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Tausende protestieren friedlich gegen Rechts Lauter feiern als die Nazis


Tausende Menschen haben am Samstag gegen Neonazi-Veranstaltungen in mehreren Bundesländern protestiert. In Bad Nenndorf kamen 1000 Menschen unter dem Motto "Bunt statt Braun" zusammen, in Gera übertönten die Protestler die aufmarschierenden Rechtsradikalen mit einer fröhlichen Party.

In Gera blieb das rechte Ohr am Samstag taub: Mit Pfeifkonzerten, "Nazis raus"-Rufen, Livemusik und Sitzblockaden haben etwa 1000 Menschen ein Neonazi-Konzert in der thüringischen Stadt übertönt und auf diese Weise gegen rechtsextreme Gewalt protestiert. "Gera hat ein buntes Gesicht gezeigt und der sehr unschönen NPD-Veranstaltung Paroli geboten", freute sich SPD-Oberbürgermeister Norbert Vornehm.

Laut Polizei reisten rund 600 Neonazis zum Konzert "Rock für Deutschland" an, das die NPD zum 9. Mal in Gera veranstaltet. Die Stadt hatte im Vorfeld bis zu 1800 Rechtsextreme erwartet. Die Polizei nahm im Laufe des Samstags einen Neonazi und zwölf Gegendemonstranten kurzzeitig in Gewahrsam.

Partystimmung gegen Rechts

Auch in Bad Nenndorf gingen die Bürger gegen Rechts auf die Straße. Knapp 1000 Menschen beteiligten sich an einer Demonstration unter dem Motto "Bunt statt Braun". 640 Angehörige der rechten Szene waren zu einem Marsch in die kleine Kurstadt westlich von Hannover gekommen, etwa 300 weniger als Vorjahr. Seit 2006 versammeln sich Rechtsextremisten und Neonazis zu einem "Trauermarsch" zum Wincklerbad. Das Gebäude diente der britischen Besatzungsmacht von 1945 bis 1947 als Verhörzentrum, auch Deutsche sollen dort gefoltert worden sein. Von stiller Andacht war allerdings nicht zu spüren: Die friedlich protestierenden Bürger ließen die Aufzugsstrecke zu einer Partymeile werden. "Das fröhliche Bad Nenndorf gibt ein Signal gegen die Verdummung von Rechts", sagte SPD-Samtgemeindebürgermeister Bernd Reese.

Bereits am Freitagabend hatten sich im mecklenburgischen Jamel mehr als 200 Besucher beim Festival "Jamel rockt den Förster" versammelt. Das Dorf bei Wismar wird seit Jahren von Rechtsextremen terrorisiert, ein Künstlerehepaar widersetzt sich alljährlich mit dem Fest für Toleranz und Weltoffenheit.

DPA DPA

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