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Fall in Berlin: Nach Tötung eines Zwillings: Gericht verurteilt Frauenärzte wegen Totschlags

Wegen Komplikationen bei einer Zwillingsgeburt haben zwei Ärzte eines der Kinder bei der Geburt getötet, um das andere zu retten. Das Berliner Landgericht hat die Mediziner dafür schuldig gesprochen.

Ärzte in blau-grüner OP-Kleidung entbinden ein Kind per Kaiserschnitt

Ärzte bereiten im Kreißsaal eine Entbindung per Kaiserschnitt vor

DPA

Wegen Totschlags sind zwei Frauenärzte in Berlin schuldig gesprochen und zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Sie hatten bei einer Geburt einen Zwilling getötet, dessen Hirn massiv geschädigt gewesen sein soll. Das Landgericht verhängte am Dienstag ein Jahr und sechs Monate Haft auf Bewährung beziehungsweise ein Jahr und neun Monate auf Bewährung gegen die Mediziner.

Die Angeklagten – eine 58 Jahre alte Oberärztin und ein 73-jähriger Chefarzt im Ruhestand – hatten erklärt, sie seien davon ausgegangen, dass ihr damaliges Vorgehen bei einer Geburt per Kaiserschnitt rechtlich zulässig sei. Experten rechnen damit, dass der Fall vor den Bundesgerichtshof (BGH) geht.

Tödliche Dosis Kaliumchlorid gespritzt

Die Mutter der eineiigen Zwillinge war in der 32. Schwangerschaftswoche, als es im Juli 2010 zu Komplikationen kam. Laut Anklage hatten die beiden Ärzte unter der Geburt einem der Zwillinge eine tödliche Dosis Kaliumchlorid injiziert. Zu diesem Zeitpunkt sei es jedoch rechtlich nicht mehr zulässig gewesen, da es sich nicht mehr um einen Fötus gehandelt habe.

Die Verteidiger argumentierten, ihre Mandanten seien von einer zulässigen Spätabtreibung ausgegangen. Sie hätten "den maximal sicheren Weg" für den gesunden Fötus gehen wollen. Eine medizinische Indikation für einen späten Abbruch habe vorgelegen. Die Eltern der Zwillinge hätten sich nach ausführlicher Beratung für einen sogenannten selektiven Fetozid im Mutterleib entschieden.

tkr / DPA