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Tierschützer schlagen Alarm : Geparden als Haustiere: Neuer Trend bei den Superreichen droht eine ganze Art auszurotten

Nur noch 7500 Geparden leben in der afrikanischen Wildnis. Ein Trend unter Superreichen bedroht die ganze Art: Als Statussymbol werden die Raubkatzen als Haustiere gehalten. Für Geparden eine Qual, die den Tod bedeutet. 

Meistens werden Geparden als Jungtiere ihren Müttern entrissen und über Somaliland verschleppt 

Meistens werden Geparden als Jungtiere ihren Müttern entrissen und über Somaliland verschleppt 

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Die Sucht nach immer neuen und ausgefalleneren Besitztümern unter den Superreichen droht eine ganze Tierart auszurotten. Seit einiger Zeit beobachten Tierschützer einen wachsenden Markt für illegal gefangene Geparden. Nach Angaben der Organisation Cheetah Conservation Fund (CCF) werden jedes Jahr bis zu 300 Jungtiere allein über Somaliland verschleppt, eine autonomen Region Somalias. Eine erschreckende Zahl. Leben doch in 25 afrikanischen Staaten nur noch etwa 7500 Geparden in der freien Wildbahn. 

Der Trend nehme "epidemische Ausmaße" an, warnt der CCF in einem Gespräch mit dem US-Sender CNN. Bei den derzeitigen Zahlen könnte die Gepardenpopulation in der Region bald ausgerottet sein. "Wenn man auch nur ein bisschen Mathematik beherrscht, sieht man, dass es nur noch wenige Jahre dauern wird, bis wir keine Geparden mehr haben", sagte die Gründerin der Organisation und Biologin Laurie Marker.

Durch das Somaliland verläuft nach Erkenntnissen von CCF eine der wichtigsten Schmugglerrouten für den Handel mit Geparden. Die Tiere werden über die Grenze gebracht, in Kisten oder Pappkartons auf Boote verladen und über den Golf von Aden verschifft. Die meisten von ihnen landen auf der Arabischen Halbinsel.

Käufer protzen auf Social Media

Nach Schätzungen von CCF werden in den Golfstaaten an die 1000 Geparden in Privatbesitz gehalten. Obwohl viele dieser Staaten - darunter die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien - den Besitz und den Verkauf von Wildtieren verbieten, werden die Gesetzte nicht eingehalten. Als Statussymbol der Superreichen werden die Tiere zur Schau gestellt und in Social-Media-Posts vorgeführt. 

Einige Beiträge zeigen Geparden, die auf Luxusautos sitzen. Auf anderen ist zu sehen, wie die Tiere mit Eis und Lutschern zwangsernährt oder in Pools geschubst werden. Ein Video zeigt sogar, wie ein Gepard enthauptet wird. 

Doch die Tierquälerei beginnt bereits beim Transport. Nach Angaben von CCF sterben drei von vier Geparden während der Reise zu ihrem Käufer. Diejenigen, die ihr Ziel erreichen, leben ebenfalls nicht lange. Die Mehrheit stirbt innerhalb von ein oder zwei Jahren, erzählten die Experten gegenüber CNN. "Diese Menschen, die Geparden als Haustiere halten, lassen die Art aussterben", sagte Marker.

"Die Gefangenschaft bedeutet für Geparden den Tod"

Tierärzte in den Golfstaaten bestätigten diese Berichte. "Die Gefangenschaft ist für Geparden eine Qual", sagte ein Tierarzt CNN. In den letzten fünf Jahren habe er selbst Dutzende von Geparden behandelt. Viele von ihnen hätten nicht überlebt. "Die Gefangenschaft bedeutet für Geparden den Tod", sagte ein anderer Arzt. 

Konfrontiert mit den Vorwürfen, hat das Umweltministerium der Vereinigten Arabischen Emirate jedoch bestritten, dass Geparden in Privathäusern des Landes gefangen gehalten werden. Die selbst zur Schau gestellten Posts der Besitzer in den sozialen Netzwerken strafen die Behörde jedoch Lügen. 

6000 für einen Geparden 

Wie einfach es ist, einen Geparden illegal zu kaufen, hat CNN selbst erfahren. Bei einer einfachen Google-Suche stieß der Sender auf einen saudischen Online-Marktplatz, auf dem ein in Riad ansässiger Händler Geparden und Löwen anbietet. "Was für Geparden Sie auch immer wollen, wir werden sie importieren. Ob männliche oder weibliche. Das ist kein Problem", sagte der Händler zu CNN während eines Telefongesprächs. Der Mann gab an, bereits mehr als 80 Geparden in das Königreich geschmuggelt zu haben. Gerade seien die Tiere "ausverkauft". Aber er könne innerhalb von 25 Tagen einen Geparden "liefern". Er könne ein Jungtier im Alter von zwei oder drei Monaten oder auch einen ausgewachsenen Geparden besorgen. Für Preise ab 25.000 Saudi-Rial (etwa 6000 Euro) sei alles möglich. Andere Verkäufer hätten CNN Geparden für 10.000 Dollar angeboten, berichtet der Sender. 

Die Behörden in Somaliland versuchen den Handel mit Wildtieren einzudämmen. Doch um das Problem in den Griff zu bekommen, müsse man die Quelle beseitigen, sagte Umweltministerin Shukri Haji Ismail Bandare. "Wir müssen die Nachfrage aus den arabischen Ländern stoppen", sagte sie gegenüber CNN.


ivi / tkr