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Hurrikan: Gestern "Katrina", heute "Ernesto"

Während New Orleans der Opfer des Hurrikans "Katrina" gedenkt, rollt schon wieder ein Tropensturm auf die USA zu: Tropensturm "Ernesto" ist nach schweren Regenfällen über Kuba zu einer Bedrohung für den US-Bundesstaat Florida geworden.

Angesichts des herannahenden Wirbelsturmes "Ernesto" entschied sich die US-Raumfahrtbehörde NASA am Dienstag in letzter Minute, ihre Raumfähre "Atlantis" in Sicherheit zu bringen und sie zurück in die Montagehalle zu rollen. Während die Ostküste der USA mit Bangen auf "Ernesto" wartete, nahm im Pazifik Hurrikan "John" Kurs auf den Westen Mexikos. In New Orleans gedachten ein Jahr nach Hurrikan "Katrina" US-Präsident George W. Bush und die Einwohner von New Orleans der mehr als 1500 Todesopfer.

Bush übernimmt Verantwortung für schleppende Hilfe

Während der Gedenkveranstaltung übernahm Bush noch einmal die volle Verantwortung für die schleppende Hilfe nach der größten Naturkatastrophe in der Geschichte der USA. Dieser Jahrestag sei nicht das Ende, sagte Bush. Die Regierung werde an der Seite der Menschen stehen, bis die Arbeit erledigt sei. Bush forderte die Stadt auf, gegen Gewalt und Kriminalität vorzugehen. Der Präsident bezeichnete "Katrina" als einen "grausamen Hurrikan" mit "Fluten von biblischem Ausmaß". New Orleans werde seine Zukunft auf seiner reichen Vergangenheit aufbauen, sagte er.

Hurrikan "Katrina" hatte am 29. August vergangenen Jahres in den Bundesstaaten Louisiana, Mississippi und Alabama ein Gebiet so groß wie Großbritannien völlig verwüstet. In der Südstaatenmetropole New Orleans gedachten Menschen mit Schweigeminuten und Gottesdiensten der Katastrophe. Um 9.38 Uhr (Ortszeit), als der erste von fünf Dämmen brach, läuteten im gesamten Stadtgebiet die Glocken.

Florida rüstet sich für "Ernesto"

Während an der Golfküste die Menschen der Opfer von "Katrina" gedachten, bereiteten sich die Einwohner und Behörden in Florida auf den ersten Wirbelsturm der Saison vor. Die Küste Floridas müsse sich auf Winde von bis zu 140 Kilometern pro Stunde, heftigen Niederschlag und eine bis zu einen Meter hohe Sturmflut einstellen, teilte das Nationale Hurrikan-Zentrum am Dienstag in Miami mit. Das Auge des Hurrikans werde am späten Dienstagabend über die Inselgruppe Florida Keys und den äußersten Südwesten Floridas hinwegziehen.

Die Regierung des Bundesstaates hatte bereits am Montag den Notstand ausgerufen, um die Nationalgarde mobilisieren zu können. Vor Tankstellen und Supermärkten bildeten sich lange Schlangen.

"Ernesto" hatte zur großen Erleichterung der Menschen und Behörden in Florida viel Kraft über Kuba einbüßt. In den warmen Gewässern vor Florida wird der Hurrikan nach Angaben der Meteorologen nur etwas an Stärke zulegen, aber voraussichtlich nicht mehr Hurrikan-Stärke erreichen. Dennoch galt für die Ost- und Westküste Floridas eine Tropensturmwarnung.

"John" bedroht Mexiko

Unterdessen wurde Tropensturm "John" vom Hurrikan-Zentrum zum sechsten Hurrikan dieses Jahres im Pazifik heraufgestuft. Er bedroht die Westküste Mexikos. Die mexikanische Regierung habe eine Tropensturmwarnung von Acapulco bis Lazaro Cardenas herausgegeben. Hurrikan "John" bewege sich derzeit mit einer Geschwindigkeit von 15 Kilometern pro Stunde. Innerhalb der kommenden 24 Stunden werde damit gerechnet, dass der Wirbelsturm weiter an Stärke gewinnt.

Ernesto" hatte schon den für Dienstag geplanten Start der Raumfähre "Atlantis" zunichte gemacht. Die US-Raumfahrtbehörde NASA entschied dann am Dienstag, den Space-Shuttle in der rund 160 Meter hohen Montagehalle auf dem Weltraumbahnhof vor dem Hurrikan in Sicherheit zu bringen. Für die rund 6,8 Kilometer lange Strecke benötigte die NASA rund zehn Stunden. Alle Pläne, die Raumfähre bis zum 7. September zur Internationalen Raumstation fliegen lassen, haben sich damit zerschlagen. Die NASA muss jetzt mit der russischen Partneragentur einen neuen Starttermin vereinbaren.

Nach Ansicht deutscher Experten wird die diesjährige Hurrikansaison in den USA bei weitem nicht so schlimm wie die im vergangenen Jahr. Gleichwohl rechnet der Hurrikan-Experte des Wetterdienstes Meteomedia, Thomas Sävert, auch diesmal mit mehr als zehn Tropenstürmen in dem Gebiet.

DPA / DPA