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Frankreich Sieben Angeklagte nach Lehrer-Attentat vor Gericht – Vater einer Schülerin im Fokus

Frankreich: Sieben Angeklagte nach Lehrer-Attentat vor Gericht
Ein Porträt des getöteten Lehrers Samuel Paty steht auf einer Staffelei vor dem Palais Bourbon, dem Sitz des Unterhauses des Parlaments in Paris, Frankreich. Mit einer Schweigeminute haben die Abgeordneten der Nationalversammlung des ermordeten Lehrers gedacht.
© Lewis Joly / DPA
Nach dem tödlichen Attentat auf einen Lehrer in der Nähe von Paris stehen nun sieben Angeklagte vor Gericht. Darunter auch der Vater einer Schülerin, der sich per Whatsapp mit dem Täter austauschte.

Bei den Fahndungen zu dem tödlichen islamistischen Anschlag auf einen Lehrer bei Paris ist der Vater einer Schülerin in den Fokus der Ermittler geraten – er soll in Kontakt mit dem erschossenen Attentäter gestanden haben. Der Vater sollte ebenso wie sechs weitere Festgenommene am Mittwoch einem Anti-Terror-Richter vorgeführt werden. Zu Ehren des ermordeten Lehrers Samuel Paty war für Mittwochabend eine nationale Gedenkzeremonie in Anwesenheit von Staatschef Emmanuel Macron geplant.

Der Vater der Schülerin und der 18-jährige Täter hatten am Tag des Anschlags Botschaften im Onlinedienst Whatsapp ausgetauscht. Eine Woche vor dem Anschlag hatte sich der Vater im Onlinenetzwerk Facebook darüber beschwert, dass Paty seinen Schülern Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt hatte. In einer von einem Video begleiteten Botschaft rief er zu einem Vorgehen gegen den Geschichtslehrer auf. Später stellte der Vater dann erneut ein Video ins Internet, in dem er gemeinsam mit einem islamistischen Aktivisten auftrat. Auch dieser Aktivist sollte am Mittwoch dem Richter vorgeführt werden, wie die Nachrichtenagentur AFP aus Justizkreisen erfuhr.

Halbschwester des Vaters soll IS angehören

Die Halbschwester des Vaters soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft für die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) nach Syrien gegangen sein. Die Tochter des Mannes besuchte den Angaben zufolge die achte Klasse der Schule in Conflans-Sainte-Honorine, wo der ermordete Lehrer unterrichtet hatte. Unter den Festgenommenen, die am Mittwoch vor dem Richter erscheinen sollten, waren den AFP-Informationen zufolge ferner drei Freunde des Täters sowie zwei Minderjährige. Einer der Freunde soll den Täter begleitet haben, als dieser eine bei dem Attentat verwendete Waffe kaufte. Die Minderjährigen werden verdächtigt, dem Täter gegen Geld Informationen über Paty geliefert zu haben.

Nach der Bluttat waren insgesamt 16 Menschen in Polizeigewahrsam genommen worden. Neun von ihnen kamen am Dienstagabend wieder frei. Der 47-jährige Paty war am vergangenen Freitag nahe seiner Schule auf offener Straße von dem 18-Jährigen zunächst niedergeschlagen und danach enthauptet worden. Der Angreifer tschetschenischer Herkunft wurde kurz danach von der Polizei erschossen. Die Polizei ging seither in dutzenden Einsätzen gegen Menschen und Vereinigungen vor, die mutmaßlich dem islamistischen Spektrum angehören oder nahe stehen.

Samuel Paty zeigte Karikaturen von "Charlie Hebdo"

Paty hatte das Thema Meinungsfreiheit im Unterricht behandelt und dabei die Mohammed-Karikaturen verwendet. Diese Karikaturen hatte die Satirezeitung "Charlie Hebdo" veröffentlicht, auf deren Redaktionsräume im Jahr 2015 ein Anschlag mit zwölf Toten verübt worden war. Macron kündigte am Dienstagabend an, verstärkt gegen den "radikalen Islam" vorzugehen. Ein pro-palästinensisches Kollektiv, das nach dem Gründer der radikalen Hamas-Organisation, Scheich Ahmed Jassin, benannt ist, war dem Staatschef zufolge "direkt" an der Ermordung des Lehrers beteiligt. Es soll am Mittwoch per Beschluss des Ministerrats formell aufgelöst werden.

Das Innenministerium verkündete auch, dass eine Moschee im Pariser Vorort Pantin geschlossen wird. Dem dortigen Imam wirft die Regierung vor, Paty bedroht und die Adresse seiner Schule veröffentlicht zu haben. Die Moschee soll nach Angaben des Innenministeriums sechs Monate lang geschlossen bleiben.

Die nationale Gedenkzeremonie für Paty am Mittwochabend (19.30 Uhr) soll in der ehrwürdigen Pariser Sorbonne-Universität stattfinden, die Macron als "das symbolische Denkmal des Geistes der Aufklärung" bezeichnete. Bereits die offizielle Veranstaltung für die Opfer der islamistischen Anschläge von 2015 war dort abgehalten worden. Während der Zeremonie soll Paty posthum der höchste französische Verdienstorden, die Ehrenlegion, verliehen werden. 400 Gäste sollen teilnehmen. Bereits in den Vortagen hatten tausende Menschen bei Versammlungen des Lehrers gedacht. Am Dienstag kamen rund 6000 Menschen vor seiner Schule zusammen und verharrten zehn Minuten lang in Schweigen.

sve DPA

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