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stern-Gespräch

Gerichtsgutachterin Sigrun Roßmanith: Wenn Frauen töten

Seit 20 Jahren ergründet Sigrun Roßmanith das Seelenleben von Mörderinnen. Sie ist eine der bekanntesten Gerichtsgutachterinnen Österreichs. Ein Austausch über Beilattacken, Schlafmittel im Himbeersaft – und die dunkle Seite der weiblichen Kreativität.

Von Anette Lache

Kreative Mörderin: Die dunkle Seite der weiblichen Kreativität.

1989 gestanden vier Krankenschwestern, die "Lainzer Mordschwestern", im Krankenhaus Lainz in Wien mehrere "lästige" Patienten umgebracht zu haben. Allein oder gemeinsam, mit Schlafmitteln, Insulin oder einer tödlichen "Mundpflege", bei der den Patienten mit einem Spatel die Zunge niedergedrückt wurde, um ihnen dann so lange Wasser einzuflößen, bis sie erstickten. Eine der beiden Hauptangeklagten wurde wegen 15-fachen vollendeten und 17-fachen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Die zweite erhielt ebenfalls lebenslang, wegen fünffachen Mordes und zwei Versuchen. Die beiden anderen Angeklagten wurden zu 20 und 15 Jahren Haft verurteilt.

Frau Roßmanith, morden Frauen anders als Männer?
Das tun sie. Sie töten einfallsreicher und geduldiger, machen ihre körperliche Unterlegenheit durch ausgeklügelte Vorgehensweisen wett. Sie sind, salopp gesagt, die besseren, die kreativeren Mörder. Und sie gehen entschlossener vor – etwa wenn es darum geht, den eigenen Partner umzubringen.
Das klingt bedrohlich für Männer.
Die dunkle Seite von Frauen wird unterschätzt.
Frauen sind also nicht das gerühmte friedfertige Geschlecht?
Wer diese Idee von Frauen hat, sieht sie durch die rosarote Brille. Die Emanzipationsbewegung hat wesentlich zu diesem einseitigen Bild beigetragen – hier die friedfertige Frau, dort der gewalttätige Mann. Auch wenn Frauen seltener morden als Männer, sind sie ebenfalls zu brutalster Gewalt fähig. Sie sind nicht immer nur Opfer. Und sie sind ganz sicher nicht die besseren Menschen.

Die häufigsten Tatorte von Frauen sind ...
... die eigenen vier Wände. Weil sie nicht so viel Kraft haben, töten sie ihre Opfer häufig im Schlaf oder rücklings. Oder sie betäuben sie vorher mit Tabletten oder K.-o.-Tropfen.
Was sind ihre bevorzugten Mordwerkzeuge?
Haushaltsgegenstände: Fleisch- und Brotmesser, Scheren, Nagelfeilen. Schwere Aschenbecher. Stichwaffen verwenden sie doppelt so häufig wie Männer. Immer öfter entscheiden sie sich für Schusswaffen. Eine Frau, die ich begutachtet habe, hatte ihren Mann aber auch mit einer Hundeleine stranguliert.

Ihre Vorliebe für die "finsteren Ecken der Seele" entstand früh: In ihrer Kindheit hörte Dr. Sigrun Roßmanith immer sonntags in der Küche mit einem kleinen Transistorradio das Hörspiel "Wer ist der Täter?" Die Fachärztin für Psychiatrie, psychotherapeutische Medizin und Neurologie hat heute eine eigene Praxis in Wien.

Ihre Vorliebe für die "finsteren Ecken der Seele" entstand früh: In ihrer Kindheit hörte Dr. Sigrun Roßmanith immer sonntags in der Küche mit einem kleinen Transistorradio das Hörspiel "Wer ist der Täter?" Die Fachärztin für Psychiatrie, psychotherapeutische Medizin und Neurologie hat heute eine eigene Praxis in Wien.


Sie sagen, Frauen morden "kreativer". Haben Sie Beispiele?
In einem Fall schmuggelte eine Frau per Zungenkuss eine Zyankalikapsel in den Mund ihres untreuen Partners. In einem anderen hat sich eine Ehefrau mit der Geliebten ihres Mannes zusammengetan – was überhaupt die gefährlichste Konstellation ist. Die beiden beschmierten den Penis des Mannes mit ätzendem Lack und fixierten seine Hoden mit Klebstoff. Außerdem schmückten sie ihn mit Federn. Das Opfer hat schwer verletzt überlebt.
Warum macht man so etwas?
Die beiden Frauen haben ihre destruktiven Fantasien in einer Art und Weise ausgelebt, dass man von Verstümmelung und Kastration sprechen muss. 


Die Rache der Frauen ...
... ist differenziert, Frauen denken da oft komplexer als Männer. Es gibt Fälle, in denen jemand einfach zur Schusswaffe greift, um Vergeltung zu üben, wie etwa Marianne Bachmeier. Aber oft ist das Vorgehen sehr einfallsreich. Ich erinnere mich an den Fall einer Frau, die kein Geld für einen Auftragskiller hatte, aber unbedingt ihren Ehemann loswerden wollte. Sie gaukelte dem Ahnungslosen vor, sie benötige dringend eine neue Küche. Der Mann ging mit ihr zur Bank und hob das Geld für seinen eigenen Killer von seinem Konto ab.
Vor einigen Jahren spaltete eine Frau in Süddeutschland ihrem Mann mit einem Hackebeil den Kopf. Das war nur roh.
Da muss massivste Wut im Spiel gewesen sein – ansonsten hätte sie ihm Schlaftabletten in den Kaffee getan und ihn erstickt. Die Tötungshandlung zeigt immer die Handschrift der Täterin, genauso wie das Nachtatverhalten. Manchmal werden ja Leichen verstümmelt. Oder die Hände des getöteten Kindes gefaltet und Blumen hineingesteckt. Das sagt etwas über die Pathologie der Persönlichkeit, über mögliche Motive, über Gefühle.

Was sind die häufigsten Motive?
Frauen entledigen sich ihrer Ehemänner oder Lebensgefährten oftmals nach schweren Kränkungen und Demütigungen, nach Verrat, seelischen und körperlichen Misshandlungen. Die Taten haben meist eine lange Vorgeschichte. Manchmal reicht dann ein banaler Auslöser, und am Ende liegt der Mann da mit 70 Stichverletzungen. Man spricht von Übertötung. Spannung, Wut, Hass entladen sich.
Warum beenden die Frauen nicht einfach ihre kaputten Beziehungen?
Weil es meist abhängige Beziehungen sind. Und die lassen sich nicht einfach lösen. Die Frauen wissen, dass sie gehen sollten, aber sie können es nicht.
Frauen töten also, wenn sie gehen wollen und nicht gehen können. Und Männer? Töten sie, wenn sie nicht zulassen können, dass die Frau geht?
Oft ist das so. Meist war derjenige, der tötet, der Schwächere in der Beziehung.
Was empfinden Frauen, die ihren Mann getötet haben, nach der Tat?
Das ist oft widersprüchlich: Da ist einerseits eine große Erleichterung, dass sie erlöst sind von der Hölle mit diesem Partner. Andererseits betonen sie: Er war die größte Liebe meines Lebens. Nicht selten empfinden sie trotz der Erleichterung Reue. Ich habe aber auch Mörderinnen getroffen, bei denen nicht der Hauch von Schuld oder Reue zu spüren war.
In Deutschland waren laut Kriminalstatistik im vergangenen Jahr nur 13,5 Prozent der Mordverdächtigen weiblich, bei Totschlag waren es 11,2 Prozent. Auch wenn sie nicht die besseren Menschen sein mögen, töten Frauen also seltener. Was ist der Grund?
Dazu gibt es etliche Theorien, mehr aber auch nicht. Ein Grund dürfte darin liegen, dass Frauen anders mit destruktiv-aggressiven Impulsen umgehen. Sie richten ihre Aggressivität eher gegen sich selbst, neigen mehr zu Depressionen, Essstörungen, psychosomatischen Erkrankungen und Süchten. Nicht zum Alkohol, aber zu Beruhigungsmitteln. Trotzdem ist zu beobachten, dass Frauen vermehrt Gewalt nach außen tragen. Schauen Sie sich die oft extrem brutal auftretenden Mädchengangs an. Frauen sehen sich offenbar zunehmend ermuntert, ihr gefühltes Recht mit Gewalt zu reklamieren. Manche nennen das den "side effect" oder Kollateralschaden der Emanzipation. 


Männer, die töten, sind oft vorher schon aktenkundig gewesen mit Diebstählen, Körperverletzungen und anderen Delikten. Hatten die Mörderinnen, die Sie begutachtet haben, zuvor schon andere Taten begangen?
Der Großteil von ihnen war vorher nicht polizeilich in Erscheinung getreten. Allerdings haben viele in ihrer Kindheit Gewalt erlebt, waren selbst Opfer oder mussten zuschauen, wie der Vater die Mutter grün und blau geschlagen hat. Was aber nicht heißt, dass es nicht auch Mörderinnen ohne Horrorbiografie geben würde.
Umgekehrt wird ja nicht jede Frau mit Gewalterfahrungen zur Mörderin. Was macht den Unterschied?
Eigentlich hindert uns unsere Moral daran, anderen Gewalt anzutun. Aber die ist nicht bei jedem gleich stark ausgeprägt. Und es ist auch die Frage, wie viel Ressourcen jemand hat, um mit extremen Belastungen, Konflikten und Kränkungen umzugehen. Es gibt dafür den Begriff der Resilienz, der seelischen Widerstandskraft.
Und wenn die nicht ausreicht, kommen die Gedanken ...?
Mörderische Gefühle, Fantasien sind ja fast niemandem fremd. Es ist die Frage, ob daraus ein Entschluss wird. Ich habe Frauen getroffen, die diesen Entschluss in der Küche beim Kochen gefasst haben. Und wenn solche Frauen sich entschieden haben, lassen sie sich in der Regel auch nicht mehr von ihrem Vorsatz abbringen.
Die Opfer waren in diesen Fällen ahnungslos?
Warnzeichen gibt es fast nie, wenn Frauen den Plan fassen, zu töten.
Frauen können nicht nur für ihre Partner gefährlich werden, sondern manchmal auch für ihre Kinder. Haben Sie auch schon Kindsmörderinnen begutachtet?
Ja. Der ersten begegnete ich vor 20 Jahren, in einem Wiener Unfallkrankenhaus. Die junge Frau hatte ihre beiden kleinen Kinder aus dem vierten Stock eines Hauses geworfen und war hinterhergesprungen. Während die Kinder starben, überlebte sie mit einem Beckenbruch. Sie war auf ein vorbeifahrendes Autos gefallen.
Was war damals Ihre Aufgabe?
Ich sollte ihr vermitteln, dass ihre Kinder tot sind. Und dass sie es war, die sie getötet hatte. Die Frau hatte alles ausgelöscht aus ihrem Gedächtnis, und in der Klinik war ihr erzählt worden, dass ihre Kinder in einem anderen Krankenhaus lägen. Niemand hatte es fertiggebracht, ihr die Wahrheit zu sagen.
In welcher Verfassung trafen Sie die Frau an?
Ihre Augen waren wie tot, das werde ich nie vergessen. Ich habe ihr dann mit wenigen, ganz einfachen Worten vermittelt, was passiert ist. Sie sagte daraufhin einen Satz, den ich später noch oft gehört habe von Müttern, die ihre Kinder getötet haben: "Das kann nicht sein, ich kann mir doch nicht das Liebste genommen haben."
Befürchtete sie, dass ihr die Kinder weggenommen werden?
Ja, da lief ein Rosenkrieg. Und sie hatte begriffen, dass der Sorgerechtsstreit wohl nicht zu ihren Gunsten ausgehen würde.
Glaubte sie, die Kinder nach einem Selbstmord nicht allein in der Welt zurücklassen zu können?
Nein, da gab es kein altruistisches oder pseudoaltruistisches Motiv. So etwas kommt natürlich auch vor, oft stecken depressive Erkrankungen dahinter. In diesem Fall ging es aber um zwei andere Punkte. Das eine war das alte Motiv Rache. Schon Medea tötete in der griechischen Mythologie ihre Söhne, um sich an ihrem Mann zu rächen. Zum anderen war die Frau mit ihren Kindern symbiotisch verschmolzen. Sie hätte sie nie hergegeben, auch nicht im Tod.

 

Was besagt die besonders grausame Art der Tötung?
Sie zeigt die hohe Aggressivität und Destruktivität, die sich in der Mutter aufgestaut haben muss. Es ist ja ein Unterschied, ob man jemandem Schlafmittel in den Himbeersaft gibt und ihn dann mit dem Kissen erstickt oder ob man jemanden aus dem Fenster wirft. Die Bilder vom Tatort zeigten, dass die Kinder sich gewehrt haben müssen.
Lebt die Täterin noch?
Nein, sie hat sich vor Prozessbeginn das Leben genommen. Sehr viele Mütter, die ihre Kinder getötet haben, bringen sich innerhalb der darauffolgenden zwei Jahre um.
Kann man es überhaupt aushalten, seine Kinder getötet zu haben? Eine Mutter, die ihre drei Kinder umgebracht hat und deshalb in Landshut vor Gericht stand, sagte, ihre eigentliche Strafe sei, nun für immer mit ihrer Tat leben zu müssen.
Ingeborg Bachmann hat sinngemäß mal gesagt: Unsere Kraft ist immer größer als unser Unglück. Ich glaube, man kann damit weiterleben, weil fast jeder die Fähigkeit in sich trägt, sich an das Unfassbare zu adaptieren.
Tötende Mütter gelten schnell als psychisch krank.
Das ist eine Folge des sozialen Fehlblicks, viele Menschen denken: Frauen, die ihren Nachwuchs töten, müssen geisteskrank sein. Tatsächlich trifft das aber nur auf einen geringen Prozentsatz zu.
Wie viele der schweren Gewalttäterinnen, die Sie untersucht haben, waren am Ende schuldunfähig im Sinne des Strafgesetzbuchs und kamen in die forensische Psychiatrie?
In etwa zehn Prozent der Fälle waren sie schuldunfähig infolge einer Geisteskrankheit. Vornehmlich litten sie an einer schizophrenen oder wahnhaften Störung, die einen unmittelbaren Bezug zur Tat hatte.
Manchmal kommen Kinder auch einfach durch Gewaltausbrüche ihrer Mütter zu Tode.
Ja. Das Kind schreit ununterbrochen, die Mutter ist genervt und will den Zustand abstellen. Sie schlägt, schüttelt das Kind – und am Ende ist es tot. Auch Vernachlässigung kann zum Tod von Kindern führen, und manchmal müssen Kinder Misshandlungen erdulden, bei denen eigentlich der verhasste Partner gemeint ist. Das Kind als schwächstes Glied in der Familie bekommt dann wie eine Art Giftbehälter die ganzen Aggressionen der – meist persönlichkeitsgestörten – Mutter ab.
Welcher Ihrer Fälle war in all den Jahren für Sie der interessanteste?
Wahrscheinlich war das die "schwarze Witwe" Elfriede B., eine österreichische Serientäterin. Drei Morde konnten ihr am Ende nachgewiesen werden. Wie viele sie tatsächlich zu verantworten hat, ließ sich nie klären. Sie war eine erstaunliche Frau: Sie hatte einen zuckergussartigen Charme und war gleichzeitig hinterhältig und sadistisch bösartig. Man merkte ihr nicht an, wozu sie fähig war. Selbst im Gefängnis wurde sie von den Mitgefangenen "Mutti" genannt.
Elfriede B. rührte ihren Opfern blutzuckersenkende Mittel und Antidepressiva in die warme Milch oder ins Essen. Eine typisch weibliche Vorgehensweise?
Ja, eine klassische Methode. Man bekocht jemanden mit wunderbaren Speisen, schafft so Vertrauen. Und dann mischt man sukzessive Gift oder sonst etwas ins Essen. Füttern, nähren, töten. Inzwischen gibt es übrigens fast genauso viele Männer, die Giftmorde begehen.
War die "schwarze Witwe" besonders intelligent oder nur raffiniert?
Sie war nicht intelligent im üblichen Sinne, das haben verschiedene Tests gezeigt, und es hat mich selbst erstaunt. Ich glaube, sie hatte andere Fähigkeiten, eine Art machiavellische Intelligenz und eine hohe soziale und emotionale Intelligenz. Sie wollte unbedingt vermögend werden, also gab sie Zeitungsanzeigen auf: Witwe, gepflegt, alleinstehend, sucht Mann. Oft hatte sie nach weniger als 14 Tagen den Überblick über das gesamte Vermögen der pflegebedürftigen Männer, mit denen sie in Kontakt trat.
War Habgier ihr einziges Motiv?
Es ging ihr auch um Macht. Und sie wollte wohl Rache nehmen an Männern. Sie hatte schlechte Erfahrungen mit ihnen gemacht.
Wie verhielt sie sich Ihnen gegenüber während der Begutachtung?
Ebenfalls zuckersüß. Ich sei die Erste, der sie alles erzählen werde, sagte sie. Tatsächlich hat sie mir natürlich gar nichts gesagt – nur stundenlang Nichtigkeiten. Aber sie gab mir ein Rezept für überbackenen Grießbrei mit, nachdem sie mich für zu dünn befunden hatte.
Neben der "schwarzen Witwe" sorgte noch eine andere österreichische Mörderin monatelang für Schlagzeilen: die "Eislady". Die schöne Besitzerin eines Wiener Eissalons hat zwei ihrer Partner erschossen. Was war das Motiv?
Sie hat eine narzisstische Fantasie in die Tat umgesetzt und den Mann, von dem sie sich massiv gekränkt sah, getötet. Als sich bei der nächsten großen Liebe alles wiederholte, als sie wieder gekränkt wurde, wiederholte sie die Tat. Womit man einmal reüssiert hat ...
Sie zerlegte die Männer und zementierte die Leichenteile in Behältern aus ihrem Eissalon ein.
Was das Entsorgen der Leichen anbelangt: Frauen sind da keineswegs zimperlicher als Männer. Auch sie enthaupten, zerkleinern, vergraben und verbrennen ihre Opfer. Ich bin überzeugt, die "Eislady" bekommt trotzdem Heiratsanträge.
Von lebensmüden Männern?
Anfangs hat mich tatsächlich sehr erstaunt, dass sich keiner fürchtet, der Nächste zu sein. Aber schöne Mörderinnen stehen bei manchen Männern hoch im Kurs. Sie wecken in ihnen offenbar die Fantasie, sie retten zu können, aus ihnen einen anderen Menschen machen zu können.
Gibt es bei Frauen eigentlich auch die reine Mordlust? Das Morden um des Mordens willen?
Ja. In Verbindung mit sadistischen Handlungen. Da geht es darum, anderen Schmerzen zuzufügen, sie zu demütigen, langsam zu töten. Das tun Menschen mit schwer pathologischem Narzissmus, und unter ihnen sind auch Frauen. Oftmals verschanzen sie sich als Partnerinnen hinter sadistisch-perversen Tätern. Sie verspüren während ihrer Taten eine gottgleiche Macht: Ich entscheide, wann der andere stirbt und wo der stirbt.
Haben Frauen, die in Kliniken und Pflegeheimen töten – wie etwa die "Lainzer Mordschwestern" – ein ähnliches Motiv?
Auch hier geht es um Macht, die Aufwertung des eigenen Selbst. Gott spielen. Man hat die Gewalt über das Leben und den Tod. Dieses Spiel kann zur Gewohnheit, sogar zur Sucht werden.
Solche Täterinnen behaupten vor Gericht nicht selten, sie hätten die Patienten von ihrem Leid erlösen wollen und aus "Barmherzigkeit" getötet.
Ich halte das in den meisten Fällen für eine vorgeschobene Argumentation. Nehmen Sie die Lainzer Krankenschwestern: Sie haben zum Beispiel die Zunge des Patienten mit einem Spatel fixiert und ihm so lange Wasser eingeflößt, bis er qualvoll erstickte. So etwas ist nicht barmherzig, sondern sadistisch.
Eine letzte Frage: Haben Sie den Grießbrei der "schwarzen Witwe" je nachgekocht?
Ja. Und er hat hervorragend geschmeckt. Sie war ja eine fantastische Köchin. Meine Familie wusste, von wem das Rezept stammt, und war sich sicher, dass ich nur pure Milch und Zucker verwenden würde.

Das Interview ist dem aktuellen stern entnommen:



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