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Airbus-Absturz in Ägypten: Hinweise auf Bombe im Flugzeug verdichten sich

Steckt doch der Islamische Staat dahinter? Nach dem Absturz des russischen Passagierjets in Ägypten halten Washington und London mittlerweile eine Bombenexplosion für "sehr wahrscheinlich".

Experten untersuchen ein Teil des in Ägypten abgestürzten russischen Flugzeugs

Experten untersuchen ein Trümmerteil des Abgestürzten russischen Flugzeugs. Als "Vorsichtsmaßnahme" wurden Flüge zwischen Scharm el Scheich im Süden des Sinai und Großbritannien derzeit ausgesetzt

Nach dem Absturz der russischen Passagiermaschine über dem Sinai halten London und Washington nunmehr eine Bombenexplosion als Ursache für wahrscheinlich. Es bestehe eine "hohe Wahrscheinlichkeit", dass der IS das Flugzeug zum Absturz gebracht habe, sagte Außenminister Philip Hammond am Donnerstag. Dieses Urteil stütze sich auf Erkenntnisse der Geheimdienste. Er bestätigte damit Informationen aus Sicherheitskreisen. Ein US-Beamter in Washington äußerte sich ähnlich. Als Konsequenz setzten Großbritannien und Irland den Flugverkehr ihrer Linien mit dem ägyptischen Badeort Scharm el Scheich aus.

Hammond äußerte sich nach einer Krisensitzung der Regierung in London. Zuvor hatte ein Sprecher von Premierminister David Cameron mitgeteilt, die Ermittlungen seien zwar noch nicht abgeschlossen, und die Absturzursache sei weiterhin unklar. Aber aufgrund neuer Informationen sei die britische Regierung in Sorge, "dass das Flugzeug durchaus von einem Sprengsatz zum Absturz gebracht worden sein könnte".


Als "Vorsichtsmaßnahme" würden daher die Flüge zwischen Scharm el Scheich im Süden des Sinai und Großbritannien ausgesetzt. Britische Luftfahrtexperten seien auf dem Weg in den besonders bei britischen Touristen beliebten Badeort am Roten Meer, um die Sicherheitsmaßnahmen am dortigen Flughafen zu überprüfen. Nach dieser Prüfung werde entschieden, ob "weitere Maßnahmen" nötig seien, hieß es in London.

Sinai-Halbinsel wird umflogen

Die irischen Behörden folgten dieser Entscheidung und wiesen alle Fluglinien des Landes an, den Ort vorerst nicht mehr anzufliegen. Die deutsche Lufthansa und die französische Air France hatten bereits am Wochenende erklärt, dass ihre Maschinen die Sinai-Halbinsel bis auf Weiteres umfliegen werden.

In Washington sagte ein ranghoher US-Vertreter der Nachrichtenagentur AFP, die Hypothese von einer Bombe an Bord sei "sehr wahrscheinlich". Ähnlich äußerten sich US-Vertreter, die von den Nachrichtensendern CNN und NBC zitiert wurden. Die Maschine sei vermutlich "von einem Sprengsatz im Gepäck oder anderswo im Flugzeug" zum Absturz gebracht worden, sagte ein Geheimdienstvertreter CNN. Die Einschätzung stützt sich demnach auf Geheimdienstinformationen, die vor und nach dem Absturz gesammelt wurden.

Nach Informationen des CNN gehen US-Geheimdienste zudem davon aus, dass der IS einen Helfer am Flughafen von Scharm el Scheich haben könnte. Dies würde erklären, warum der IS-Ableger, der mehrmals erklärt hat, für den Absturz verantwortlich zu sein, bislang keine Beweise für seine Behauptung geliefert hat. Die Terrorgruppe könnte sich zurückhalten, um den Maulwurf nicht auffliegen zu lassen. 

Cameron trifft sich mit al-Sisi

Unterdessen traf der ägyptische Staatschef Abdel Fattah al-Sisi in London ein, wo er im Laufe des Donnerstag mit Cameron zusammentreffen will. Bei dem Treffen soll es nach Angaben der britischen Regierung sowohl um die bilaterale Sicherheitszusammenarbeit als auch um den Absturz der russischen Airbus-Maschine gehen.

Der Airbus A321 war am Samstagmorgen kurz nach dem Start in Scharm el Scheich auf dem Weg nach St. Petersburg über der Sinai-Halbinsel abgestürzt. Alle 224 Insassen, zumeist russische Urlauber, starben. Nach Angaben russischer Ermittler brach die Chartermaschine der russischen Fluggesellschaft Kogalimawija, die unter dem Namen Metrojet fliegt, in der Luft auseinander.

Russen und Ägypter zweifeln an Abschuss

Der ägyptische Ableger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hatte am Mittwoch erneut erklärt, er habe die Maschine zum Absturz gebracht. Ägyptische und russische Behörden bezweifeln die Version eines Abschusses. Sie weisen darauf hin, dass der IS auf der Sinai-Halbinsel nicht über Waffen verfüge, um eine in rund 9000 Metern Höhe fliegende Maschine abzuschießen. 

Die Fluggesellschaft Kogalymavia hatte am Montag einen technischen Defekt ausgeschlossen und von einer "äußeren" Ursache für den Absturz gesprochen. Der Chef der russischen Luftfahrtbehörde, Alexander Neradko, hatte diese Darstellung jedoch als "voreilig" und unbegründet zurückgewiesen.

Der für die zivile Luftfahrt zuständige ägyptische Minister Mohammed Hossam Kamal teilte am Mittwoch mit, mittlerweile seien die Daten aus dem Flugschreiber der Maschine ausgelesen. Die Ermittler unterzögen diese nun einer "genauen Prüfung". Der Stimmenrekorder sei bei dem Absturz jedoch "teilweise beschädigt" worden. Es werde daher "viel Arbeit" kosten, diese Daten auszulesen, sagte der Minister.

amt / AFP