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Flugzeugabsturz Deutsches Eishockey geschockt - weltweite Trauer


Weltweit sind Fans, Funktionäre und Angehörige des getöteten Eishockey-Teams aus Jaroslawl nach dem Flugzeugabsturz in Russland fassungslos. Vor allem das deutsche Eishockey tut sich nach dem Tod von Nationalspieler Robert Dietrich schwer, an Normalität zu denken.

Entsetzen, Trauer und Fassungslosigkeit: Die Eishockey-Welt hat nach dem Todesdrama um den deutschen Nationalspieler Robert Dietrich und sein Team eine schmerzhafte Rückkehr zur Normalität vor sich. Am Tag nach dem Flugzeugabsturz in Russland, bei dem das Spitzenteam Lokomotive Jaroslawl fast komplett ausgelöscht worden war, verharrte auch das deutsche Eishockey noch im Schockzustand.

Inmitten des Horrors mit 43 Toten erfuhren der betroffene Club und die Angehörigen der Opfer eine Welle des Mitgefühls und der Solidarität - Profis der Erstligarivalen wollen sogar für Lokomotive spielen, um das Team zu retten. Die KHL will Jaroslawl unbedingt dabei haben. Möglich scheint, das Jugendteam des Spitzenclubs - mit oder ohne Unterstützung von Gast-Profis - antreten zu lassen. Nach Auskunft von Liga-Boss Alexander Medwedew sollen rund 45 Spieler bereit sein, auszuhelfen. Den Auftakt-Spieltag sagte die KHL ab.

"Nach einer Nacht ist es eigentlich noch viel schlimmer geworden. Jetzt realisiert man das alles erst. Da das gesamte Eishockey weltweit betroffen ist, gibt es auch auf der ganzen Welt eine riesige Anteilnahme. Da begreift man die Dimension erst", sagte der Generalsekretär des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), Franz Reindl. "Ich weiß auch nicht, wie es jetzt weiter geht."

Dietrichs Tod traf den DEB schwer. Der 25 Jahre alte Verteidiger war Leistungsträger im Nationalteam. "Robert war ein überall beliebter und bodenständiger Mensch, der trotz seiner Erfolge immer mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben ist", sagte DEB-Präsident Uwe Harnos, der wie Vizepräsident Manuel Hüttl aus Kaufbeuren stammt. Dorthin siedelte die Familie des im kasachischen Ordschonikidse geborenen Dietrich Ende der 1980er Jahre über.

"Er war einfach ein Pfundskerl", befand der gebürtige Kaufbeurer Ex-Nationalspieler Walter Köberle. Der Teammanager von Dietrichs ehemaligem Club DEG Metro Stars stand seit dessen Zeit in Düsseldorf in engem Kontakt zum 38-maligen Auswahlspieler. Köberle telefonierte noch kurz vor dem Unglück mit Dietrich. "Er erzählte mir, dass er aufhören müsste, um nach Minsk zu fliegen. Da können sie sich vorstellen, wie ich mich gefühlt habe, als ich vom Absturz gehört habe", sagte der sonst stets fröhliche Köberle mit belegter Stimme.

Der neue Nationaltrainer Jakob Kölliker, der nun auf einen Eckpfeiler des zuletzt so erfolgreichen Nationalteams verzichten muss, war auch am Donnerstag nicht zu erreichen. Dagegen äußerte sich sein Vorgänger Uwe Krupp tief erschüttert. "Ich weiß wirklich nicht, was ich sagen soll. Ich kannte ja nicht nur Robert Dietrich persönlich, sondern auch all die anderen früheren NHL-Spieler und den Trainer Brad McCrimmon", sagte der aktuelle Coach der Kölner Haie.

"Das ist nicht nur für das deutsche Eishockey ein ganz schwerer Schlag. Es waren ja insgesamt neun Nationen betroffen. Für uns steht zur Zeit die menschliche Tragödie im Vordergrund, angesichts von 43 betroffenen Familien", sagte Harnos.

Zu den Toten zählten die Weltstars, Olympiasieger, Weltmeister und NHL-Veteranen wie Karel Rachunek, Josef Vasicek (beide Tschechien), Ruslan Salei (Weißrussland), Karlis Skrastins (Lettland), Pavol Demitra (Slowakei) und Alexander Wasjunow (Russland), die zusammen rund 3000 NHL-Spiele bestritten.

"Russisches Eishockey verwaist"

"Die Slowakei ist um ihre Eishockey-Legende gekommen", klagte die Zeitung "Hospodarske noviny" angesichts des Todes des slowakischen Superstars Demitra, der dreimal im NHL-All-Star-Team stand. "Ein Schwarzer Tag für das Hockey", schrieb das tschechische Blatt "Dnes". Rachunek gewann 2010 in Deutschland mit seinem Team WM-Gold, Vasicek wurde 2005 Weltmeister und holte ein Jahr später den Stanley-Cup.

In der Nacht zum Donnerstag entzündeten hunderte Fans in Prag auf dem Altstädter Ring Kerzen, um ihren Helden zu gedenken. Vor dem Prager Rathaus war eine Gedenkveranstaltung geplant - genau an der Stelle, wo im vorigen Mai Tausende Menschen die aus Deutschland heimgekehrten Weltmeister gefeiert hatten.

Tschechiens Präsident Vaclav Klaus nannte die Verstorbenen in seinem Kondolenzschreiben "herausragende Sportler und großartige Nationalspieler". In der Slowakei sagte Ministerpräsidentin Iveta Radicova nach der Nachricht vom Tod Demitras eine Pressekonferenz ab. Auch Fifa-Boss Joseph Blatter drückte sein Mitgefühl aus. "Es gibt keine Worte, um nach einem solch schrecklichen Ereignis genügend Trost zu spenden", schrieb der Schweizer an den russischen Verband.

"Mit dem Verlust von Lokomotive ist unser Eishockey verwaist", befand die russische Zeitung "Kommersant". In Russland kam spontan eine ungewöhnliche Solidaritäts-Welle ins Rollen. Profis anderer Clubs boten an, am Wiederaufbau des Teams zu helfen. Die Entscheidung darüber wird erst nach drei Trauertagen Anfang der nächsten Woche erwartet. Gespielt wird bis dahin aber vorerst nicht.

So weit wird die DEL am ersten Spieltag am 16. September nicht gehen. Der DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke deutete jedoch Schweigeminuten in allen Stadion und Trauerflor auf den Trikots an. "Das ist eine Selbstverständlichkeit und wird jetzt mit den Clubs koordiniert. Noch ist nichts entschieden, aber das ist sehr wahrscheinlich", sagte Tripcke.

kbe/DPA DPA

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