingt: Man soll den Anrufer nach seinem Namen fragen. Offenbar kommt es immer wieder vor, dass sich Drohanrufer durch ihre nervliche Anspannung überrumpeln lassen.

Gehen Sie vom schlimmsten aus

Aber auch ohne Namen ist es der Polizei meist möglich, die Telefonnummer von anonymen Anrufer zurückzuverfolgen. Das dauere in der Regel nur wenige Minuten, wie ein Sprecher der Telekom in Bonn sagt: "Wir haben spezielle Teams, die sich um solche Anfragen von Sicherheitsbehörden kümmern und entsprechend geschult sind." Ob dann die betroffenen Gebäude evakuiert werden müssen, hängt vor allem vom Ermessen der Betroffenen ab. Und natürlich davon, wie viele Menschen betroffen wären. Dass ProSieben die SAP-Arena leerräumen ließ, war natürlich der Sicherheit von 10.000 Menschen geschuldet. Im Zweifel sollte vom Schlimmsten ausgegangen werden.