Organisierte Kriminalität
Großrazzia gegen "Schutzgeld"-Bande – Neun Männer gefasst

Die Polizei in Berlin geht mit einer Razzia gegen illegalen Waffenbesitz und Bandenkriminalität vor. Foto: Fabian Sommer/dpa
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Spezialeinheiten aus anderen Bundesländern rückten zur Unterstützung für eine Großrazzia in Berlin an. Am frühen Morgen stürmten sie zahlreiche Wohnungen. Mehrere mutmaßliche Täter wurden gefasst.

Seit mehr als einem Jahr schießen in Berlin meist unbekannte Täter auf Geschäfte, Restaurants und auch Menschen - nun ist dem Landeskriminalamt (LKA) ein wichtiger Schlag gegen eine mutmaßliche Bande von sogenannten Schutzgeld-Erpressern gelungen. Rund 570 Polizisten, darunter Spezialeinheiten, durchsuchten ab dem frühen Morgen 28 Wohnungen und andere Räume, wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten.

Neun verdächtige Männer im Alter von 23 bis 63 Jahren wurden festgenommen. Gegen fünf von ihnen lagen Haftbefehle vor. Unter anderem geht es um den Vorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Sie werden einem Richter vorgeführt. Die Polizei beschlagnahmte Drogen, Bargeld, eine Schusswaffe, Schusswaffenteile, Schreckschusswaffen, zwei Autos sowie Datenträger und Handys. 

SEK und GSG 9 beteiligt

"Es wird angenommen, dass die Gruppierung für eine Vielzahl von Erpressungslagen mit Schussabgaben in der vergangenen Zeit verantwortlich ist", teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit. Vorausgegangen waren intensive Ermittlungen der extra gegen organisierte Kriminalität und illegalen Waffenhandel eingerichteten Ermittlungseinheit "Ferrum" ("Eisen") im LKA

An den Durchsuchungen unter anderem in Neukölln und Kreuzberg waren auch Spezialeinsatzkommandos (SEK) aus Berlin, anderen Bundesländern und die GSG 9 der Bundespolizei beteiligt, außerdem Polizei aus Brandenburg und Sachsen-Anhalt, Einheiten zur Beweissicherung und für Festnahmen, Hundeführer, Finanzermittler sowie Spezialisten für digitale Beweissicherung.

Polizeipräsidentin: Wichtiger Tag für Strafverfolgung

Polizeipräsidentin Barbara Slowik erklärte: "Wir setzen alles daran, diese Täterstrukturen aufzudecken und der Strafverfolgung zuzuführen. Heute war ein wichtiger Tag. Wir werden gegen derartige Strukturen auch künftig konsequent vorgehen." 

2025 zählte die Berliner Polizei 1.119 Fälle von Schusswaffengebrauch, etwas mehr als die Hälfte waren Drohungen, in 515 Fällen wurde geschossen. Das waren insgesamt 68 Prozent mehr Straftaten, bei denen mit Waffen gedroht oder geschossen wurde, als im Vorjahr 2024. 

Die Polizei ordnete viele Taten der organisierten Kriminalität zu. Oft handelt es sich demnach um Erpressungen von Geschäftsleuten sowie Revierkämpfe und Auseinandersetzungen. Vor allem türkische und kurdische Ladeninhaber und Restaurantbesitzer wurden bedroht, Täter schossen auf Scheiben und Fassaden. In manchen Fällen wurden Männer in die Beine geschossen - im kriminellen Milieu gilt das als Warnung, wenn nicht gezahlt wird. 

Innensenatorin: Einsatz über Monate vorbereitet

Innensenatorin Iris Spranger (SPD) betonte, die Sondereinheit "Ferrum" habe den Einsatz "über Monate hinweg mit hoher Intensität vorbereitet und vorangetrieben". Die Polizei halte den Ermittlungsdruck zur Bekämpfung der Schusswaffenkriminalität weiterhin aufrecht. "Wer mit Waffen unsere Straßen unsicher macht, bekommt die volle Härte des Rechtsstaats zu spüren." 

Auch Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) kündigte an, die kriminellen Strukturen weiter gezielt zu bekämpfen. Die Staatsanwaltschaft hatte ebenfalls eine spezielle Ermittlungsgruppe "Telum" (lateinisch für "Angriffswaffe") eingesetzt. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte, die Polizei müsse für eine erfolgreiche Aufklärung mehr Möglichkeiten erhalten, effektiv Handys von Verdächtigen abzuhören, Daten zu speichern und mit moderner Software auszuwerten.

dpa

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