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Attentat auf Alois Mannichl: Passau und die braunen Schatten

Das ostbayerische Passau wird seinen Ruf nicht los, eine Hochburg der Rechten zu sein. Dabei haben Stadt und Bürger den Neonazis zuletzt mutig die Stirn geboten und sie aus dem Zentrum vertrieben. Der Anschlag auf Polizeichef Alois Mannichl könnte nun ein Klima der Angst verbreiten. Das Psychogramm eines Ortes.

Passau. Passau. Immer wieder Passau. Die ostbayerische Stadt mit den drei Flüssen, sie wird ihren Ruf einfach nicht los. Für den politischen Aschermittwoch der CSU steht die Stadt, für deftige, derbe, bisweilen brutale Rhetorik. Für bissige Kabarettisten steht sie, für Sigi Zimmerschied und Bruno Jonas. Und Passau, diesen Ruf wird die Region einfach nicht los, steht für eine Kultur, in der rechtsextremes, ewiggestriges Gedankengut besser gedeihen kann als anderswo.

1990 war es Michael Verhoevens grandioser, aufrüttelnder Film "Das schreckliche Mädchen", das den schlechten Leumund der Stadt weltweit verbreitete. Verhoeven zeichnete nach, wie die Abiturientin Anna Rosmus (heute: Rosmus-Wenninger) in den 80er Jahren in Passau behindert, bespuckt und bedroht wurde, als sie versuchte, die Gräueltaten der Nazis in ihrer Heimatstadt nachzuzeichnen. Sogar für einen Oscar war der Film nominiert. Aber damit nicht genug. Seit den 70er Jahren war die Passauer Nibelungenhalle immer wieder Versammlungsort für publikumswirksame Aufmärsche rechter Parteien, der Deutschen Volksunion (DVU), der NPD.

Für das Image der Stadt war das ein Desaster. Und es wurde nicht besser. "Passau ist braun", noch 2001 überschrieb der "Spiegel" einen Artikel mit diesem Zitat. Und jetzt also, im Dezember 2008, die feige Messerattacke, mutmaßlich eines Neonazis, an einem Aufrechten, am Passauer Polizeichef Alois Mannichl. Dass der Anschlag in Fürstenzell, einem Vorort, verübt wurde, kann nicht verhindern, dass Passau wieder in den Ruch gerät, eine Hochburg der Braunen zu sein.

Konsequente Politik gegen die Rechten

Dabei verdeckt der Ruf Passaus, dass sich in der Stadt in den vergangenen Jahren einiges bewegt hat, dass sich vieles verändert hat. "Kaum eine bayerische Stadt ist so bunt wie unsere. In keinem anderen Ort sind so viele unterschiedliche Gruppierungen im Stadtrat vertreten wie in Passau", versichert Boris Burkert von den Grünen und ergänzt: "Und es ist kein einziger Rechter dabei."

Burkert ist vor rund 20 Jahren aus dem Norden ins bayerisch-österrreichische Grenzland gezogen. Seit den Zeiten, als Anna Rosmus-Wenninger an der Recherche im Stadtarchiv gehindert worden sei, sagte Burkert, sei viel passiert. Den großen Ruck habe es zu Beginn der 90er Jahre gegeben, als auch die letzten Beamten mit brauner Vergangenheit endlich in Pension waren. Mit Willi Schmöller sei damals ein Mann aus der SPD an die Stadtspitze gewählt worden, der sich offen und konsequent gegen rechte Umtriebe zur Wehr gesetzt habe. Diese konsequente Politik gegen Rechts sei auch in den letzten Jahren unter dem heuer abgewählten CSU-Mann Albert Zankl fortgesetzt worden. Zankel war es auch, der der rechten Szene 2004 mit dem Abriss der Nibelungenhalle die letzte Wallfahrtsstätte nahm.

In Zankls Zeit gelang auch der Schulterschluss der sonst schwer zu einenden Passauer Gastronomen. Die Wirte beschlossen, rechten Gruppierungen keine Räumlichkeiten mehr zur Verfügung zu stellen. Sie ließen den Neonazis schlicht keinen Raum. Auch das war ein deutliches Zeichen. Einen Ausrutscher leistete sich seither nur der Pächter eines Lokals, als er im Januar 2007 sein Lokal für eine "Reichsgründungsfeier" mit NPD-Mitgliedern zur Verfügung stellte - und dafür herbe Kritik erntete. Abgesehen von diesem einmaligen Faux Pas gab es in den Passauer Gaststätten und deren Hinterzimmern jedoch keine rechtsgerichteten Versammlungen mehr. Die rechte Szene, die oft auch mit österreichischen Rechtsextremen Kontakt hält, musste ausweichen, in das Umland, nach Pocking, nach Ruhstorf, Vilshofen, nach Oberösterreich - oder eben nach Fürstenzell, den Wohnort Mannichls. Aber auch dort, behauptet Fürstenzells Bürgermeister Franz Lehner, hätten zwei Gastwirte die NPD-Clique abgelehnt, bevor sie in "Traudls Café" Unterschlupf für ihre Treffen gefunden hätte. Seither hätten sich dort jeden Monat rund zwei Dutzend NPD-Anhänger getroffen, so Lehner.

Solidaritätskundgebung für Mannichl

Nicht zuletzt steht auch das konsequente Eintreten der Polizei, geführt von Mannichl, gegen die Rechten für das geänderte Klima in Passau - und für eine mutige Bürgerschaft, die den Neonazis die Stirn bietet. Vor ein paar Wochen hatte das sogar der Publizist und Holocaust-Überlebende Ralph Giordano gewürdigt. Bei der Passauer Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Reichspogromnacht hatte er die Entwicklung Passaus gelobt: "Der Name ihrer Stadt gibt mir Hoffnung", hatte Giordano gesagt. Und dennoch findet Grünen-Lokalpolitiker Burkert, dass all die Erfolge Passaus zu wenig Beachtung fanden. "Trotz allem wird die Stadt immer wieder mit den Rechten in Verbindung gebracht", sagt er.

Auch jetzt, nach dem Angriff auf Alois Mannichl, gingen einige Passauer sofort auf die Straße, versuchten, das Image der Stadt zu korrigieren. Ein Student und das vor zwei Jahren gegründete Bündnis "Runder Tisch gegen Rechts" organisierten am Montag einen Solidaritätsmarsch für das Anschlagsopfer. 350 Demonstranten, darunter viele Studenten und Lokalpolitiker, zogen durch die Altstadt. Sprüche wie "Nazis Stinken", "Schöner leben ohne Nazis" oder "Nazis - nein danke!" waren auf Plakaten zu lesen. Der Bischof, vor dessen Residenz die Demonstration endete, blieb dem Umzug zwar fern, aber der Geistliche ließ immerhin wissen, dass sich Mannichl "im Gebet begleitet wissen" dürfe.

Auch in Fürstenzell, dem Ort des Anschlags, hat man die Neonazis nicht ungehindert handeln lassen. Auch hier hat man sich gegen die unerwünschten Gäste gewehrt. Zweimal, im Januar und im März, haben sie auf dem Marktplatz gegen Extremismus - linken und rechten - demonstriert, auch dem Passauer "Runden Tisch gegen Rechts" hat sich die Marktgemeinde angeschlossen. Hunderte Menschen sind bei den Veranstaltungen mitgelaufen, der katholische und der evangelische Pfarrer haben für Frieden und Demokratie gebetet. Mannichl, der Passauer Polizeichef, ist dabei immer in erster Reihe marschiert. Der Fürstenzeller Dönerbuden-Besitzer mit Migrationshintergrund sagt, er habe noch keinerlei Probleme mit Rechten gehabt, in dem Ort gehe man immer freundlich mit ihm um. Und am Dienstag will der Marktgemeinderat darüber beraten, eine Lichterkette anzuregen. "Wir wollen zeigen, dass wir gegen solche Übergriffe sind, egal von wem und gegen wen", sagt Bürgermeister Lehner.

Anrufe vom angeblichen NPD-Religionsbeauftragten

Dabei ist der Mut, sich offen mit den Rechten auseinandersetzen, nicht allerorts zu spüren. Ernst Fuchs, Vize-Chefredakteur der "Passauer Neuen Presse", der örtlichen Zeitung, warnte am Montag in einem Kommentar, der Anschlag auf Mannichl sei "teuflisch dazu geeignet, ein Klima der Angst zu erzeugen, nach der widerwärtigen Devise, wer sich gegen Rechtsextremismus erhebt, dem kann schnell was passieren". Und Fuchs könnte recht haben. Denn Meinungen und Einschätzungen von Passanten und Bürgern erhält man als Journalist in Passau derzeit viele, das ja. Aber eine namentliche Erwähnung, in der Öffentlichkeit, das ist vielen zu prekär. "Man weiß ja nie, wer das einmal liest", werben sie um Verständnis. Und selbst bei den Organisatoren des Solidaritätsmarsches scheint mancher Angst vor der eigenen Courage zu habe. "Wenn Sie mich zitieren, schreiben sie bitte nur den Anfangsbuchstaben meines Namens", sagt einer, um dann hinzuzufügen: "Nicht dass ich persönlich Angst hätte. Aber ich wohne bei meiner Mutter, und die flippt aus, wenn sie meinen Namen irgendwo liest." Ihren Namen nicht lesen will auch eine Vertreterin des Rathauses. Sie sei nicht die Pressesprecherin, sagt sie. Und wolle niemandem ins Handwerk pfuschen. Mit Angst habe das freilich nichts zu tun, versichert sie. "Denn wenn wir wieder Angst haben müssten, dann wäre es schon zu spät."

Eine bemerkenswerte Geschichte kann in diesem Zusammenhang auch der Fürstenzeller Pastor Andreas Schmidt erzählen. Ein paar Tage nach der Demonstration gegen Extremismus sei er von einem Mann angerufen worden, der sich als Religionsbeauftragter der NPD ausgegeben habe, berichtet er. "Er hat mir gesagt, dass ich das christliche Abendland verraten habe." Ernst genommen habe er die Kritik nicht, sagt Schmidt. Die mehrmaligen Anrufe, die auch von einem Brief begleitet worden seien, seien ihm eher lästig gewesen. Der vergangene Samstag habe etwas verändert. Zwar wolle er sein Verhalten keinesfalls ändern - aber "beängstigend" sei der Angriff auf Mannichl schon.

Von Robert Pfiffer, Christian Gressner und Florian Güßgen
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(