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Plastiktüten-Trikot machte ihn bekannt: "Ich möchte, dass Messi hilft" – ist der kleine Fan des Fußballstars Zielscheibe der Taliban?

Als Lionel-Messi-Fan mit dem Plastiktüten-Trikot rührte Murtasa Ahmadi 2016 unzählige Menschen. Jetzt fleht seine Mutter das Idol ihres Sohnes um Hilfe an.

Murtasa Ahmadi 2018 in seinem Lionel-Messi-Trikot aus einer Plastiktüte

Murtasa Ahmadi 2018 in seinem Lionel-Messi-Trikot aus einer Plastiktüte

DPA

Das Foto ging viral: Es zeigte den damals fünfjährigen Murtasa Ahmadi. Der kleine Körper steckte in einer blau-weiß gestreiften Plastikbeutel. Der mit einem Kugelschreiber aufgetragene Name "Messi" und die "10", Rückennummer des Fußball-Superstars, machten aus der Einkaufstüte ein Trikot und aus Murtasa den vielleicht stolzesten Jungen auf dem Bolzplatz. Das improvisierte Jersey war ein Geschenk seines älteren Bruders, die Familie konnte sich kein echtes Trikot des argentinischen Nationalspielers leisten.

Murtasa Ahmadi traf Lionel Messi

2016 war das und seitdem ist viel passiert im Leben des afghanischen Kindes und seiner Familie. Nachdem auch Organisatoren der Fußball-WM 2022 in Katar auf das Foto aufmerksam wurden, luden sie den Jungen nach Doha ein, zu einem Treffen mit seinem Idol – sogar auf den Fußballplatz durfte er den Vize-Weltmeister vor einem Freundschaftsspiel begleiten. (Lesen Sie hier mehr zu dem Treffen.Dazu bekam Murtasa über das Kinderhilfswerk Unicef zwei echte Trikots von Lionel Messi und einen signierten Fußball geschenkt. Ein Herzenswunsch ging in Erfüllung. "Ich bin froh, dass ich meinen Helden getroffen habe. Ein Traum ist wahr geworden", sagte Murtasa danach.

Murtasa Ahmadi mit Plastiktüten-Trikot und mit Lionel Messi

Das Foto mit dem Plastiktüten-Trikot ging Anfang 2016 um die Welt. Kein Jahr später traf Murtasa Ahmadi sein großes Idol Lionel Messi

Picture Alliance

Doch der Traum von einst droht nun zum Fluch zu werden. Schnell musste die Mutter um das Leben ihres Sohnes fürchten, wie sie berichtet. Der Grund dafür ist ausgerechnet das Treffen des Jungen mit seinem Vorbild vor gut zwei Jahren.

"Von dem Tag an, an dem Murtasa berühmt wurde, wurde das Leben für unsere Familie schwierig", sagt Mutter Schafika Ahmadi dem US-Sender CNN und der Nachrichtenagentur AFP. "Nicht nur die Taliban, sondern auch einige andere Gruppen dachten, dass Messi ihm möglicherweise viel Geld gegeben hätte. Wir haben aufgehört, ihn in die Schule zu schicken, und wir wurden ständig bedroht."

"Ich möchte raus aus diesem Land"

Sie quält der Gedanke, dass die Taliban womöglich ganz gezielt nach ihrem kleinen Jungen suchen. "Sie sagten, dass sie ihn zerstückeln würden, sollten sie ihn finden", erzählt Schafika. "Es wäre besser gewesen, wenn Murtasa nicht berühmt geworden wäre."

Weil es in ihrer ostafghanischen Heimatprovinz zu unsicher geworden war, flüchtete die Familie vor den Taliban in die Hauptstadt Kabul. Und auch dort sei die Angst nicht gewichen, berichtet die Mutter. 

"In Kabul kann ich nicht aus dem Haus gehen", erzählt Murtasa den Reportern. "Meine Mutter lässt mich nicht raus. Sie hat Angst. Ich spiele nur mit meiner Freundin im Haus." Der inzwischen sieben Jahre alte Junge hat ein großes Ziel: "Ich möchte raus diesem Land, weil hier gekämpft wird. Und dann ich möchte ein Fußballprofi wie Messi werden und mit ihm zusammen spielen."

Lionel Messi gibt dem Jungen Hoffnung. Und auch Mutter Schafika Ahmadi setzt bei ihrem großen Wunsch auf den Weltstar vom FC Barcelona: "Ich möchte, dass Messi hilft, uns aus Afghanistan zu befreien, damit Murtasa eine bessere Zukunft hat."

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Quellen: CNN, Nachrichtenagenturen DPA und AFP

wue