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Italien: Kettenreaktion legt Stromversorgung lahm

Eine Kettenreaktion von Störfällen hat die Stromversorgung in ganz Italien lahm gelegt. Betroffen waren 57 Millionen Menschen - damit war das Ausmaß größer als beim Stromausfall in Nordamerika vor sechs Wochen.

Eine Kettenreaktion von Störfällen hat die Stromversorgung in ganz Italien lahm gelegt. Betroffen waren nach Angaben der staatlichen Gesellschaft ACEA 57 Millionen Menschen - das Ausmaß war damit größer als bei dem dramatischen Stromausfall in Nordamerika vor sechs Wochen. Erst allmählich wurde die Versorgung im Laufe des Sonntags wieder in Gang gebracht.

Hintergrund des Stromausfalls ist die massive Abhängigkeit der italienischen Versorgung vom Import aus den Nachbarländern. In der Nacht zum Sonntag fielen nahezu gleichzeitig mehrere Leitungten aus, die Strom aus der Schweiz und Frankreich nach Italien bringen. So stürzten in der Ortschaft Brunnen im Kanton Schwyz Zweige eines Baums auf eine 380-Kilovolt-Leitung der Aare-Tessin AG für Elektrizität (Atel), wie die Gesellschaft in Olten mitteilte. Der Ausfall dieser wichtigen Nord-Süd-Leitung über den Lukmanierpass sowie weiterer Leitungen führte zu Überlastungen. Gegen 3.25 Uhr war dann ganz Italien mit Ausnahme der Insel Sardinien ohne Strom.

Mehr als 110 Züge mit 30.000 Passagieren waren in der Nacht zum Sonntag stundenlang blockiert. In Rom, wo die Bevölkerung zu einer Nacht der Museen eingeladen war, saßen hunderte von Menschen in der U-Bahn fest.

Italien hatte schon im Juni mit Stromausfällen zu kämpfen

Die Behörden riefen zur Besonnenheit auf. "Natürlich gibt es Probleme, aber angesichts der Lage läuft es noch gut", sagte ein Sprecher des Katastrophenschutzes, Pasquale Aversa. Krankenhäuser und Notfallzentren arbeiteten mit Notstromgeneratoren. Papst Johannes Paul II. hielt seine wöchentliche Ansprache im Vatikan bei Kerzenschein.

Erst gegen Mittag lief die Versorgung in den Städten im Norden wieder an. In Rom fiel der Strom nach der Wiederherstellung jedoch mehrfach erneut aus. Im Süden des Landes waren manche Regionen auch am Nachmittag noch von der Versorgung abgeschnitten.

Italien hatte schon im Juni in einigen Landesteilen mit Stromausfällen zu kämpfen, als wegen der außergewöhnlichen Hitze die Stromnetze überlastet waren. ACEA hatte schon zu gewarnt, der Strombedarf in Italien steige stärker, als langfristig gesehen bereitgestellt und importiert werden könne. Nach dem Blackout vom Sonntag mahnten Präsident Carlo Azeglio Ciampi und die Versorger den Bau neuer Kraftwerke an.

Italien ist nicht das einzige Land, das in jüngster Zeit von schweren Stromausfällen betroffen ist. Ab 14. August waren rund 50 Millionen Menschen in den USA und Kanada tagelang ohne Strom, am 28. August war London betroffen, am vergangenen Dienstag gingen in Dänemark und Schweden die Lichter aus.