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29 Tote nach Unfall: Überlebende des Madeira-Unglücks erinnern sich: "Der Bus wurde immer schneller"

Was ein farbenfroher Osterurlaub unter südlicher Sonne werden sollte, endet für mehr als 50 Urlauber in einer Katastrophe. 29 Menschen kommen ums Leben. Überlebende beschreiben die Sekunden vor dem Crash.

Busunfall auf Madeira - Polizei sichert Unglücksstelle

Am Tag nach dem tödlichen Busunglück auf Madeira: Die Polizei sichert weiter die Unglücksstelle ab.

DPA

Es sollte ein fröhlich-beschwingter Ausflug nach Funchal werden, der Hauptstadt der malerischen "Blumeninsel" Madeira. Auf die Urlauber wartete ein typisch madeirisches Dinner mit kulinarischen Spezialitäten der Region in einem örtlichen Restaurant. Vom schmucken Hotel Quinta Splendida im Örtchen Caniço brach die Gruppe am frühen Abend mit einem Reisebus in das wenige Kilometer entfernte Lokal auf. Doch nur kurze Zeit später endete die Fahrt in einer Tragödie: In einer abfallenden Linkskurve kam der voll besetzte Bus plötzlich von der Straße ab, durchbrach ein Geländer, überschlug sich und stürzte etwa acht Meter in die Tiefe.

Die furchtbare Bilanz: 29 Menschen - davon nach bisherigen Erkenntnissen die meisten aus Deutschland - verlieren kurz vor Ostern ihr Leben. Fast genauso viele sind verletzt, einige sehr schwer. Die Touristen hätten die Reise bei einem deutschen Reiseveranstalter gebucht, es habe sich aber nicht um eine feste Gruppe gehandelt, sondern um Urlauber aus ganz Deutschland, sagte eine Mitarbeiterin des Hotels.

29 Menschen kommen auf Madeira ums Leben 

Madeira ist noch ruhig in diesen Tagen. Es ist Vorsaison, die Touristenströme bleiben noch aus. Aber es grünt und blüht bereits an allen Ecken - nicht umsonst begeistern sich vor allem Botanik-Fans für das farbenprächtige Eiland. Wegen des subtropischen Klimas herrschen das ganze Jahr über angenehme Temperaturen, die kältegeplagte Deutsche in Richtung des milden Wanderparadieses ziehen lassen. Neben der Algarve gilt Madeira als die beliebteste Urlaubsregion Portugals

Zwei Tage vor Karfreitag aber gibt es auf Madeira Regenschauer, viel Wind und Temperaturen unter 20 Grad. An diesem typischen Apriltag schlägt für mehr als fünf Dutzend Urlauber das Schicksal zu. Ihr Bus kommt nach der Katastrophe erst in dem Moment auf der Seite liegend zum Stillstand, als er auf das rote Ziegeldach eines Wohnhauses prallt, das zu dieser Zeit glücklicherweise unbewohnt ist. 28 Menschen sterben sofort, 28 weitere sind verletzt. Eine Frau erliegt kurze Zeit später ihren Verletzungen. Der Fahrer und der Reiseleiter - beide aus Portugal - überleben, müssen aber ebenfalls im Krankenhaus behandelt werden.

"Man kann nichts tun, man kann nur weinen"

Augenzeugen des Unfalls stehen minutenlang wie betäubt über der Böschung. Es sei eine "ohrenbetäubende Stille" eingetreten, "ein Schrei aus Stille, wie in einem Schockzustand", sagte Rita Castro, die das Geschehen nach eigenen Angaben aus der Nähe beobachtet hatte, im portugiesischen Fernsehen. Der Fahrer habe zuvor mit allen Mitteln versucht, den Unfall noch zu verhindern und den Reisebus zum Stehen zu bringen, was ihm aber nicht gelungen sei.

Eine andere Augenzeugin erzählt der Deutschen Presse-Agentur, der Bus sei "relativ langsam" unterwegs gewesen, dann habe es einen lauten Knall gegeben. "Innerhalb von zehn Minuten waren Krankenwagen vor Ort", sagt die Frau und fügt tief betroffen hinzu: "Man kann nichts tun, man kann nur weinen".

Bus nach wenigen Sekunden immer schneller

Dass der Bus "relativ langsam" gefahren sei, konnten Insassen, die das Unglück heil überstanden haben, allerdings nicht bestätigen. "Der Bus fuhr von der Quinta Splendida los, nach einige Sekunden wurde er immer schneller. Er schlug gegen die Mauer, wir glaubten sofort, dass er außer Kontrolle geraten war. Er wurde immer schneller, und dann überschlug er sich", erzählte ein deutscher Mann laut einem Bericht der Online-Zeitung "Observador". Er hatte sich bei dem Unglück eine Rippe gebrochen.

Spekulationen, ein Versagen der Bremsen habe zu dem Unfall geführt, stützte der Mann: "Ich kann mir keine andere Ursache vorstellen." Seine Frau, die leicht am Nacken verletzt wurde, erzählte, dass Sicherheitstipps aus dem Flugzeug geholfen hätten, dass sie glimpflich davongekommen seien. "Im Flugzeug erklärten sie uns, was zu tun war. Wir kauerten uns zusammen wie die Babys. Und das war unser Glück", sagte sie. Dem portugiesischen Fernsehsender TVI berichtete sie aber auch von schrecklichen Beobachtungen während des Unglücks: "Die Menschen sind durch die Fenster geflogen." 

Deutschsprachige Pfarre hilft

Mit Dutzenden Einsatzwagen rücken die Rettungskräfte an. Die Unglücksstelle wird weiträumig abgesperrt. Verletzte werden geborgen und in Sicherheit gebracht, die Toten mit Tüchern bedeckt. "Es wurden sofort Menschen auf der Insel gesucht, die Deutsch sprechen. Obwohl die Ärzte und Schwestern sich rührend um die Verletzten bemühen und kümmern, ist es aber immer wichtig, doch die Muttersprache zu hören und ein paar Worte der Aufmerksamkeit zu bekommen", sagte Ilse Everlien Berardo, Pfarrerin der Deutschsprachigen Evangelischen Kirche auf Madeira, in der RTL-Sendung "Guten Morgen Deutschland" am Donnerstag.

"Eine verletzte Dame sagte, ich glaube, ich habe meinen Lebenspartner verloren. Auch sie ist natürlich in einem Schockzustand", betonte Berardo, die sich voll des Lobes für die Sensibilität der Einsatzkräfte zeigte. 

Identifizierung der Opfer dauert an

Caniço am Tag danach. Polizisten sichern Spuren am Unfallort. Sie sammeln und suchen Ausweise der Passagiere. Denn noch immer ist nicht klar, ob es sich bei allen Opfern um Deutsche handelt. Andere Sicherheitskräfte kehren Scherben zusammen oder versuchen eine mitgerissene Stromleitung wieder aufzurichten. Menschen stehen in der Nähe, viele haben Tränen in den Augen.

Der Unglücksbus ist nicht mehr zu sehen, er wurde bereits geborgen. Zurück bleibt das eingestürzte Dach des getroffenen Wohnhauses. An einer Wand unter dem klaffenden Loch ist ein Kreuz zu erkennen. Der Bewohner war zum Unfallzeitpunkt bei Verwandten - ein Glücksfall für den Mann, den einzigen, der die Tragödie unversehrt überlebt hat. 

Busunglück auf Madeira: Deutsche Regierung und Twitter-Nutzer_11.40Uhr

rw / dho / Carola Frentzen / Alexander Sturm / DPA / AFP