Flutwelle in Südasien Bangen um deutsche Urlauber


Wie viele deutsche Touristen bei der Flutkatastrophe ums Leben gekommen sind, ist unklar. Auf Sri Lanka sind offenbar vier getötet worden. Außenminister Joschka Fischer konnte aber keine zuverlässigen Zahlen nennen.

Auch einen Tag nach der verheerenden Flutkatastrophe in Südostasien ist unsicher, ob und wie viele deutsche Touristen ums Leben gekommen sind. Außenminister Joschka Fischer befürchtet, dass auch Deutsche unter den Opfern der Flutwelle sind. Bis zur Stunde gebe es aber keine zuverlässigen Angaben zu deutschen Opfern, sagte Fischer am Montag in Berlin. Das Auswärtige Amt könne sich nur auf der Grundlage verifizierter Informationen äußern. Es seien an den verschiedensten Krisenpunkten in der Region Stäbe eingerichtet worden, die versuchten, einen Überblick über die Lage zu gewinnen.

Nach Augenzeugenberichten sollen zwei deutsche Touristen, darunter eine Frau aus München, in Sri Lanka in den Fluten umgekommen sein, wie ein ARD-Korrespondent berichtete. Der Asien-Koordinator des Deutschen Roten Kreuzes, Bernd Schell, sagte in der Sendung, das Ausmaß der Katastrophe überfordere die Rettungskräfte vor Ort. Sie seien dringend auf Unterstützung aus dem Ausland angewiesen.

Auf Sri Lanka ist auch Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU) Zeuge der Naturkatastrophe geworden. "Er hat natürlich schon etwas mitbekommen, aber er ist in Sicherheit", sagte ein Sprecher von Kohls Berliner Büro. Der Sprecher sagte, dass es Kohl gut gehe und er nicht zu Schaden gekommen sei. Er werde seinen Aufenthalt in Sri Lanka nach dem momentanen Stand der Dinge fortsetzen. Weitere Angaben wollte der Sprecher nicht machen, da es sich um eine Privatreise handele.

Reiseveranstalter Tui vermisst noch vier Personen in Sri Lanka, wie der Sprecher des Reiseveranstalters, Mario Köpers, sagte. Beim Touristik-Unternehmen Thomas Cook hieß es, die rund 4000 Südostasien-Urlauber des Reisekonzerns hätten das Beben wohl unverletzt überstanden.

Nachdem bis Montagmorgen die meisten Hotels kontaktiert worden seien, gebe es noch keine Informationen, dass deutsche Reisende in Thailand, Sri Lanka und auf den Malediven zu Schaden gekommen seien, teilte Thomas Cook in Oberursel mit. Allerdings sei die Situation auf der thailändischen Ferieninsel Phuket, insbesondere im nördlich gelegenen Khao Lak, noch immer unübersichtlich, da die Kommunikationswege teilweise unterbrochen seien.

Auch die Rewe-Pauschaltouristik mit den Reiseveranstaltern ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg versuchte laut Sprecherin Anette Forre, Kontakt zu allen rund 1600 Reisenden herzustellen. Von ihnen und den ebenfalls zur Rewe-Gruppe gehörenden rund 2100 Gästen von Meyers Weltreisen und Dertour gab es nach diesen Angaben keine Informationen über mögliche Opfer. Die ersten Rewe-Reisenden sollen sich laut Forre am Montagnachmittag Ortszeit auf den Rückflug nach Deutschland machen.

Auch Verletzte in erster Maschine mit Rückkehrern

Auf dem Frankfurter Flughafen landeten am Montagmorgen die ersten deutschen Touristen aus Thailand. Die Maschine war nach Aussagen eines Passagiers nur halb gefüllt. Es waren auch einige Verletzte an Bord. Das größte Hindernis für die Rückkehr nach Deutschland stellt derzeit die Lage auf den Flughäfen dar, die wegen der Verwüstungen zum Teil geschlossen seien.

Unter den Toten des Seebebens sind auch mehr als drei Dutzend Europäer. Schwierig gestaltete sich die Identifizierung der Leichen, weil viele Tote in Badekleidung ohne Papiere am Strand gefunden wurden.

Das italienische Außenministerium bestätigte am Montag den Tod von elf Landsleuten. Dutzende Italiener wurden in Krankenhäusern behandelt.

Von den mehr als 20.000 Schweden, die zum Unglückszeitpunkt in der Region Urlaub machten, kamen nach Angaben des Tourveranstalters Fritidsresor neun ums Leben. Rund 600 Schweden, die sich in Khao Lak nördlich von Phuket aufhielten, wurden jedoch noch vermisst. Auf Phuket wurden auch drei Dänen getötet, wie das Außenministerium in Kopenhagen bestätigte. Fünf wurden vermisst. Ferner lagen unbestätigte Berichte über zehn getötete Norweger und einen getöteten Finnen vor.

69 Briten verletzt in Krankenhäusern

Die britische Regierung gab den Tod von vier Briten bekannt. Außenminister Jack Straw erklärte jedoch, weitere Briten seien als tot gemeldet worden, die Botschaften in den betreffenden Ländern hätten dies lediglich noch nicht bestätigen können. Mit weiteren Opfern sei aber zu rechnen. 69 Briten lagen verletzt in Krankenhäusern.

Das französische Außenministerium gab die Zahl der Toten mit drei an. Auch der Tod von zwei Belgiern wurde bestätigt - einem zehn Monate alten Baby und einer 60 Jahre alten Frau. Aus dem Außenministerium in Madrid hieß es, in thailändischen Krankenhäusern würden Spanier versorgt. Zahlen wurden nicht genannt. Die Regierung in Lissabon erklärte, drei Portugiesen würden in Thailand vermisst. Die Schweizer Regierung teilte mit, sie gehe von mehreren Dutzend verletzten Landsleuten aus.

AP AP

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