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Nach Störfall in Uranfabrik: Proteste gegen Atompolitik der schwarz-gelben Regierung

Nach dem Zwischenfall in der Urananreicherungsanlage Gronau (UAG) wächst der Protest gegen die Atompolitik der schwarz-gelben Regierung: An mehreren Orten mit Atomanlagen zogen nach Angaben von Umweltschützern am Wochenende hunderte Menschen auf die Straße.

Nach dem Zwischenfall in der Urananreicherungsanlage Gronau (UAG) wächst der Protest gegen die Atompolitik der schwarz-gelben Regierung: An mehreren Orten mit Atomanlagen zogen nach Angaben von Umweltschützern am Wochenende hunderte Menschen auf die Straße. Die Bundesregierung wies einen Bericht des "Spiegels" zurück, wonach die Regierung angeblich vorerst alle 17 Atommeiler am Netz halten will.

Nach Angaben des Bündnisses Münsterland gegen Atomanlagen demonstrierten am Samstag Anti-Atomkraft-Initiativen und Umweltverbände aus Nordrhein-Westfalen gegen neue Atommülltransporte. In Duisburg versammelten sich demnach etwa 200 Menschen vor der Atommüll-Konditionierungsanlage in Wanheim, in Jülich zogen 150 Menschen zum Haupttor des Forschungszentrums. Von dort sollen ab dem Frühjahr 152 Castor-Behälter mit hochradioaktivem Atommüll in das Zwischenlager in Ahaus rollen. Am Sonntagnachmittag waren weitere Kundgebungen im Endlager Gorleben und in Gronau geplant.

In der Uranfabrik in Gronau war am Donnerstag radioaktives Uranhexafluorid freigesetzt worden. Ein Arbeiter wurde bei dem Vorfall verstrahlt. Umweltschützer äußerten sich empört über Berichte, nach denen im Urin des Betroffenen Uran gefunden wurde. Dies deute auf eine "wesentlich schlimmere Kontamination" hin, als bisher zugegeben wurde, erklärte Willi Hesters vom Aktionsbündnis Münsterland. Die Staatsanwaltschaft müsse ermitteln, ob der Anlagenbetreiber Urenco seine Mitarbeiter angemessen geschützt habe.

Die Bundesregierung wies derweil Berichte zurück, nach denen die 17 deutschen Atommeiler vorerst alle am Netz bleiben sollen. Über die im Koalitionsvertrag vorgesehene Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken (AKW) sei auch bei der Sitzung mit Energieversorgern am Donnerstag keine Entscheidung gefallen, stellte ein Regierungssprecher klar.

Laut "Spiegel" sollen auch die alten Meiler Neckarwestheim 1 und Biblis A, die nach dem rot-grünen Atomkonsens bald abgeschaltet werden müssten, so lange weiterbetrieben werden, bis sich die schwarz-gelbe Regierung auf ein neues Energiekonzept verständigt habe. Dieses dürfe bis Oktober vorliegen. Um die Kraftwerke weiterlaufen zu lassen, sollen die Energiekonzerne laut "Spiegel" nicht verbrauchte Stromkontingente von anderen Anlagen auf Neckarwestheim und Biblis übertragen dürfen. Der Regierungssprecher verwies darauf, bereits nach geltendem Recht könnten Reststrommengen unter bestimmten Bedingungen übertragen werden, ohne dass es der Genehmigung der Bundesregierung bedürfe.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel warf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor, sie wolle das Thema durch "Tricksen und Täuschen" verstecken. "Aber die schmutzigen Deals sind in Wahrheit alle schon gemacht: Die alten AKWs laufen weiter, die Atomlobby verdient Milliarden und ein paar hundert Millionen landen als Brosamen bei der Regierung". Der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, Thorsten Schäfer-Gümbel, erklärte zu dem "Spiegel"-Bericht, die Regierung mache sich "zum Handlager der Atomindustrie".

Nach einem Bericht des "Focus" streitet die Koalition um die Dauer der Laufzeitverlängerung: Während Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) diese auf acht Jahre begrenzen wolle, wolle Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) auch die Varianten 15 bis 20 Jahre prüfen, berichtete das Magazin.

AFP / AFP