Erdbeben auf Java Zahl der Opfer steigt auf 5000


Die Zahl der Erbebenopfer auf Java ist auf knapp 5000 gestiegen, die Regierung rief den Notstand aus. Der Flughafen von Yogyakarta wurde wieder geöfffnet, was Hilfslieferungen enorm erleichtert, dennoch fehlt es im Katastrophengebiet an allen Enden.

Indonesien ist zum dritten Mal innerhalb von 18 Monaten von einem verheerenden Erdbeben getroffen worden. Nach jüngsten Meldungen starben knapp 5000 Menschen, als die Insel Java am Samstagmorgen von einem Beben der Stärke 6,2 erschüttert wurde. Rettungskräfte gingen am Sonntag von jedoch von einer deutlich höheren Zahl an Toten aus. Rund 10.000 Menschen sollen verletzt worden sein. Nach ersten Schätzungen von UNICEF wurden mehr als 100.000 Menschen obdachlos, die indonesische Regierung rief den Notstand aus. Die Erdstöße in der Nähe der auch bei Touristen beliebten Stadt Yogyakarta lösten keinen Tsunami aus. Der nahe gelegene Vulkan Merapi zeigte jedoch anschließend eine stärkere Aktivität. Wichtige Kulturdenkmäler blieben offenbar größtenteils intakt. Der Flughafen von Yogjakarta wurde unterdessen wieder geöffnet, was die Lieferung von Hilfsgütern enorm erleichtert. Dennoch fehlt es im Katastrophengebiet nach wie vor an Zelten, Nahrungsmitteln und medizinischem Personal.

Allein in der Stadt Bantul wurden 2400 Menschen getötet, 80 Prozent der Gebäude wurden dem Erdboden gleichgemacht. Unter den Opfern befindet sich nach jüngsten Berichten lediglich ein Ausländer, ein Niederländer. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte, es gebe bislang keine Hinweise, dass Deutsche betroffen seien. Die deutsche Botschaft sei eingeschaltet und stehe in engem Kontakt mit den indonesischen Behörden. Deutschland stelle eine Soforthilfe von 500.000 Euro bereit. Mit dem Geld sollen Projekte deutscher Hilfsorganisationen in Zusammenarbeit mit indonesischen Partnern unterstützt werden. Finanziert werden soll unter anderem der Betrieb einer mobilen Wasseraufbereitungsanlage des Deutschen Roten Kreuzes, mit der über 20.000 Menschen mit Trinkwasser versorgt werden können.

Nach Angaben von Seismologen lag das Epizentrum des Bebens im Meer etwa 50 Kilometer südlich von Yogyakarta in einer Tiefe von 33 Kilometern. Forscher erklärten, das Beben sei nicht durch den Vulkan ausgelöst worden. Jedoch könne es seinerseits die Aktivität des Merapi verstärken. "Nach dem Erdbeben kamen mehr Wolken aus dem Krater", sagte Subandrio, der im Zentrum für Vulkanforschung für Merapi zuständig ist. Bewohner auf den Hängen des Vulkans sprachen von einem harten Schlag, gefolgt von einem Geräusch wie Donnergrollen.

Krankenhäuser klagen über Chirurgenmangel

Ärzte in völlig überlasteten Krankenhäusern klagten über einen Mangel an Chirurgen. In Bantul gruben am Morgen die Anwohner mit bloßen Händen im Schutt in der Hoffnung, Verschüttete zu retten. Krankenhausmitarbeiter sprachen von einem nicht endenden Strom von Verletzten. "Die meisten haben Kopfverletzungen", sagte ein Mitarbeiter des Bethesda-Krankenhauses in Yogyakarta. Die obdachlos gewordenen Menschen suchten Zuflucht in Kirchen und Moscheen oder auf öffentlichen Plätzen. Aus Furcht vor Nachbeben verbrachten tausende Menschen die Nacht zum Sonntag im Freien.

Vor einer der Ruinen saß der 44-jährige Sarmiji. "Alles ist kaputt", sagte er mit seiner Frau und drei Kindern neben sich. Er sei beim Einsturz seines Hauses am Rücken verletzt worden und eine Zeit lang eingeschlossen gewesen. "Ich habe um Hilfe gerufen und dann wurde ich gerettet." Vor einem Krankenhaus in Yogyakarta saß Cipto Atmodjo neben seinem Sohn, der mit gebrochenen Beinen auf Hilfe wartete. "Mein Enkel starb", sagte Atmodjo. "Ich musste das Loch für sein Grab selbst ausheben. Ich weiß nicht mehr, wo."

Hilfslieferungen zugesagt

Unterdessen boten zahlreiche Staaten Indonesien Hilfe an. Australien kündigte die Entsendung von Hilfsgütern im Wert von drei Millionen australischen Dollar (1,78 Millionen Euro) an. Falls nötig, könne die Hilfe aufgestockt werden, sagte Außenminister Alexander Downer. China bot nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua eine Finanzhilfe in Höhe von zwei Millionen Dollar (1,6 Millionen Euro) sowie Rettungskräfte und Hilfsgüter. Auch die EU hat Hilfsgelder in Höhe von drei Millionen Euro zugesagt. Die britische Regierung stellte den Vereinten Nationen (UN) umgerechnet 4,4 Millionen Euro bereit. Die USA schickten 2,5 Millionen Dollar ins Katastrophengebiet.

Infografik: So entstehen Erdbeben

Frachtflugzeuge des Militärs landeten in Yogyakarata. Das Internationale Rote Kreuz wollte in einem Spendenappell mindestens zwölf Millionen Schweizer Franken (7,7 Millionen Euro) zusammentragen. Das Welternährungsprogramm (WFP) schickte erste Teams mit Nahrungsmitteln nach Java. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef sandte tausende Zelte und Planen in die Region. Am Sonntag kamen bereits die erste Hilfslieferungen an.

Erdbebengebiet war beliebtes Reiseziel

Politiker und Geistliche auf der ganze Welt zeigten sich entsetzt. Er sei bestürzt über das Ausmaß des Erdbebens, erklärte Bundespräsident Horst Köhler. Papst Benedikt XVI. rief die Einsatzkräfte auf, bei den Rettungsarbeiten durchzuhalten und den Überlebenden beizustehen. US-Präsident George W. Bush telefonierte mit Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono.

Yogyakarta war einmal die Hauptstadt des gleichnamigen Sultanats und ist ein beliebtes Reiseziel. Zu den größten Attraktionen gehören der Sultanspalast und der Borobudur-Tempel. Die buddhistische Tempel-Anlage blieb intakt. Das Hauptgebäude eines weiteren Kulturdenkmals auf Java, der Prambanan Hindu Tempel nahe der Hauptstadt Jakarta, erlitt leichte Schäden.

Schon wieder Beben im Feuerring

Indonesien liegt am so genannten pazifischen Feuerring, wo es häufig zum Vulkanausbrüchen und Erdbeben kommt. Im Dezember 2004 wurde die Provinz Aceh besonders hart von einem Beben und dem nachfolgenden Tsunami getroffen. Etwa 170.000 Menschen wurden getötet oder sind immer noch vermisst. Bei einem schweren Beben starben März 2005 auf der Insel Nias mehr als 1000 Menschen.

Am Sonntag erschütterten zwei weitere starke Beben andere Staaten, die am Ring liegen: Tonga und Papua-Neuguinea. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte traf Tonga ein Erdstoß der Stärke 6,7. Das Epizentrum habe rund 145 Kilometer nördlich der Hauptstadt Nuku'alofa gelegen. Das etwa 5000 Kilometer entfernte Papua-Neuguinea wurde von einem Beben der Stärke 6,2 erschüttert. Über Opfer oder Schäden in beiden Ländern wurde zunächst nichts bekannt. Nach Angaben des Tsunami-Warnzentrums in Hawaii habe es keine Hinweise auf eine gefährliche Flutwelle durch die Erdstöße gegeben.

AP/DPA/Reuters AP DPA Reuters

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