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Reptilien: In Moskaus Zoo starb "Hitlers Alligator" – er wurde 84 Jahre alt

Der Alligator Saturn kam 1936 aus den USA nach Berlin. In einer Bombennacht entkam er und überlebte drei Jahre ganz auf sich gestellt in der Stadt. 1946 gelangte er nach Moskau, dort entstand die Legende, er habe zur Privatsammlung von Adolf Hitler gehört.

Moskau: Im Zweiten Weltkrieg aus Berliner Zoo geflüchtet: 84-jähriger Alligator Saturn ist tot

Der Moskauer Zoo vermeldete, voller Trauer, den Tod "unseres Mississippi-Alligator Saturn an Altersschwäche. Er war etwa 84 Jahre alt – ein äußerst respektables Alter." Saturn wurde immer wieder Hitlers Alligator genannt. Zum Beginn seiner Zeit in Moskau nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Reptil sogar "Hitler" genannt, doch nach einiger Zeit fand man den Spaß abgeschmackt und der Alligator bekam den ehrenhaften Namen Saturn. Tatsächlich hat der Diktator nie den Alligator besessen, noch war er gar ein Haustier von Hitler. Saturn wurde 1936, kurz nachdem er in den USA geboren wurde, dem Zoo geschenkt.

Angeblich soll Hitler einen Narren an dem Tier gefressen haben, das Reptil soll zu seinen Lieblingen im Berliner Zoo gehört haben. Das ist zwar denkbar, aber auch nur eine Legende, die sich nicht nachweisen lässt.

Ausgebombtes Reptil

In seinem langen Leben hat Saturn einiges erlebt. Nach der Reise aus den USA brachte der Zweiten Weltkrieg eine große Zäsur. In einer Bombennacht im Jahr 1943 kam Saturn nur knapp mit dem Leben davon. In der Nacht vom 22. auf den 23. November 1943 wurden die Gebiete westlich des Zentrums, einschließlich des Tiergartens, in dem sich der Zoo der Stadt befindet, erheblich getroffen.

Tausende Menschen wurden getötet oder verletzt, und auch viele Tiere des Zoos kamen bei dem Luftangriff ums Leben. Das Aquariengebäude des Zoos erlitt einen Volltreffer. Passanten haben die Leichen von vier Krokodilen auf der Straße gesehen haben, die durch die Wucht der Explosion dorthin geschleudert worden waren. Doch Saturn entwischte und wurde zunächst nicht wiedergefunden.

Er überlebte irgendwie und lebte dann drei Jahre lang in einer vom Krieg verwüsteten Stadt und in einem für Alligatoren vollkommen ungeeigneten Klima.

Erst 1946 fanden ihn britische Soldaten in Berlin. Es ist ein Rätsel, wo der Alligator in der Zwischenzeit steckte. Die kalten Winter hätte das Tier nicht im Freien überleben können. Denkbar ist, dass er in wärmeren Abwasserkanälen unter der Stadt überleben konnte.

Reise nach Moskau

Wie dem auch sei, die Briten übergaben ihren Fund an die Sowjets und die brachten das Tier im Sommer 1946 nach Moskau. Dort zählte er wegen seiner illustren Lebensgeschichte zu den Hits des Zoos. Die heutigen Mitarbeiter sollen alle in Trauer sein, ihr ganzes Leben lang wurden sie von Saturn begleitet. "Der Moskauer Zoo hatte die Ehre, Saturn 74 Jahre lang zu halten", teilte der Zoo in einer Erklärung mit. "Für uns war Saturn eine ganze Ära, und das sagen wir ohne die geringste Übertreibung ... Er hat viele von uns gesehen, als wir Kinder waren. Wir hoffen, dass wir ihn nicht enttäuscht haben."

Liebte Massagen mit der Bürste

Der Zoo berichtete weiter, dass Saturn alle seine Pfleger kannte, und es liebte, wenn sie ihn mit einer Bürste massierten. Wenn er gereizt war, musste man sich vor ihm in Acht nehmen, denn er war in der Lage, Stahlfutterzangen und Betonstücke mit den Zähnen zu knacken. "Fast unmittelbar nach der Ankunft des Tieres tauchte der Mythos auf, dass es angeblich zu Hitlers Sammlung gehörte und nicht dem Berliner Zoo", berichtet die Nachrichtenagentur Interfax. Der Moskauer Zoo wies solche Berichte mit der Bemerkung zurück, dass "selbst wenn Saturn rein hypothetisch jemand gehört habe sollte, Tiere nichts mit der Politik und dem Krieg zu tun haben und nicht für menschliche Sünden verantwortlich gemacht werden dürfen".

Quelle: Zoo Moskau