Kreuzfahrtschiff "Sea Diamond" gesunken


Mit einem dröhnenden Krachen ist das in der Ägäis in Seenot geratene Kreuzfahrtschiff gesunken. Zwei französische Urlauber - ein Mann und seine Tochter sind vermutlich ertrunken. Nun wurden Details der dramatischen letzten Stunden an Bord bekannt

Vor der griechischen Mittelmeerinsel Santorin ist ein Kreuzfahrtschiff havariert und gesunken. Fast 1.600 Menschen waren zuvor von der "Sea Diamond" evakuiert worden. Zwei französische Touristen galten als vermisst. Es wurde nicht ausgeschlossen, dass sie in ihrer Kabine ertrunken sind. Deutsche waren nicht an Bord.

Die "Sea Diamond" war am Donnerstag bei der Einfahrt in die Bucht von Santorin in der Ägäis auf einen Felsen aufgelaufen und in Seenot geraten. In das Schiff drang nach dem Unfall Wasser ein, und es neigte sich immer mehr zur Seite. Zunächst habe niemand realisiert, was eigentlich passiert sei, berichtete Tiffany Gittens, eine Touristin aus New York. "Wir saßen im Speiseraum, als das Schiff in Schieflage geriet." Gläser seien durch die Luft geflogen, aber die meisten Menschen hätten Ruhe bewahrt. "Die Crew hat gute Arbeit geleistet, sie waren gut vorbereitet", lobte Gittens.

Der australische Techniker Ben Kucenko saß zum Zeitpunkt des Unglücks mit Freunden in der Bar. Er habe ein Knirschen vernommen, aber dem zunächst keine Aufmerksamkeit geschenkt, sagte er nach seiner Rettung. Doch kurz darauf habe sich Nervosität und Panik ausgebreitet. "Es gab ein Handgemenge um die Schwimmwesten", erzählte Kucenko. "Wir hatten Angst, dass das Schiff kentert, wir konnten kaum laufen."

Die Evakuierung der "Sea Diamond" dauerte drei Stunden. An der Rettung der rund 1.195 Passagiere und 391 Besatzungsmitglieder beteiligten sich neben der Küstenwache und der Marine auch Fischerboote und Fähren. Die Menschen kletterten über Strickleitern in Rettungsboote oder überquerten schmale Landungsbrücken zu anderen Schiffen. Zunächst hieß es, alle Passagiere und Besatzungsmitglieder seien gerettet worden, es habe keine Verletzten gegeben. Später bestätigten die Behörden, dass von einem 45-jährigen Franzosen und seiner 16-jährigen Tochter jede Spur fehle.

Tourismusministerin Fanny Palli Petralia sagte, sie habe mit der Frau des Vermissten gesprochen. Diese habe erzählt, ihre Kabine sei mit Wasser vollgelaufen, sie habe sich nur mit Mühe retten können. "Sie war sich nicht sicher, ob ihr Mann und die Tochter es nach draußen geschafft haben, weil alles so schnell ging", sagte Petralia. Das zweite Kind der Familie sei an Deck gewesen und in Sicherheit gebracht worden. Die "Sea Diamond" sank 15 Stunden nachdem sie auf Grund gelaufen war.

"Wer immer dafür verantwortlich ist, wird streng zur Rechenschaft gezogen werden", sagte Petralia. "Griechenland ist ein wichtiges Touristenziel, und ein Vorfall wie dieser darf sich nicht wiederholen." Bei den Passagieren des Kreuzfahrtschiffes handelte es sich überwiegend um Amerikaner. Deutsche waren nach Angaben des Auswärtigen Amts nicht an Bord. Die 143 Meter "Sea Diamond" gehörte der zyprischen Reederei Louis Cruise Lines. Das Schiff, das überwiegend im östlichen Mittelmeer unterwegs war, wurde 1986 gebaut und 1999 komplett überholt.

DPA DPA

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