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Kurz vor dem Ziel Spanischer Fußballfan, der von Madrid zur WM nach Katar wandern wollte, offenbar im Iran festgenommen

Das letzte Posting von Santiago Sánchez auf Instagram vom 1. Oktober. Einen Tag später überquerte er die Grenze zum Iran.
Das letzte Posting von Santiago Sánchez auf Instagram vom 1. Oktober. Einen Tag später überquerte der spanische Fußballfan die Grenze zum Iran.
© Santiago Sánchez auf Instagram
Im Iran war Endstation: Der Spanier Santiago Sánchez wollte zu Fuß von Madrid aus nach Katar gehen und dort die Fußball-WM besuchen. Nun sitzt er offenbar in Teheran im Gefängnis.

Ein Spanier, der zu Fuß von Madrid aus zur Fußballweltmeisterschaft nach Doha marschieren wollte und sich seit Anfang Oktober nicht mehr bei seiner Familie gemeldet hatte, sitzt offenbar in einem Teheraner Gefängnis. Der 41-Jährige werde von den iranischen Behörden festgehalten, berichtet die spanische Sportzeitung "Marca" unter Berufung auf den TV-Sender Iran International. "Nach Berichten, die Iran International erreichten, wurde Santiago Sánchez, ein spanischer Fan, der seit drei Wochen vermisst wird, nach seiner Einreise in den Iran in der Stadt Saqez zusammen mit seinem Übersetzer festgenommen und nach Teheran überführt", zitiert "Marca" aus einer Erklärung des Senders.

Eltern meldeten Sánchez am 17. Oktober als vermisst

Der Iran wird von Massenunruhen erschüttert, seit im September die 22 Jahre alte iranische Kurdin Mahsa Amini wegen eines angeblichen Verstoßes gegen die strenge islamische Kleiderordnung von der Sittenpolizei angehalten worden war und im Gewahrsam der Behörde starb. Teheran geht mit großer Härte gegen die Demonstranten vor und beschuldigt ausländische Feinde und kurdische Gruppen im Irak, die Unruhen zu schüren, ohne dafür Beweise zu liefern. "Sánchez muss festgehalten oder inhaftiert werden, bis sich die Lage ein wenig beruhigt. Sie wollen nicht, dass irgendjemand Informationen darüber erhält, was dort passiert", zitiert "Marca" die Mutmaßung eines Freundes des Abenteurers.

Sánchez ist ein erfahrener Tourengänger, ehemaliger Fallschirmjäger und leidenschaftlicher Fußballfan. Im Jahr 2019 hatte er bereits eine ähnliche Strecke von Madrid nach Saudi-Arabien per Fahrrad zurückgelegt. Auf seiner aktuellen Reise in die katarische Hauptstadt hatte der Spanier bereits 15 Länder durchquert und Bilder und Erlebnisse davon auf Instagram geteilt. "Die Idee der Reise ist es, andere Menschen zu motivieren und zu inspirieren und ihnen zu zeigen, dass sie mit sehr wenig Geld sehr weit kommen können", erklärte er.

Seinen letzten Beitrag hatte Sánchez am 1. Oktober gepostet. Einen Tag später schickte er seinen Eltern noch eine Audionachricht, mutmaßlich bereits von iranischem Boden aus, in der er seine Zukunftspläne darlegte. "Ich bin mit einem Freund unterwegs, der gekommen ist, um mich abzuholen", erzählte der 41-Jährige nach Angaben der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) darin mit ruhiger Stimme. Zunächst wolle er in die iranische Hauptstadt Teheran, wo ihn ein Fernsehsender interviewen wolle. Anschließend werde er sich auf den Weg nach Bandar Abbas machen, einem Hafen im Süden des Irans, wo er ein Boot nach Katar besteigen wolle.

Sánchez hatte seine Familie bereits vor dem Übertritt in den Iran gewarnt, dass die Kommunikation dort nicht so einfach sein würde wie in den Monaten zuvor. Zunächst hätten sie sich deshalb keine Sorgen gemacht, als keine weiteren Nachrichten kamen, hatte seine Mutter Celia Cogedor am Montag noch vor der Meldung über die Festnahme ihres Sohnes berichtet. "Nach acht oder neun Tagen begannen meine Tochter und seine engsten Freunde zu denken, dass wir sein Verschwinden melden müssen." Am 17. Oktober meldeten ihn seine Eltern schließlich bei den spanischen Behörden als vermisst. "Wir sind zutiefst besorgt und können nicht aufhören zu weinen, mein Mann und ich", erzählte die verzweifelte Mutter.

Im Iran verschwundene Neuseeländer "sicher und wohlauf"

Zwei Reiseblogger aus Neuseeland, die nach ihrer Einreise in den Iran vor fast vier Monaten ebenfalls von der Bildfläche verschwunden waren, konnten unterdessen nach Angaben aus Wellington das Land verlassen. Das Paar sei "sicher und wohlauf", teilte ein neuseeländischer Behördenvertreter der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch mit. Bridget Thackwray und ihr Ehemann Topher Richwhite, Sohn eines der reichsten Männer Neuseelands, waren Anfang Juli von der Türkei in den Iran eingereist. Kurz darauf hörten sie auf, in ihren Online-Kanälen Beiträge zu veröffentlichen, was große Sorge bei Fans, Freunden und Familie auslöste.

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Neuseelands Regierungschefin Jacinda Ardern erklärte, ihre Regierung haben mehrere Monate "hart gearbeitet", um die sichere Ausreise des Paares zu gewährleisten. Thackwray und Richwhite hätten "schwierige Umstände" ertragen müssen. Sie sei "hocherfreut, dass sie unversehrt sind". Zu Details der Verhandlungen mit der iranischen Regierung äußerte sie sich nicht. Auxch was genau mit dem Paar im Iran passierte, ist noch unklar. Vertreter des Irans teilten der Nachrichtenagentur AFP mit, die Eheleute seien weder aufgehalten, noch festgenommen worden.

Tatsächlich werden jedoch regelmäßig Menschen aus westlichen Staaten von Irans Regierung inhaftiert. Die Festgehaltenen kommen meist erst nach intensiven Verhandlungen hinter den Kulissen wieder frei. Dabei kam es in der Vergangenheit zu Gefangenenaustauschen, was zu dem Vorwurf führte, Teheran betreibe "Geisel-Diplomatie".

Im Fall von Sánchez hat das Außenministerium in Madrid nach eigenen Angaben den spanische Botschafter in Teheran eingeschaltet. Dass der Fußballfan allerdings bis zum Beginn der WM am 20. November auf freien Fuß kommt, erscheint angesichts des zähen Ringens um die Blogger aus Neuseeland zweifelhaft.

Quellen: "Marca"Santiago Sánchez auf Instagram, ABC NewsAssociated Press, AFP

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