HOME

Japans Walfang vor dem Aus: Das Schlachten hat ein Ende

Seit Jahren betreibt Japan Walfang zu "Forschungszwecken"- trotz heftiger Zusammenstöße mit Tierschützern. Das oberste UN-Gericht hat jetzt den Fang der Tiere untersagt. Ist Japans Walfang am Ende?

Zwei graublaue Schiffe mit japanischer Flagge jagen auf den hohen eisigen Wellen im Südpolarmeer ihre Beute: Großwale. Am Bug ragt die Harpune hervor. Sie bohrt sich kurze Zeit später in den Bauch des Tieres. Der Sprengstoff in der Spitze explodiert in dem massigen Körper des Wales. Der Kadaver wird dann über die extra niedrige Rampe des dritten Bootes gezogen. Das Gemetzel beginnt.

Auf Youtube-Filmen der Umweltschützer kann jeder sehen, wie das Blut das Wasser und die Decks blutrot färbt. "Research" (Forschung) steht in großen weißen Buchstaben auf den Schiffen der japanischen Walfang-Flotte. Das Abschlachten der Meeressäuger dient angeblich der Wissenschaft.

Doch das hat nun ein Ende. Tausende Kilometer entfernt sprachen die 16 höchsten Richter der Vereinten Nationen in Den Haag ihr Urteil über den Walfang Japans. Die Jagd auf die geschützten Meeressäuger im Rahmen dieses Forschungsprogramms ist illegal, urteilten sie am Montag.

Kommerzielle Jagd seit 1986 verboten

Um Großwale vor dem Aussterben zu retten, wurde die kommerzielle Jagd 1986 verboten. Unter starkem internationalen Druck hatte damals auch Japan diesen Vertrag der Internationalen Walfangkommission unterzeichnet. Die USA hatten dem Land mit Wirtschaftssanktionen gedroht.

Doch der Artikel 8 der Konvention war für Japan ein willkommenes Schlupfloch. Denn zu Forschungszwecken dürfen die Tiere getötet werden. Unter diesem Deckmantel wurden seit 1988 über 10.000 Großwale von Japan getötet. Das Fleisch wurde auf einem Fabrik-Schiff auf hoher See verarbeitet und landete später in Supermärkten und Restaurants als Sushi oder Luxus-Häppchen zum Reiswein.

Japan hat das Recht, Wale zu Forschungszwecken zu töten, erklärte auch der Internationale Gerichtshof. Doch sein Forschungsprogramm Jarpa II entsprach in keinster Weise wissenschaftlichen Kriterien. Die Fangquoten von rund 1000 Tieren im Jahr waren angesichts der Ziele "unverhältnismäßig hoch". Japan hatte auch gar nicht erst untersucht, ob man auch ohne Harpunen die Lebensbedingungen der Säuger erforschen konnte. Töten war billiger, hatten die Juristen im Auftrag Tokios zugegeben. Außerdem waren die Forschungsergebnisse mehr als mager.

Großer Sieg für Tierschützer

Das Urteil ist ein großer Sieg für den Kläger Australien und Tierschützer. Japan ist zutiefst enttäuscht, will sich aber dem Urteil beugen.

Der Spruch kann das Ende des japanischen Walfangs einläuten. Das Urteil bezieht sich zwar nur auf das Südpolarmeer. Doch aus diesem antarktischen Gewässer bezog Japan den größten Teil seines Fleisches. Auch das Ausweichen auf andere Jagdgebiete, etwa im Norden, wird die Lage nicht ändern. Denn die Konvention und damit das Jagdverbot gilt auch dort.

Das Urteil lässt Japan aber einen anderen Ausweg. Es kann sein Forschungsprogramm so anpassen, dass es wissenschaftlichen und juristischen Kriterien genügt. Doch dann müssen sicher die hohe Quoten von bis zu 1000 Tieren pro Jahr aufgegeben werden. Darin war das Urteil unmissverständlich.

Verkauf von Walfleisch geht deutlich zurück

Doch wenn weniger Walfleisch verkauft werden kann, werden auch die jährlichen Expeditionen für die Staatskasse sehr kostspielig und die Delikatesse für Konsumenten unerschwinglich.

Japan betont gerne, dass die Jagd und das Essen von Walfleisch zur japanischen Kultur gehören. Doch auch das scheint sich deutlich zu ändern. Nach Angaben des Fischereiministeriums geht der Verkauf von Wal deutlich zurück. Die Kühlhäuser liegen voll. Das Ende der großen Jagd von Japan auf die Großwale scheint nahe.

Von Annette Birschel, DPA / DPA