Erdbeben in Pakistan Pakistan stellt Suche nach Überlebenden ein


Sechs Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Südasien haben die pakistanischen Streitkräfte die Suche nach Überlebenden offiziell eingestellt. Man wolle sich nun auf die Bergung der Toten und den Wiederaufbau konzentrieren.

Nach dem verheerenden Erdbeben in Pakistan drängt die Zeit, Notunterkünfte für die Opfer zu organisieren. In einigen Teilen der Kaschmir-Region fiel am Freitag Schnee, zahllose Menschen verbrachten die sechste Nacht in Folge ohne ein Dach über dem Kopf. Der für den Hilfseinsatz zuständige Generalmajor Farooq Ahmad Khan sagte, Pakistan brauche zwei Millionen Decken und 100.000 große Zelte, um vor dem Wintereinbruch provisorische Unterkünfte einzurichten. 2,3 Millionen Menschen hätten durch das Beben ihre Wohnungen verloren.

Kältewelle bricht ein

Nahe der Hauptstadt Islamabad landeten in der Nacht erneut Flugzeuge mit Hilfsgütern. Darunter war auch eine Maschine der Nato, die acht Tonnen Zelte, Decken und Schlafsäcke aus Slowenien an Bord hatte. In Japan brachen 100 Soldaten mit zwei Frachtmaschinen der Streitkräfte in das Katastrophengebiet auf, wie Behörden mitteilten.

Helfer retten Kleinkind aus Trümmern

Sechs Tage nach dem katastrophalen Erdbeben in Südasien haben Helfer im pakistanischen Teil von Kaschmir ein 18 Monate altes Mädchen aus einem völlig zerstörten Haus lebend geborgen. Die kleine Balana habe zusammen mit ihrer Mutter und zwei Brüdern unter den Trümmern gelegen, berichtete der private Fernsehsender Geo TV. Doch die Mutter und die Jungen hätten nicht überlebt.

Balana war bewusstlos, als die Retter sie fanden. Sie wurde mit Sauerstoff beatmet, und nach einigen Stunden konnte sie schon wieder leichte Nahrung zu sich nehmen, hieß es.

In der Nacht zum Donnerstag lösten Erdstöße im von Pakistan kontrollierten Teil Kaschmirs Panik aus, wie der private Fernsehsender Geo TV meldete. Berichte über Opfer oder Schäden gab es aber zunächst nicht. Die Erschütterungen seien bis in die pakistanische Hauptstadt Islamabad zu spüren gewesen.

Angst vor Seuchen

In den Erdbebengebieten wächst die Angst vor gefährlichen Krankheiten. In den Gebirgsregionen verschärfte sich nach einem Wintereinbruch die Situation von Millionen Obdachlosen. Helfer berichteten am Mittwoch im indischen Teil Kaschmirs, mindestens sieben Kinder seien bereits erfroren. "Wir sind sehr besorgt wegen des Wintereinbruchs", hieß es im Innenministerium in Neu Delhi.

Ärzte und Hilfsorganisationen warnten eindringlich vor Lungenentzündungen und Tuberkulose. "Kälte und Nässe erhöhen das Risiko für Atemwegserkrankungen sowie Durchfall, insbesondere bei Kindern", sagte Joost Butenop, Arzt und Vize-Projektleiter bei der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen der dpa.

Zu wenig Hilfe

Trotz internationaler Hilfszusagen in Millionenhöhe verfügten Helfer vor Ort nach eigener Darstellung oft nur über unzureichende Mengen an Nahrungsmitteln, Medikamenten, Zelten und Decken. In vielen Teilen der Grenzregion zwischen Pakistan, Indien und China sei die Lage katastrophal. In den schwer beschädigten Krankenhäusern fanden Verletzte wenig Hilfe. Das Schicksal vieler Bewohner schwer zugänglicher Regionen war auch vier Tage nach dem Beben immer noch unklar. Sechs Mitglieder eines indischen Rettungsteams starben durch herabstürzende Geröllmassen. Im Norden Pakistans rettete das Technische Hilfswerk (THW) eine Frau aus den Trümmern ihres Hauses.

Das Beben hatte weite Landstriche im Norden Pakistans und Indiens verwüstet, vermutlich kamen mehr als 41.000 Menschen ums Leben. Nach Angaben der Johanniter-Hilfe wurden rund 80 Prozent der Häuser in den Bergregionen Pakistans beschädigt oder zerstört. Rund sieben Millionen Menschen seien betroffen. Allein in Muzaffarabad werden noch tausende Opfer unter den Trümmern vermutet.

DPA/AP/Reuters AP DPA Reuters

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