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Presseschau

Urteil in Freiburg: "Der Fall Hussein K. offenbart die ganze Abgründigkeit der deutschen Flüchtlingspolitik"

Hussein K. hat wegen Mordes an der Studentin Maria L. die Höchststrafe bekommen. Das Landgericht Freiburg machte klar: Nicht die Flüchtlingspolitik, ein Mensch saß auf der Anklagebank. So bewertet die Presse das Urteil.

Chronik eines grausamen Mordfalls: Wie Hussein K. nach Deutschland kam - und zum Mörder wurde

Härter konnte das Gericht Hussein K. nicht bestrafen: Wegen Mordes an der Studentin Maria L. verurteilte ihn das Landgericht  zu lebenslanger Haft, stellte die besondere Schwere der Schuld fest und behielt sich die Sicherungsverwahrung vor. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Flüchtling die 19-Jährige nachts auf einem Radweg an der Dreisam würgte, bis sie bewusstlos war, sie vergewaltigte und danach bewusst in den Fluss legte, wo sie ertrank. Der Mord vor knapp eineinhalb Jahren bewegte ganz Deutschland und verschärfte den Ton in der Debatte um die Flüchtlingspolitik - und auch das Urteil fand in der Presse ein großes Echo:

"Berliner Zeitung"

Mit diesem Urteil wird eine verabscheuungswürdige Tat geahndet, die vor fast anderthalb Jahren bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Ein Grund dafür war, dass der Täter Hussein K. ein Asylbewerber aus Afghanistan ist. Und deswegen wurde der Mord an der Studentin Maria L. in Teilen der Öffentlichkeit auch als Beleg für die gescheiterte Integration der Flüchtlinge in Deutschland gewertet. (...) Doch in Freiburg wurde nicht der in Deutschland der Prozess gemacht. Es standen nicht die - vielleicht manchmal zu gutgläubigen - Helfer vor Gericht, die versuchen, die hier Ankommenden zu unterstützen. Vor den Richtern stand ein vermutlich 22 bis 26 Jahre alter Mann, der alleine Schuld trägt an der grausamen Tat.

"Passauer Neue Presse"

Vom Landgericht Freiburg wurde ausschließlich das Mehrfach-Verbrechen eines individuellen Täters bewertet. Dessen Nationalität hatte bei der Urteilsfindung keine Rolle zu spielen. Jenseits der Tat und des Urteils offenbart der Fall Hussein K. aber dann doch die ganze Abgründigkeit der deutschen Flüchtlingspolitik. Willkommenskultur erwies sich hier als Blauäugigkeit - bei einer so hilfsbereiten wie bedauernswerten Pflegefamilie, bei Behörden, die dem Lügner sein falsches jugendliches Alter glaubten und von seinem kriminellen Vorleben keinen Schimmer hatten. Hussein K. liefert dem Vorwurf des Staatsversagens reichlich Nahrung. Trotzdem gilt: Nicht der Staat hat die Studentin Maria L. getötet, sondern ein menschenverachtender, mörderischer Einzelner.

"Badische Neueste Nachrichten"

Ein wirklicher Trost dürfte das Urteil für die Eltern der jungen Studentin aus nicht sein. Doch es zeigt, dass das Freiburger Gericht trotz der politischen Debatte des Falls bis zum Schluss geradlinig geblieben ist.

"Süddeutsche Zeitung"

Das Strafgericht hat getan, was es tun konnte. Es hat das Verbrechen aufgeklärt und den Verbrecher abgeurteilt. Es hat sich nicht treiben lassen von einer öffentlichen Stimmung, die so getan hat, als müsse nicht nur der Angeklagte, sondern mit ihm die Flüchtlingspolitik vor Gericht stehen. Das Gericht hat den Täter verurteilt. Es hat die höchste Sanktion ausgesprochen, die das deutsche Recht kennt: lebenslange Freiheitsstrafe und Sicherungsverwahrung. Eine andere Strafe konnte es nicht geben. Diese Strafe ist kein Trost. Aber es ist tröstlich, dass ein Gericht richtet und nicht agitiert.

"Rhein-Neckar-Zeitung"

Das Urteil (...) erscheint angemessen. Nicht, weil es die politische Stimmung im Land beruhigt, sondern weil hier jemand vor Gericht stand, dessen Empathielosigkeit schlicht schockierend ist. (..) Ein harter Richterspruch macht die Tote nicht mehr lebendig, aber er gibt zum Beispiel den Eltern der Ermordeten das Gefühl, dass der Staat Gerechtigkeit walten lässt. Der im Gerichtssaal aufkommende (und natürlich streng genommen falsche) Applaus bestärkt diesen Eindruck. Dass darüber hinaus auch gesellschaftlich eine beruhigende Wirkung zu spüren ist, gehört im Übrigen zu den gewollten Effekten der Rechtsprechung. Es geht auch darum, dass die Allgemeinheit die als gerecht empfindet. Nur darf dieser Umstand eben nicht allein ausschlaggebend sein.

"Die Welt"

Was Hussein K. der 19-jährigen Maria L. angetan hat, ehe er sie ertränkte, ließ eine mildere Sanktion nicht zu. Ein Grund, aufzuatmen. Denn damit widerlegte das Gericht all jene, die schon zu wissen meinten, der angeklagte Afghane werde sicher wieder billig davonkommen, wie angeblich so viele andere Straftäter auch. 

"Stuttgarter Nachrichten"

Das Urteil ist gefallen, dennoch bleiben Fragen offen. Sie sind nicht im Rahmen eines Strafprozesses zu klären, sondern betreffen den politischen Bereich. Wieso hat die europäische Zusammenarbeit in diesem Fall so schlecht geklappt? Allzu schnell wurde die Verantwortung für das Fiasko den Griechen zugeschoben. In die europaweit zugängliche Eurodac-Datei hatten die Griechen seine Fingerabdrücke eingestellt. Warum die deutschen Behörden darauf nicht zurückgriffen, ist bis heute ungeklärt. Hat es mit dem viel zitierten Kontrollverlust während der Flüchtlingskrise zu tun? Vermutlich hätte eine Vermeidung der Versäumnisse das Verbrechen nicht verhindert. Dennoch wäre es Zeit, die Arbeit der Behörden genauer unter die Lupe zu nehmen.

"Reutlinger General-Anzeiger"

Die Justiz hat entschieden. Für sie ist der Fall - abgesehen von der Revision - erledigt. Für die Politik hingegen noch nicht. Sie muss noch erklären, weshalb die grenzüberschreitende Zusammenarbeit von Behörden nicht klappt. Und Straftäter aufgrund von Fingerabdrücken nicht als solche in Empfang genommen werden können. Immerhin hatte Hussein K. wegen versuchten schon in Griechenland im Gefängnis gesessen. Die Politik muss auch Antworten finden auf die Frage, die in Freiburg aufgeworfen wurde: Wie funktioniert Altersfeststellung bei Straftätern ohne Pass, die angeben, minderjährig zu sein, um nach Jugend- statt Erwachsenenstrafrecht verurteilt zu werden.

"Frankfurter Allgemeine Zeitung"

Hussein K. ist zu lebenslanger Haft verurteilt worden, weil er eine Studentin vom Fahrrad riss, würgte, vergewaltigte und ertränkte.
Das Landgericht Freiburg stellte angesichts des brutalen Vorgehens und eines früheren Mordversuchs (...) zudem eine besondere Schwere der Schuld fest und macht eine spätere Sicherungsverwahrung möglich. (...) Die Bundesregierung hat früh davor gewarnt, man werde nach solchen Gewaltverbrechen "keine Volksverhetzung" zulassen. Tatsächlich gab es unglaublicherweise sogar Ausfälle gegen die Eltern des Opfers und ihr soziales Engagement. Aber verständlich bleibt auch die Sorge zahlreicher Bürger vor einer unkontrollierten Einwanderung aus Kulturen, in denen noch archaischen Vorstellungen verbreitet sind. Die Justiz hat in erster Instanz ein Urteil gesprochen. Mehr kann sie nicht tun. (...)

Chronik eines grausamen Mordfalls: Wie Hussein K. nach Deutschland kam - und zum Mörder wurde

"Augsburger Allgemeine"

Der Prozess hat nicht nur gezeigt, dass unser Rechtsstaat funktioniert und wehrhaft ist. Er trägt hoffentlich auch zu einer Versachlichung in der Flüchtlingsdebatte bei. Kaum war das Urteil gefallen, brach sich der Hass wieder Bahn: Mancher Internetnutzer forderte die Todesstrafe. Dies aber zeugt von blanker Hysterie und vertieft die Gräben, die sich in den letzten Jahren aufgetan haben. Hussein K. erhielt die höchste Strafe, die das deutsche Strafrecht vorsieht. Das ist ein klares Signal und wirkt im besten Fall abschreckend.

"Südwest Presse"

Wie kann man verhindern, dass die Integration wirklich schutzbedürftiger Flüchtlinge unter dem Fall leidet - und das Thema die Gesellschaft weiter spaltet? Eine kleine, große Antwort haben die Eltern des Opfers gegeben: Kurz vor dem Urteil gründeten sie eine Stiftung im Namen ihrer Tochter. Sie soll auch ausländische Medizin-Studenten in Freiburg unterstützen. Ein Signal der Weltoffenheit trotz großen Leids, die Idee einer besseren Gesellschaft statt blinden Hasses: Dafür steht Maria L., das Opfer, nun vorbildhaft mit ihrem Namen: Maria Ladenburger.

"Frankfurter Rundschau"

Um eine häufig gestellte Frage zu wiederholen: Was ist mit den Eltern und Geschwistern, die ja mit zu Opfern wurden? Müssten sie nicht in ihrer Verzweiflung der AfD, den "Identitären" und anderen folgen, die den Fall von Anfang an zum Werkzeug ihrer Propaganda gegen Geflüchtete gemacht haben? Wenige Wochen nach der Tat fragte Martin Sellner, eine Führungsfigur der Identitären: "Ob es wohl eine Maria-Ladenburger-Stiftung gegen Migrantengewalt geben wird?" Marias Eltern haben jetzt ihre Antwort gegeben: Sie haben tatsächlich eine Maria-Ladenburger-Stiftung gegründet. Die soll allerdings nicht hetzen, sondern helfen - etwa bei der von Zugewanderten an der Universität. Ein Hoffnungszeichen anstelle des Hasses: Wenn die Hetzer ein Gewissen hätten, würden sie wenigstens von jetzt an schweigen.

mad / DPA / AFP